Fortschritt und Elend
Brasilien sei das Land der Zukunft, schrieb der Schriftsteller Stefan Zweig Anfang der 1940er Jahre im Exil. Und tatsächlich hat das Land gewaltige Fortschritte gemacht. Soziale Probleme aber gibt es viele.Brasiliens amtierender Präsident Lula da Silva (re.), mit seinem Vize José Alencar. (Foto von Marcello Casal, 2004)
Weniger als zwei Dollar
Leicht sind die vor Lula liegenden Hürden nicht zu überwinden. Nachdem Brasilien in den 1980er Jahren noch die zweifelhafte Ehre anhaftete, das am höchsten verschuldete Entwicklungsland zu sein, hat sich über ein Jahrzehnt später die wirtschaftliche Lage zwar verbessert, nicht aber die soziale: Arbeitslosigkeit grassiert, Armut ist weit verbreitet: Laut Schätzungen der UN müssen 22 Prozent der mehr als 180 Millionen Brasilianer mit weniger als zwei Dollar am Tag über die Runden kommen.
Drei Mahlzeiten pro Tag
Unter Lula sollte nun alles anders werden: "Meine Regierung wird Wirtschaftswachstum symbolisieren und ein gerechtes Brasilien schaffen", gab sich der Politiker nach gewonnener Wahl zuversichtlich. Ziel sei es, die Inflation einzudämmen, die Infrastruktur auszubauen, die Mindestlöhne zu erhöhen - und zehn Millionen Arbeitsplätze zu schaffen. Außerdem initiierte der Sohn armer Eltern soziale Hilfsprojekte wie Bolsa Familia: Zwecks Armutsbekämpfung sollen mehr als 45 Millionen Menschen pro Monat bis zu 35 Euro erhalten. "Wenn am Ende meiner Amtszeit jeder Brasilianer dreimal am Tag essen kann", so Lula, "habe ich die Aufgabe meines Lebens erfüllt."
Ordem e progresso (deutsch: Ordnung und Fortschritt) heißt es auf der Flagge Brasiliens. Jedoch sind Fortschritte nicht im ganzen Land zu spüren.
Und tatsächlich erreichte Lula, woran so viele Politiker vor ihm gescheitert sind: unter seiner Führung präsentiert sich Brasilien nicht nur als erstarkte industrialisierte Großmacht mit einem hohen Maß an Konstanz, Professionalität und Verlässlichkeit. Wegen seiner regionalen Vormachtstellung agiert das größte Land Lateinamerikas auch als stabilisierender politischer Faktor auf dem Kontinent. Ausdruck des neu erlangten Selbstbewusstseins ist beispielsweise das Streben Brasiliens nach einem permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat.
Schritt nach vorn
Insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet hat Brasilien in den zurückliegenden Jahren einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht: das Bruttoinlandsprodukt wächst kontinuierlich, während Inflationsrate und öffentliche Verschuldung sinken. Ende 2005 zahlte Brasilien sogar seine Restschuld beim Internationalen Währungsfond von mehr als fünfzehn Milliarden Dollar vorzeitig zurück...
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Luiz Inácio Lula da Silva
Der Staatschef Brasiliens stammt aus einfachen Verhältnissen. 1945 als siebtes von acht Kindern in Caetés im Bundesstaat Pernambuco geboren, musste Lula nach kurzem Schulbesuch bereits mit zwölf Jahren als Schuhputzer und Botenjunge zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Nach seiner Ausbildung zum Metallfacharbeiter arbeitete Lula ab 1966 in der Industrie und wurde Mitglied der Gewerkschaft. 1980 gründete der Sozialist die Arbeiterpartei Partidos dos Trabalhadores, kurz PT.
Schon 1989 bemühte sich Lula um das Präsidentenamt, doch konnte sich der Politiker mit seinem Programm gegenüber den anderen Kandidaten nicht behaupten. Erst aus dem Wahlkampf im Jahr 2002 ging Lula als Sieger hervor. Seine zweite Amtszeit, die 2006 begann, gewann er mit nur knappem Vorsprung. Zu verdanken hat der Präsident seinen Sieg der ärmeren Bevölkerung, die insbesondere im Norden des Landes weiter zu ihm hielt, wo Lula da Silvas Sozialprogramme erste Erfolge zeigten.
Der Staatschef Brasiliens stammt aus einfachen Verhältnissen. 1945 als siebtes von acht Kindern in Caetés im Bundesstaat Pernambuco geboren, musste Lula nach kurzem Schulbesuch bereits mit zwölf Jahren als Schuhputzer und Botenjunge zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Nach seiner Ausbildung zum Metallfacharbeiter arbeitete Lula ab 1966 in der Industrie und wurde Mitglied der Gewerkschaft. 1980 gründete der Sozialist die Arbeiterpartei Partidos dos Trabalhadores, kurz PT.
Schon 1989 bemühte sich Lula um das Präsidentenamt, doch konnte sich der Politiker mit seinem Programm gegenüber den anderen Kandidaten nicht behaupten. Erst aus dem Wahlkampf im Jahr 2002 ging Lula als Sieger hervor. Seine zweite Amtszeit, die 2006 begann, gewann er mit nur knappem Vorsprung. Zu verdanken hat der Präsident seinen Sieg der ärmeren Bevölkerung, die insbesondere im Norden des Landes weiter zu ihm hielt, wo Lula da Silvas Sozialprogramme erste Erfolge zeigten.



