Auf spirituellem Pfad
Noch heute besinnen sich Menschen, Gläubige wie Nichtgläubige, auf die Tradition des Pilgerns und machen sich etwa auf den Weg nach Santiago de Compostela. Sind sie Weltenbummler auf der Reise zu sich selbst?Die Jakobsmuschel - der "Wegweiser" für Pilgernde auf dem Weg nach Santiago de Compostela. (Bild: Woehrling, Lizenz: CreativeCommons)
Tage, Wochen, Monate
Zeit verliert auf solcher Reise an Wert. Fast jeder bemerkt, dass er nicht mehr auf die Uhr sieht, das Handy abschaltet und die Tage nicht mehr zählt. Die einen sind zu Fuß und die anderen mit dem Fahrrad unterwegs. Manchmal dauert es nur Tage, manchmal aber auch Wochen oder Monate.
Nach Spanien
Gelegenheit für Fernwanderungen, bei denen der gestresste Mensch wieder zu sich selbst finden und seine Gedanken ordnen kann, bietet zum Beispiel der so genannte Jakobsweg: ein Pilgerweg oder besser gesagt ein Wegesystem, das von vielen Punkten Europas nach Spanien, zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela führt. Einer dieser Wege, wenn auch nicht der direkte, ist der Ökumenische Pilgerweg in Mitteldeutschland. Er folgt der alten Handelsstraße Via Regia durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Route beginnt in Vacha in Westthüringen und kreuzt Städte wie Erfurt, Freyburg, Leipzig und Bautzen.
Preiswert, einfach und mit Muschel
Auf der rund 450 Kilometer langen Strecke bieten zahlreiche Herbergen dem Pilger, egal welcher Glaubensrichtung, ihre Gastfreundschaft an. Auch sie machen die Besonderheit des Weges aus: Meist sind es Klöster, kirchliche Begegnungsstätten oder Privatunterkünfte. Sie alle sind preiswert, einfach und durch die Jakobsmuschel markiert.
Jedoch lässt sich während der Reise nicht nur der Schlafplatz leicht erkennen, ebenso der Pilger selbst. Um die Vorzüge der Pilgerunterkünfte zu nutzen, müssen Wallfahrer sich als solche ausweisen. Dazu erwerben sie beim Verein Ökumenischer Pilgerweg e. V. einen Pilgerausweis und bekommen das nötige Kartenmaterial gleich dazu. Aber selbst ohne Karte ist das Ziel leicht zu finden. Jakobsmuscheln entlang der Strecke weisen die Richtung.
Apostel Jakobus der Ältere: sein Grab in Santiago de Compostela zieht Pilger aus der ganzen Welt an. (Albrecht Dürer, 1516)
Zum vorläufigen Ende des Ökumenischen Pilgerweges gelangt der spirituelle Wanderer in Görlitz. Die östlichste Stadt Deutschlands zählt um die 56.000 Einwohner und ist an der Neiße gelegen. Sie hat mehr zu bieten als nur prächtige Patrizierhäuser. So gibt es in Görlitz eine originalgetreue Kopie des Heiligen Grabes von Jerusalem. Der Bau des Heiligtums geht zurück auf Georg Emmerich.
Der Handelsherr pilgerte im Jahr 1465 zwecks Buße nach Jerusalem und wurde dort zum Ritter des Heiligen Grabes geschlagen. Von nun an war er nicht nur Bürgermeister von Görlitz, er war "der König". Nach seiner Rückkehr ließ er das Heilige Grab maßstabsgetreu im Verhältnis 1:2 in seiner Heimatstadt modellieren. Der Baubeginn wird auf das Jahr 1481 datiert, die Fertigstellung erfolgte 1504.
Symbol eines fernen Ziels
Görlitz war seither das Ziel so mancher Wallfahrt. Viele Menschen, die gesundheitlich oder finanziell nicht in der Lage waren, sich auf den Weg ins Heilige Land zu machen, suchten solche Imitationen, Ersatzorte und Symbole des fernen Ziels im Orient auf. Was man heute von dem Görlitzer Grab-Nachbau sieht, ist vor allem dem 1808 erfolgten Wiederaufbau zu verdanken.
Über Distanzen und Sprachbarrieren
Wer den Spieß umdreht, in der Neißestadt startet und gen Vacha pilgert, kann weiter auf fränkischen Wegen wandern und von dort aus nach Santiago de Compostela. Doch es ist nicht das Ziel, was eine solche Pilgerfahrt ausmacht - der Weg ist entscheidend. Die Leute, die man trifft, machen ihn zu etwas Besonderem. Auf Jakobswegen werden Distanzen, Sprachbarrieren und Grenzen überwunden. Ihre Begeher sind Menschen, die auf der Suche sind, egal ob auf der Suche nach Gott, nach Vergebung oder nach Antworten auf offene Fragen des Lebens.
Susann Fischer (aktualisiert 25.03.2010)
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Infobox
Jakobus der Ältere
Ihm zum Gedenken sind die Jakobswege benannt. Jakobus gehörte zu den Lieblingsjüngern Christi. Geboren wurde er wohl um Christi Geburt. Nach Kreuzigung und Himmelfahrt des Gottessohnes verkündete Jakobus das Evangelium in Jerusalem und Samaria. Seine offenbar angesehene Stellung half ihm dabei. Die Kehrseite der Prominenz: König Herodes Agrippa I. ließ ihn um das Osterfest des Jahres 44 enthaupten. Jakobus ist damit der erste der zwölf Apostel, der den Märtyrertod erlitt.
Seine sterblichen Überreste brachten Anhänger bald in das Jakobus-Kloster auf dem Sinai. Dort aber waren sie nicht lange sicher. Vor den angreifenden Sarazenen rettete man die Gebeine nach Galizien (Spanien) und erbaute um sie herum die Jakobskirche von Santiago de Compostela. Der später weltberühmte Wallfahrtsort ist heute Endpunkt zahlreicher Pilgerstraßen. Jedes Jahr am 25. Juli erinnert dort ein Volksfest an die Geschichte aus den frühen Tagen des Christentums.
Ihm zum Gedenken sind die Jakobswege benannt. Jakobus gehörte zu den Lieblingsjüngern Christi. Geboren wurde er wohl um Christi Geburt. Nach Kreuzigung und Himmelfahrt des Gottessohnes verkündete Jakobus das Evangelium in Jerusalem und Samaria. Seine offenbar angesehene Stellung half ihm dabei. Die Kehrseite der Prominenz: König Herodes Agrippa I. ließ ihn um das Osterfest des Jahres 44 enthaupten. Jakobus ist damit der erste der zwölf Apostel, der den Märtyrertod erlitt.
Seine sterblichen Überreste brachten Anhänger bald in das Jakobus-Kloster auf dem Sinai. Dort aber waren sie nicht lange sicher. Vor den angreifenden Sarazenen rettete man die Gebeine nach Galizien (Spanien) und erbaute um sie herum die Jakobskirche von Santiago de Compostela. Der später weltberühmte Wallfahrtsort ist heute Endpunkt zahlreicher Pilgerstraßen. Jedes Jahr am 25. Juli erinnert dort ein Volksfest an die Geschichte aus den frühen Tagen des Christentums.




