Der Dritte Pol
"An den weiten weißen Wegen, die zum Nordpol und zum Südpol führen, bleichen die Gebeine britischer Pioniere. An diesen Meilensteinen der Tat entlang führt der Weg, der die Söhne anderer Nationen zuerst nach diesen Zielen, den äußersten Punkten dieser irdischen Erde brachte. Ist der Wunsch unbescheiden, dass nach den vielen und schweren Opfern, die wir auf dem Altar des Everest niedergelegt haben, es einem Manne unserer Rasse vergönnt sein möge, den siegreichen Fuß auf diesen heiß umkämpften höchsten Punkt der Erde zu setzen, auf den Gipfel des unnahbaren Mount Everest?"Symbol des Unbezwingbaren
Der Bergsteiger George Ingle Finch brachte das Streben der Weltmacht auf den Punkt: nachdem Amerikaner ihnen 1909 am Nordpol zuvorgekommen waren, Norweger ihnen zwei Jahre später am Südpol den Sieg vor der Nase weggeschnappt hatten, wollten die Briten wenigstens auf dem Mount Everest die ersten sein. Der höchste Gipfel der Erde war mehr als lediglich eine geographische oder sportliche Herausforderung - er war das letzte große Abenteuer im Wettlauf zu den Extrempunkten des Planeten. Jahrzehnte lang stiegen hartnäckige britische Bergsteiger immer wieder gegen ihr Ziel an, versuchten das Symbol des Unbezwingbaren zu bezwingen - einige von ihnen bis in den Tod.
Messen und Erkunden
Offiziell gehörte der Gipfelsturm jedoch nicht zu den Aufgaben der britischen Mount-Everest-Expedition im Jahr 1921; offiziell ging es um geologische Vermessungen, um die Kartierung des Gebiets, um das Erkunden möglicher Aufstiegsrouten und um Erfahrungen mit verschiedenen Höhenlagen. Inoffiziell aber schlug Sir Francis Younghusband (1863 bis 1942), Präsident des eigens gegründeten Mount Everest Komitees, andere Töne an: "Von Anfang an hatten wir festgelegt, dass das primäre Ziel der Expedition das Besteigen des
Prestigeobjekt: ab den 1920er Jahren hatten unzählige Bergsteiger den Mount Everest im Visier - um als erste auf dem höchsten Gipfel der Welt zu stehen.
Bereit für den Gipfel
Als Forschungsexpedition war das Unternehmen erfolgreich: die elf Teilnehmer vermaßen eine Fläche von 31.000 Quadratkilometern, fertigten Karten an und erkundeten Routen. Nur den Mount Everest, den hatten sie nicht bestiegen. Im Jahr darauf waren die Briten wieder am Berg, diesmal bereit für den Gipfelsturm. Mit einem Gefolge von 150 Sherpas, hundert Kulis und dreihundert Yaks starteten dreizehn britische Bergsteiger eine fast schon militärische "Belagerung" des Berges. Erstmals überschritten sie die Achttausend-Meter-Grenze. Der Sieg schien nahe - bis eine Schneelawine sieben Träger in die Tiefe riss. Es war das tragische Ende der Mount-Everest-Expedition...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Mount Everest | ![]() |
Infobox
Mit 8.848 Metern ist der Mount Everest der höchste Berg der Erde und wächst wegen der Verdickung der kontinentalen Kruste pro Jahr um wenige Millimeter weiter. Extreme Wetterverhältnisse, insbesondere in der Todeszone oberhalb von 7.500 Metern, prägen das Klima am Berg: So kann die Temperatur im Januar auf minus sechzig Grad fallen, mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 285 Stundenkilometern. Infolge des Monsuns häufen sich zwischen Juni und September Niederschläge und Schneestürme. Mit raschen Wetterumschwüngen wie plötzlich einsetzenden Temperaturstürzen, Stürmen und meterhohen Schneefällen müssen Bergsteiger aber das ganze Jahr rechnen, was den Berg auch während der Besteigungssaisons im Mai und Oktober zu einem erheblichen Risiko macht.



