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Friedhof

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Der "Fleischfresser"
Trennung der Toten von den Lebenden: Dieser neue Grundsatz führte in den Jahren 1786 und 1787 auch das Ende des innerstädtischen Pariser Friedhofs Cimetière des Innocents herbei. Vorangegangen waren dem Beschwerden von Bewohnern umliegender Häuser über schädliche Ausdünstungen, ins Mauerwerk von Kellern einsickernde Flüssigkeit und "allgemeine Verpestung".

Dabei stand gerade der Cimetière des Innocents seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung Anno 640 über zwölf Jahrhunderte lang in ausgezeichnetem Ruf: nicht nur als beliebter öffentlicher Platz mit Marktbuden, Bäckereien und Dirnen, sondern auch als höchst effektiver "Fleischfresser", da seine Erde offenbar Verwesungsprozesse beschleunigte.
 
Immer neue Leichenschichten in den Massengräbern ließen "das Fass jedoch im wahrsten Sinne des Wortes überlaufen", wie der Kulturhistoriker Hans-Eberhard Lex berichtet. Ab Januar 1786 wurden dann über achtzig Grüfte und fünfzig riesige Gemeinschaftsgräber sorgfältig ausgehoben.

Rund 20.000 Skelette und diverse Skelett-Teile fanden eine neue Ruhestätte in den Pariser Katakomben. Auf dem freigeräumten Gelände entstanden 1851 unter Napoleon III. die berühmten Les Halles, der "Bauch von Paris". Heute ragt dort ein Einkaufszentrum in die Höhe, das Forum des Halles.
 
Nur kurze Zeit nach dem Ende des Cimetière des Innocents wurden auch die anderen, durchweg Jahrhunderte alten innerstädtischen Pariser Friedhöfe aufgegeben. Außerhalb der Mauern legte man nun als Parks konzipierte Friedhöfe an, etwa den Père Lachaise (1804) oder den Cimetière Montmartre, auf dem 1856 Heinrich Heine beerdigt wurde.

Heute sind diese Friedhöfe, von der expandierenden Metropole umschlossen, wieder innerstädtische Friedhöfe geworden.

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Komplett für die Auferstehung
Eine Lösung der am Beginn der Neuzeit gegen Ende des 15. Jahrhunderts erstmalig auftretenden Hygiene- und Raumprobleme innerstädtischer Friedhöfe wäre die Feuerbestattung gewesen. Doch die Kirche lehnte Feuerbestattungen damals rigoros ab. Warum war das so?

Ein wichtiges Element des Glaubens ist die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag. Damit ist keineswegs nur die Auferstehung der Seele gemeint, das Konzept schließt die körperliche Auferstehung ein. Im naiven, wörtlichen Verständnis, wie es während des Mittelalters dominierte, zerstört aber Einäscherung den Körper unwiderruflich und steht damit der Auferstehung entgegen.

Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, im Zuge zunehmender Verweltlichung auch der Friedhofskultur, wurden Feuerbestattungen langsam populär. Das hing zusammen mit dem Erstarken des städtischen Proletariats, welches nach kostengünstigen Bestattungsmöglichkeiten suchte, sowie mit dem Aufkommen von Freidenkervereinen, die sich von christlichen Bestattungsriten und vom Konzept der Auferstehung bewusst distanzierten.

1871 ging in Deutschland das erste Krematorium in Betrieb. 1905 gründete sich der Verein Freidenker für Feuerbestattung. Und 1964 - nachdem in städtischen Gebieten längst die Mehrzahl der Begräbnisse Feuerbestattungen waren - wurde auch im katholischen Kirchenrecht das Verbot der Einäscherung aufgehoben.

Gebunden ist die Aufhebung des Verbots allerdings an den Grundsatz, dass damit nicht der Glaube an die Auferstehung verleugnet werden darf.