Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Südsee

Infobox

Meuterei auf der Bounty
Die Bounty verließ im Dezember 1787 unter dem Kommando von Leutnant William Bligh England. Ab Oktober 1788 verbrachte die Crew fünf Monate auf Tahiti, um Brotbaumsetzlinge aufzunehmen - während des ausgedehnten Landgangs begann die Disziplin zu verfallen. Zurück auf dem Schiff, geriet Bligh mehrmals mit dem Zweiten Offizier Fletcher Christian aneinander. Nach einer durchzechten Nacht und mit Rückhalt mehrerer Matrosen, ließ Christian seinen Vorgesetzten am 28. April 1789 fesseln und setzte ihn in der Barkasse des Schiffes aus.

18 Mann weigerten sich, auf der Bounty zu bleiben, und begleiteten Bligh. Der Leutnant, ein ausgezeichneter Navigator, segelte das Beiboot in 48 Tagen 5.800 Kilometer nach Timor und kehrte von dort nach England zurück. Bligh wurde später Gouverneur in New South Wales in Australien und erreichte den Rang eines Vizeadmirals.

Schon zu Lebzeiten hatte Bligh mit einem schlechten Ruf zu kämpfen: Verwandte der Bounty-Meuterer, allen voran Fletcher Christians Bruder Edward, stellten ihn als knauserigen, grausamen und tyrannischen Kommandanten hin - eine Darstellung, die im Nachhall der französischen Revolution die Meuterei in den Augen vieler sogar legitimierte.

Die historische Forschung jedoch zeichnet ein anderes Bild von Kommandant Bligh. Er habe viel seltener zu drastischen Strafen wie Auspeitschen gegriffen, als es in der Navy damals üblich war, und sich sehr um das Wohlergehen seiner Leute gekümmert. Als Beleg dafür lässt sich die wochenlange Reise im Beiboot anführen: Lediglich ein Insasse kam bei einem Scharmützel mit Einheimischen auf der Insel Tofua um. Alle anderen erreichten unter William Blighs Führung - trotz Stürme und knapper Vorräte - Timor lebend.