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Ein Bluthund für die Schule
Straßenverkehrstauglich ist der Bolide kaum, rückwärts einparken geht schon gar nicht: Bloodhound SSC (Super Sonic Car) heißt das Raketenauto - es soll deutlich schneller sein als der Schall. Konstruiert, geschraubt, hartnäckig am Gewicht gespart und getestet wird im südenglischen Bristol. Zwanzig Experten umfasst derzeit das Technik-Team.

Irgendwann, wahrscheinlich Anfang 2013, kommt in Hakskeen Pan in Südafrika die Stunde der Wahrheit: Dann soll der Bolide einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen: nämlich 1.000 Meilen, umgerechnet rund 1.600 Kilometer pro Stunde.

Das Bloodhound-Team um Projektdirektor Richard Noble und Chefingenieur Mark Chapman baut auf Erfahrungen mit dem Vorgängermodell Thrust SSC, welches am 15. Oktober 1997 in der Salzwüste von Nevada die Schallmauer durchbrach. Gemessen wurden im Durchschnitt 1.227,985 Kilometer pro Stunde über eine Meile. Immer noch ist dies gültiger Tempo-Weltrekord für ein Fahrzeug zu Lande.

Wie teuer der "Bluthund" als neuer Rekordaspirant unterm Strich sein wird, bleibt vorerst geheim. Beim Vorgänger Thrust fraß allein die Entwicklung rund 10 Millionen Euro. Hinzu kamen die Kosten für zwei Rolls Royce Spay Jettriebwerke und für das eigentliche, 16,5 Meter lange und 10,5 Tonnen schwere Gefährt.

Auffallend bei Thrust und Bloodhound sind die vergleichweise winzigen Fahrgestelle unter den schnittigen Karosserien. Über Bordsteinkanten kann man damit nicht fahren; jedes Hindernis am Boden hätte fatale Folgen. In der Gegend um Hakskeen Pan, einer Wüstenregion, sind langfristig rund hundert Menschen mit dem Wegräumen von Steinen befasst. Welchen Nutzen soll der Millionenaufwand unter diesen Umständen bringen?

Tatsächlich sind Thrust und Bloodhound Objekte in einem groß angelegten Bildungsprogramm: Der Rüstungskonzern Lockheed Martin, einer der Hauptsponsoren, investiert die benötigte Summe mit dem Zweck, Schülern technische Berufe nahe zu legen. Gar nicht genug könne man tun, um Kinder im defizitären Bildungssystem Großbritanniens wieder für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern, findet auch Bloodhound-Chef Noble.

Wenn der "Bluthund" 2013 durch die südafrikanische Wüste donnert, werden Zehntausende Schüler das Ereignis per Web-TV verfolgen. Sie werden fachsimpeln und diskutieren: über Aerodynamik, über das Haupttriebwerk des Bloodhound und über das zusätzliche Triebwerk aus dem Eurofighter. Dann hat sich alle Mühe gelohnt.