Hunger, Krieg, Revolte
"Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand", schrieb Matthias Claudius im 18. Jahrhundert. Damals war den Menschen der Wert der Ernte noch bewusst."Und sie kamen über ganz Ägyptenland …, Und sie fraßen alles, was im Lande wuchs, … und ließen nichts Grünes übrig an den Bäumen und auf dem Felde." Sie waren Heuschrecken, die Gott (so sagt es die Bibel) als Strafe für die Weigerung des Pharao entsandte, dem geknechteten Volk Israel die Freiheit zu schenken.
Diese alte Geschichte vermittelt uns einen Eindruck von der geschichtsbildenden Bedeutung der Ernte für menschliche Gemeinschaften. Wer über die Ernte verfügte, hatte Macht. Wer sie zerstören, sich aneignen oder beeinflussen konnte, der hatte das Mittel, seinen Willen durchzusetzen. Aber er beschwor auch Widerstand und harte Überlebenskämpfe herauf.
Ernten schreiben Geschichte
Seit Menschengedenken sind Ernten Teil des Kreislaufs der Natur. Heute ist das Gefühl für ihr existenzielles Gewicht weitgehend aus dem Bewusstsein verschwunden. Klar, im Supermarkt um die Ecke lassen sich ja problemlos fast alle Gelüste stillen. Dass der Kampf um Nahrung, um Ernten, den Lauf der Welt- und Kulturgeschichte nachhaltig beeinflusst hat - es fällt uns schwer, uns das vorzustellen.
Doch die Geschichtsbücher sagen anderes: Missernten lösten Kriege aus; Hunger war der Nährboden für Revolutionen. Der Raub der Feldfrüchte scheint einst sogar das klassische Kriegsziel gewesen zu sein, zumindest an den Anfängen der europäischen Zivilisation. Die vielen Stadtstaaten des antiken Griechenland etwa waren geradezu Meister darin, Felder ihrer Feinde zu attackieren und zu zerstören. Unaufhörlicher Streit um fruchtbaren Boden kam hinzu, da Ackerbau im gebirgigen Griechenland rasch an natürliche Grenzen stieß.
Blühende Weizenfelder verhießen Macht und Reichtum - jedenfalls für all jene, die darüber verfügten.
Am verwundbarsten waren die Felder vor den Toren der antiken Städte zwischen den Monaten Mai und Juni, dann, wenn das Korn trocken und leicht entzündbar war - ideale Feldzugsaison. Freilich sollte der Kampf schnell vorüber sein, weil man die Männer ja für Erntearbeiten auf dem eigenen Boden brauchte.
So entstand die auf den ersten Blick grausame Taktik des Aufeinanderpralls von Phalanxen, die Methode der raschen, entscheidungssuchenden Massenschlacht. Diese Tradition prägte Europas Militärgeschichte - und europäische militärische Überlegenheit gegenüber Völkern anderer Klimazonen.
Untergang des Imperiums
Auch bei den Römern des klassischen Zeitalters boten fruchtbare Ländereien Anlass zur Expansion. Ein Motiv für den Ersten Punischen Krieg gegen Karthago (246 v. Chr.) dürfte die Eroberung Siziliens gewesen sein, dessen reiche Weizenerträge fortan den Hunger wachsender italischer Völker stillten. Viel später, so behauptet heute eine Reihe von Wissenschaftlern, habe lang anhaltende Dürre, im Wechsel mit extremen Regenperioden, den Untergang des Imperiums eingeleitet: Wetterbedingte Missernten lösten Hunger aus, und ließen das empfindliche ernährungswirtschaftliche Gleichgewicht des Römischen Reiches in Trümmer gehen.
Was von Karthago blieb: Der Hunger der Römer auf die Weizenernten Nordafrikas und Siziliens löste einen langen Krieg aus.
Noch über anderthalb Jahrtausende später trugen Missernten dazu bei, Geschichte zu gestalten, bargen sie doch immense soziale Sprengkraft. Als im französischen Königreich 1788 auf einen extrem harten Winter ein ungewöhnlich heißer Sommer folgte, der das Getreide auf den Halmen vertrocknen ließ, kam es fast überall zu katastrophalen Ernteerträgen. Angeheizt von Spekulanten stiegen die Preise für Brot ins Unermessliche an.
Vehement rebellierte das hungernde Volk gegen die Monarchie: Im Oktober 1789 marschierten zehntausende Pariser nach Versailles, eine Schar von Marktfrauen an der Spitze, um dem König zur Sicherung der Brotversorgung zu zwingen. Wie ein kostbares Pfand brachten die Rebellen den Monarchen und dessen Familie in seine Hauptstadt zurück: "Wir müssen nicht länger Hunger leiden. Wir bringen euch den Bäcker, die Bäckersfrau und den Bäckerjungen!" Missernten wurden zum Motor einer gesellschaftlichen Umwälzung, an deren Ende Europa von Grund auf umgekrempelt war.
Kampf um Ressourcen
Bis weit ins Zwanzigste Jahrhundert hinein bestimmte der Umgang mit der Feldfrucht, der Termin von Ernten, wann militärische Konflikte, die Massenmobilisierungen voraussetzten, überhaupt ausbrechen konnten. Nach Ansicht vieler Zeitgenossen haben Missernten - und schierer Hunger - Deutschland gegen Ende des Ersten Weltkriegs in die Knie gezwungen.
Nur im Freilichtmuseum wird noch per Hand geerntet: heutzutage erledigen Maschinen die beschwerliche Arbeit.
Geschichtsmächtiger Faktor
Missernten lösen heute nicht mehr unbedingt Hungersnöte oder soziale Umbrüche aus, Kriege und andere gewaltsame Konflikte hingegen schon. Nur raubt der Kontrahent nicht mehr die Ernte vom Feld; er bombardiert stattdessen Autobahnen, Fabriken und Supermärkte. Dennoch, der Kampf um Ressourcen, die alle letztlich das Ob und Wie des Überlebens betreffen, wird weiter geschichtsmächtiger Faktor bleiben.
Yvonne Schmidt/Michael Schmittbetz (19.09.2007)
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Alles zu seiner Zeit
Frisches Obst und Gemüse stehen hierzulande das ganze Jahr über auf dem Speiseplan. Besonders vielfältig ist das Angebot im Sommer: Allein im August haben 48 Obst- und Gemüsesorten Saison. Doch auch im Winter ist der Tisch reich gedeckt: Gemüsearten wie Möhren, Sellerie und viele Kohlarten sind robust und vertragen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.
Grünkohl und Rosenkohl schmecken sogar erst nach einem Frost richtig gut. Einige Porreesorten können noch im Frühjahr geerntet werden. Dagegen sind Tomaten, Zucchini, Gurken und Paprika sehr kälteempfindlich. Wann hat welches heimische Obst und Gemüse Saison? Ein Überblick:
Frühjahr (März, April): Wildgemüse wie Löwenzahn, Brennnessel, Gänseblümchen, Vogelmiere
Frühling (Mai): Kopfsalat und Feldsalat; Rettiche; Radieschen; Spargel; Wildgemüse (Schafgarbe, Spitzwegerich, Giersch, Sauerampfer); Garten- und Wildkräuter wie Schnittlauch, Bärlauch, Salbei und Petersilie
Frühsommer (Juni): Beerenobst wie Erdbeeren und Stachelbeeren; Gemüse wie Erbsen, Rettiche und Radieschen; Spargel; Kopfsalat, Schnittsalat und Feldsalat; Rhabarber; Kräuter (Melisse, Thymian, Petersilie und Salbei)
Hochsommer (Juli, August): Beerenobst wie Stachelbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren und Himbeeren; Steinobst wie Kirschen und Mirabellen; Gemüse wie Kohlrabi, Mangold, Spinat, Wirsing, Bohnen, Tomaten, Brokkoli, Blumenkohl, Rettiche, Radieschen, Bohnen, Sellerie; Salat (Kopfsalat, Schnittsalat, Feldsalat); Kräuter: Johanniskraut, wilde Malve, Lavendel, Liebstöckel, Petersilie, Melisse
Spätsommer (September): Birnen und frühe Apfelsorten (Elstar); Pflaumen und Zwetschgen; Brombeeren und Weintrauben; Gemüse wie Bohnen, Sellerie, Zucchini, Kürbis, Tomaten, Brokkoli und Weißkraut; Salat (Kopfsalat, Schnittsalat), Kräuter (Rosmarin, Petersilie, Melisse)
Frühherbst (Oktober): späte Apfelsorten (Jonagold, Boskoop); Weintrauben; Hagebutte; Salat (Endivien, Feldsalat); Gemüse wie Karotten, Sellerie, Kohlrüben, Rotkohl; Kartoffeln
Herbst (November): Rosenkohl, Grünkohl, Lauch, Weißkraut, Rotkohl; Salat wie Endiviensalat, Feldsalat
Winter (Dezember bis Februar): Rosenkohl, Grünkohl, Lauch, Rote Beete
Frisches Obst und Gemüse stehen hierzulande das ganze Jahr über auf dem Speiseplan. Besonders vielfältig ist das Angebot im Sommer: Allein im August haben 48 Obst- und Gemüsesorten Saison. Doch auch im Winter ist der Tisch reich gedeckt: Gemüsearten wie Möhren, Sellerie und viele Kohlarten sind robust und vertragen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.
Grünkohl und Rosenkohl schmecken sogar erst nach einem Frost richtig gut. Einige Porreesorten können noch im Frühjahr geerntet werden. Dagegen sind Tomaten, Zucchini, Gurken und Paprika sehr kälteempfindlich. Wann hat welches heimische Obst und Gemüse Saison? Ein Überblick:
Frühjahr (März, April): Wildgemüse wie Löwenzahn, Brennnessel, Gänseblümchen, Vogelmiere
Frühling (Mai): Kopfsalat und Feldsalat; Rettiche; Radieschen; Spargel; Wildgemüse (Schafgarbe, Spitzwegerich, Giersch, Sauerampfer); Garten- und Wildkräuter wie Schnittlauch, Bärlauch, Salbei und Petersilie
Frühsommer (Juni): Beerenobst wie Erdbeeren und Stachelbeeren; Gemüse wie Erbsen, Rettiche und Radieschen; Spargel; Kopfsalat, Schnittsalat und Feldsalat; Rhabarber; Kräuter (Melisse, Thymian, Petersilie und Salbei)
Hochsommer (Juli, August): Beerenobst wie Stachelbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren und Himbeeren; Steinobst wie Kirschen und Mirabellen; Gemüse wie Kohlrabi, Mangold, Spinat, Wirsing, Bohnen, Tomaten, Brokkoli, Blumenkohl, Rettiche, Radieschen, Bohnen, Sellerie; Salat (Kopfsalat, Schnittsalat, Feldsalat); Kräuter: Johanniskraut, wilde Malve, Lavendel, Liebstöckel, Petersilie, Melisse
Spätsommer (September): Birnen und frühe Apfelsorten (Elstar); Pflaumen und Zwetschgen; Brombeeren und Weintrauben; Gemüse wie Bohnen, Sellerie, Zucchini, Kürbis, Tomaten, Brokkoli und Weißkraut; Salat (Kopfsalat, Schnittsalat), Kräuter (Rosmarin, Petersilie, Melisse)
Frühherbst (Oktober): späte Apfelsorten (Jonagold, Boskoop); Weintrauben; Hagebutte; Salat (Endivien, Feldsalat); Gemüse wie Karotten, Sellerie, Kohlrüben, Rotkohl; Kartoffeln
Herbst (November): Rosenkohl, Grünkohl, Lauch, Weißkraut, Rotkohl; Salat wie Endiviensalat, Feldsalat
Winter (Dezember bis Februar): Rosenkohl, Grünkohl, Lauch, Rote Beete
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Erntedankfeste...
sollen uns gemahnen, die tägliche Nahrung nicht als selbstverständlich zu sehen. Sie symbolisieren, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen.
Der Ursprung des Erntedankfests liegt in vorchristlicher Zeit: Bereits Ägypter, Griechen und Römer verehrten aus Anlass der Ernte ihre jeweiligen Götter. Im Christentum wurde hingegen erst 1773 ein regelmäßiges Erntedankfest eingeführt - die Wurzel heutiger Feierlichkeiten.
Stark ritualisiert, aber auch kommerzialisiert, ist die amerikanische Variante des Erntedankfests, das Thanksgiving. Der staatliche Feiertag Ende November ist keineswegs nur beschauliches Beisammensein um den Truthahn, sondern vor allem ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, leitet er doch die Zeit der Weihnachtseinkäufe ein.
sollen uns gemahnen, die tägliche Nahrung nicht als selbstverständlich zu sehen. Sie symbolisieren, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen.
Der Ursprung des Erntedankfests liegt in vorchristlicher Zeit: Bereits Ägypter, Griechen und Römer verehrten aus Anlass der Ernte ihre jeweiligen Götter. Im Christentum wurde hingegen erst 1773 ein regelmäßiges Erntedankfest eingeführt - die Wurzel heutiger Feierlichkeiten.
Stark ritualisiert, aber auch kommerzialisiert, ist die amerikanische Variante des Erntedankfests, das Thanksgiving. Der staatliche Feiertag Ende November ist keineswegs nur beschauliches Beisammensein um den Truthahn, sondern vor allem ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, leitet er doch die Zeit der Weihnachtseinkäufe ein.
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Wer im Supermarkt...
zu Mais greift, denkt vielleicht daran, wie er als Kind über die Felder lief und Maiskolben geklaut hat. Damals konnte man eben sicher sein, dass wirklich Mais drin war, wo Mais "draufstand". Heute macht die Nahrungsmittelindustrie einen Wandlungsprozess durch. Pflanzen werden mit fremden Genen regelrecht "gedopt" - der Biotechnologie sei Dank.
Wie weit aber lässt sich Biotechnologie treiben? Etwa so weit, dass irgendwann nur noch Biomasse, also beliebiges organisches Material, als Basisrohstoff für alle Lebensmittel dient? In der Konsequenz könnte das heißen, dass Mais nicht mehr vom Feld, sondern aus der Fabrik oder aus dem Labor kommt. Genau wie alle anderen Nahrungsmittel, ob Fleisch, Fisch, Obst oder Gemüse.
zu Mais greift, denkt vielleicht daran, wie er als Kind über die Felder lief und Maiskolben geklaut hat. Damals konnte man eben sicher sein, dass wirklich Mais drin war, wo Mais "draufstand". Heute macht die Nahrungsmittelindustrie einen Wandlungsprozess durch. Pflanzen werden mit fremden Genen regelrecht "gedopt" - der Biotechnologie sei Dank.
Wie weit aber lässt sich Biotechnologie treiben? Etwa so weit, dass irgendwann nur noch Biomasse, also beliebiges organisches Material, als Basisrohstoff für alle Lebensmittel dient? In der Konsequenz könnte das heißen, dass Mais nicht mehr vom Feld, sondern aus der Fabrik oder aus dem Labor kommt. Genau wie alle anderen Nahrungsmittel, ob Fleisch, Fisch, Obst oder Gemüse.



