Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Wellness

Infobox

Entspannungs-ABC
Aroma-Therapie: Ätherische Öle - pflanzliche Duftstoffe - werden gegen unterschiedlichste Leiden eingesetzt. Sie wirken zum Beispiel krampflösend oder entzündungshemmend.
Caldarium: Das leicht verträgliche Dampf- und Inhalationsbad wirkt entspannend auf Körper und Geist.
Rasulbad: Pflegeschlamm wird auf den Körper aufgetragen und nach einer kurzen Einwirkungszeit wieder abgerieben. Es folgt eine Massage. Körper und Geist können sich erholen.
Thalasso-Therapie: Meerwasserbäder und Algenpackungen sollen regenerieren, entspannen und den Stoffwechsel anregen.

Infobox

Das Zen-Prinzip
"Forschungen ergaben, dass das Einatmen von Kiara-Holz-Duft und modifiziertem Baldrian Körper und Geist in den gleichen ausgeglichenen Zustand versetzen wie fünfundzwanzig Minuten Zen-Meditation im Sitzen." So wirbt der Hersteller des Parfüms Zen, benannt nach der gleichnamigen japanischen Philosophie.

Der Missbrauch eines Begriffs ist nicht immer so offensichtlich wie hier: Eine vor Jahrtausenden entstandene Philosophie, die Jahre täglichen Studiums benötigt, um erlernt und ins Leben integriert zu werden, kann nicht durch einen Sprühstoß ersetzt werden.

Wie mit Zen, so ist es auch mit vielen anderen im Wellness-Bereich so beliebten fernöstlichen Weisheiten: Für viele Asiaten bedeuten sie den Weg zum richtigen Leben, doch sind sie nicht an einem Tag erlernbar. Nur durch Parfüm oder Wellness-Wochenenden kann man sein Leben nicht grundlegend ändern. Dazu bedarf es mehr an Einsicht und Tun.

Infobox

Das klassische Menschenbild...
entstand im antiken Griechenland zwischen 500 und 450 v. Chr. aus der Verschmelzung polisdemokratischer und aristokratischer Elemente. Der gute Mensch zeichnete sich durch körperliche Tüchtigkeit, soziales Verhalten und Weisheit sowie durch geistige und körperliche Schönheit aus. Der Gesundheit wurde auch im späteren Hellenismus größte Bedeutung beigemessen. Gesunde Lebensführung war ein Muss.

Ein negatives Körperverständnis, basierend auf dem Jenseitsgedanken, beeinflusste dann ab dem 2. Jahrhundert die Einstellung des Christentums zu Gesundheit und Sport. Was nur dem Vergnügen galt, wurde abgelehnt. Erst während der Renaissance gewann die individuelle körperlich- seelische Existenz wieder an Gewicht. Das Menschenbild schwankte allerdings zwischen den Extremen Lebensgenuss und Jenseitserwartung.

Die Prinzipien des Leistungs- und Konkurrenzverhaltens setzten sich während der Aufklärung etwa ab dem 17. Jahrhundert durch. Es entstand die noch heute prägende materialistische Werteordnung: Der Körper wird als Werkzeug gesehen, mit dem man Erfolg und Anerkennung erreichen kann.