Der britische Krönungsstuhl: Der Stone of Scone ist unter der Sitzfläche eingebaut. (Illustration von 1855)
Streitfrage Stein
Es ist der erste Weihnachtsfeiertag 1950, Tatort London: Zu nächtlicher Stunde sind Schritte in der altehrwürdigen Westminsterabtei zu hören. Metall scheppert auf Stein. Drei Männer und eine Frau machen sich an einem Holzstuhl zu schaffen. Wenige Minuten später tragen Ian Hamilton, Gavin Vernon, Alan Stuart und Kay Matheson einen schweren Brocken aus der Abtei. Sie hieven ihn ins Auto und brausen Richtung Osten davon.Hektische Suche
Schnell wird der Diebstahl bekannt. Schottland jubelt. Londoner Detectives suchen hektisch nach dem Diebesgut. Was war geschehen? Keine wertvollen Edelsteine hatten die vier Studenten entwendet, sondern den Stone of Scone. Der drei Zentner schwere Sandsteinquader ist unscheinbar, aber keineswegs unbedeutend: Nichts weniger als das vor Jahrhunderten nach England entführte Symbol der schottischen Unabhängigkeit haben die Studenten in ihren Besitz gebracht. Doch was trieb die jungen Diebe zur Tat?
Edwards Kriegsbeute
Ein Blick in die Vergangenheit gibt Antworten: Im frühen Mittelalter war der Stein den Schotten ein magischer Gegenstand; die schottischen Könige ließen sich zu ihm führen und stehend krönen. 1296 war es mit der Tradition vorbei: Schottland hatte England die Unterstützung im Krieg gegen Frankreich versagt und seine alte Waffenbrüderschaft mit dem Land Philipps IV. wiederbelebt. Edward I., König von England, rächte sich bitter. Er marschierte an der Spitze seines Heeres nach Schottland, metzelte Menschen nieder, annektierte das Nachbarland und kerkerte den schottischen König ein. Seinen Anspruch als Herrscher von Schottland unterstrich Edward I. mit dem Raub des Steins aus der Abtei von Scone. Die Kriegsbeute brachte er nach London in die Westminsterabtei.
Königliche Demütigung
Die Schmach hätte nicht größer sein können: Edward I. ließ den Stein in den englischen Krönungsthron einbauen. Von nun an saßen während der Krönungszeremonie englische Könige auf dem Symbol der Eigenständigkeit Schottlands! Zynisch mutet es da an, dass den Engländern der Stein als Symbol der Einigkeit der schottischen und englischen Königreiche galt. Schon seit Jahrhunderten brodelten Rivalitäten zwischen den beiden Ländern. Immer wieder hatten die Engländer versucht, Schottland an sich zu reißen.
Unter Königin Anne (1665 bis 1714) verschmolzen England und Schottland 1707 zum Königreich Großbritannien.
Von Annäherung konnte also nach 1296 seitens der Schotten keine Rede sein. Jahre des Kampfes um Unabhängigkeit und einen eigenen Monarchen folgten, in denen die Schotten eine ausgeprägte Nationalidentität entwickelten. Der Freiheitskämpfer William Wallace vertrieb 1297 die Engländer kurzzeitig, musste sich aber nur ein Jahr später geschlagen geben und fliehen. Ein Landsmann verriet Wallace, dessen Hinrichtung in London eine der brutalsten in der englischen Geschichte war. Mehr Erfolg hatte der Zeitgenosse von Wallace und spätere schottische König Robert I.: In mehreren Schlachten rieb er das englische Heer auf. 1328 musste Edward III. die neue Unabhängigkeit Schottlands akzeptieren.
Zwei Kronen für James
Mit militärischer Gewalt konnte England den Nachbarn Schottland nicht bezwingen. Stattdessen setzte man auf verwandtschaftliche Beziehungen. Jahrhunderte geschickter Heiraten verbanden den Adel beider Länder: Das Ergebnis war der 1566 geborene James, Sohn Maria Stuarts und des Herzogs von Albany. Als James VI. wurde der Säugling in Schottland gekrönt, als James I. bestieg er 1603 den englischen Thron.
Am Rande des Bankrotts
Ein Jahrhundert lang blieben die beiden Länder eigenständig. Die kampffreudigen Schotten waren ruhig geworden, weil ihr Land pleite war. 1695 hatte Schottland die Hälfte seines Kapitals in einer Kolonie in der Region des heutigen Panama angelegt. Die Investition endete im Desaster: Malaria raffte die Siedler dahin; wer die Krankheit überlebte, wurde von spanischen Kolonisten angegriffen. Schottland stand am Rand des Staatsbankrotts. Unter diesem Gesichtspunkt war die Union mit England attraktiv. 1707 vereinigte Königin Anne Schottland und England zum Königreich Großbritannien...
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Schottland - die Fakten
Schottland gehört zum Vereinigten Königreich Großbritannien und nimmt das nördliche Drittel der Britischen Insel ein. Auf einem Gebiet von 78.772 Quadratkilometern - das entspricht weniger als einem Viertel der Fläche Deutschlands - leben um die fünf Millionen Menschen. Die größten Städte und wirtschaftliche wie kulturelle Zentren des Landes sind Glasgow mit etwa 600.000 und Edinburgh - die Hauptstadt Schottlands - mit rund 450.000 Einwohnern.
Zu Schottland gehören die Inselgruppe der Hebriden im Westen sowie die Orkney- und die Shetland-Inseln im Norden. Drei geografische Regionen charakterisieren die Landschaft Schottlands: die Highlands, die Central Lowlands und die Southern Uplands. Mit dem 1.344 Meter hohen Ben Nevis nennt Schottland den höchsten Berg Großbritanniens sein Eigen. Berühmt ist Schottland auch für sein unbeständiges Wetter. Es zeichnet sich durch eher kühle Temperaturen und recht häufigen Regen aus - was mit Einschränkungen allerdings für die ganze Britische Insel gilt.
Im Sommer liegen die Temperaturen bei durchschnittlich 18 Grad Celsius - für echte Schotten kein Hinderungsgrund, in der "warmen" Jahreszeit kurze Hosen, T-Shirts und Sandalen zu tragen. Der Westen des Landes erfreut sich dank des Golfstroms generell etwas höherer Temperaturen als der Osten. Mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von rund 3.000 Millimetern sind die Western Highlands die regenreichste Region Schottlands. Schnee fällt kaum, und wenn, dann nur in Höhenlagen.
Schottland gehört zum Vereinigten Königreich Großbritannien und nimmt das nördliche Drittel der Britischen Insel ein. Auf einem Gebiet von 78.772 Quadratkilometern - das entspricht weniger als einem Viertel der Fläche Deutschlands - leben um die fünf Millionen Menschen. Die größten Städte und wirtschaftliche wie kulturelle Zentren des Landes sind Glasgow mit etwa 600.000 und Edinburgh - die Hauptstadt Schottlands - mit rund 450.000 Einwohnern.
Zu Schottland gehören die Inselgruppe der Hebriden im Westen sowie die Orkney- und die Shetland-Inseln im Norden. Drei geografische Regionen charakterisieren die Landschaft Schottlands: die Highlands, die Central Lowlands und die Southern Uplands. Mit dem 1.344 Meter hohen Ben Nevis nennt Schottland den höchsten Berg Großbritanniens sein Eigen. Berühmt ist Schottland auch für sein unbeständiges Wetter. Es zeichnet sich durch eher kühle Temperaturen und recht häufigen Regen aus - was mit Einschränkungen allerdings für die ganze Britische Insel gilt.
Im Sommer liegen die Temperaturen bei durchschnittlich 18 Grad Celsius - für echte Schotten kein Hinderungsgrund, in der "warmen" Jahreszeit kurze Hosen, T-Shirts und Sandalen zu tragen. Der Westen des Landes erfreut sich dank des Golfstroms generell etwas höherer Temperaturen als der Osten. Mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von rund 3.000 Millimetern sind die Western Highlands die regenreichste Region Schottlands. Schnee fällt kaum, und wenn, dann nur in Höhenlagen.



