Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Brasilien

Infobox

Brasilien - die Fakten
Mit mehr als 195 Millionen Menschen ist Brasilien nicht nur der bevölkerungsreichste Staat Südamerikas; das Land ist zugleich der fünftgrößte Flächenstaat der Erde und nimmt fast fünfzig Prozent des Kontinents ein.

Über siebzig Prozent der Bevölkerung wohnen in Städten, von denen die größte São Paulo mit 19,8 Millionen Einwohnern ist. São Paulo fungiert auch als wirtschaftlicher Motor Brasiliens, wo viele internationale, auch deutsche, Firmen ansässig sind. Rio de Janeiro zählt etwa 11,9 Millionen Menschen, während in der Hauptstadt Brasilia, die in den 1960ern als klassische Planhauptstadt aus dem Boden gestampft wurde, nur rund 3,5 Millionen Einwohner leben.

Das Klima in Brasilien ist überwiegend tropisch. Reichhaltige Niederschläge gibt es im feuchten Amazonasbecken. Mit fast 6.500 Kilometern ist der Amazonas der längste Fluss der Erde. Hinsichtlich seines Artenreichtums ist Brasilien ebenfalls Rekordhalter: Rund 3.000 Wirbeltiere und 55.000 Blütenpflanzen sind hier heimisch. Allerdings sind viele Arten vom Aussterben bedroht.

Ein Grund ist die Abholzung des Regenwaldes - eines der größten unberührten Waldgebiete weltweit. Sich ausweitende plantagenartige Land- und Forstwirtschaft sowie Straßenbau gefährden das Ökosystem. Um dem entgegenzusteuern, plant die brasilianische Regierung bis 2021 Investitionen in Höhe von mehreren Millionen Euro für Alternativen zur Rodung.

Infobox

Die letzten Ureinwohner
"Wenn ein Jesuit ein Indianerdorf besucht und es keine Bereitschaft zeigt, sich katechisieren zu lassen, muss man die Indianer eben mit dem Schwert und mit der Eisenrute traktieren", äußerte im 16. Jahrhundert der Jesuitenpater José de Anchieta. Fünfhundert Jahre später, 1989, meinte der brasilianische Heeresminister Gonçalves: "Die Kultur der Indianer ist eine der niedrigsten und verdient wenig Respekt."

Von den einst drei Millionen Indianern leben noch rund 13.000 in Reservaten, wo sie nach alter Weise für sich sorgen und ihre Kultur pflegen. Bekannt ist vor allem der über 27.000 Quadratkilometer große Xingu-Nationalpark. Neun Stämme fristen dort ihr Dasein, darunter die letzten Ureinwohner, die Xingu, mit rund dreitausend Menschen.

Infobox

Diktatur und Demokratie
Als der portugiesische Seefahrer Pedro Alvares Cabral im Jahr 1500 Brasilien für die portugiesische Krone in Besitz nahm, begann die europäische Geschichte des Landes. Etwa drei Jahrhunderte später wurde das zur Hauptstadt ernannte Rio de Janeiro Zentrum des damaligen portugiesischen Weltreichs, nachdem der König João VI. vor den Franzosen aus Portugal fliehen musste.

1822 erklärte sein Sohn Pedro I. die Unabhängigkeit Brasiliens. Als dessen Sohn Pedro II., der noch vor seiner Volljährigkeit zum Kaiser gekrönt wurde, 1888 die Sklaverei abschaffte, putschte das Militär. Daraufhin floh der Kaiser ins Pariser Exil und machte den Weg frei für die erste Republik. Anschließend an eine Phase der "wohlwollenden Diktatur" kehrte das Land nach dem Zweiten Weltkrieg zur Demokratie zurück.

Doch schon 1964 putschte das Militär erneut. Trotz Säuberungsaktionen und Zensur bedeutete die Militärdiktatur eine Zeit des Wirtschaftsbooms. Freie Wahlen wurden erst Mitte der 1980er Jahre zugelassen. Als großes Problem für die Demokratie erwies sich die Inflation. Außerdem sorgten Bestechlichkeit, Veruntreuung und Korruption in Politikerkreisen immer wieder für Schlagzeilen.

Die eher instabile wirtschaftliche Lage änderte sich erst unter dem 2002 gewählten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Problematisch sind nach wie vor zu schwache Parteien und Korruption, was die öffentliche Verwaltung in ihrem Handlungsspielraum einschränkt und das Vertrauen in die Politik schwächt. Die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff ließ in einer Anti-Korruptionsoffensive mehrere Minister zurücktreten.