Diagnose Depression
Traurigkeit und Stimmungstiefs kennt jeder - eine depressive Erkrankung aber ist etwas völlig anderes. Die Depression nimmt Betroffenen die Kraft zum Leben, einfachste Tätigkeiten werden unmöglich.Ein überwältigendes Gefühl von Leere und Hoffnungslosigkeit: Gesunde Menschen können eine Depression kaum nachfühlen.
"Reiß dich zusammen!"
Familienangehörige und Freunde können oft nicht nachfühlen, was ein depressiver Mensch durchlebt, was in ihm vorgeht. "Reiß dich zusammen", lautet ein gut gemeinter Rat. Mit "Zusammenreißen" lässt sich eine Depression aber nicht aus der Welt schaffen, immerhin sind biochemische Vorgänge im Gehirn für die Krankheit mitverantwortlich: Bei einer Depression ist die Konzentration der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin zu niedrig. Die beiden Stoffe sind an der Weitergabe von Informationen von einer zur anderen Nervenzelle beteiligt. Bei Mangel ist die Signalübertragung gestört, sind Denken und Fühlen gehemmt.
Die Schwellen des Lebens
Zu den körperlichen kommen psychische Ursachen. Häufig treten Depressionen auf, wenn sich etwas Entscheidendes im Leben ändert, ein neuer Abschnitt beginnt. Das können negative Ereignisse sein wie der Verlust eines nahen Angehörigen oder das Scheitern der Ehe, aber auch positive Ereignisse wie der Studienabschluss. Wie ein Mensch mit solchen Schwellensituationen umgeht, hängt ab von den psychischen Bewältigungsstilen, die er sich seit frühester Kindheit angeeignet hat - sind seine Strategien unzureichend, fühlt er sich überfordert und kann in eine Depression verfallen.
Gut versteckt
Doch nicht jede Depression lässt sich auf einen konkreten Auslöser zurückführen - in vielen Fällen gibt es gar keinen. Das macht das Erkennen von Depressionen so schwierig: Auch Menschen, in deren Leben alles gut läuft, können unter Antriebslosigkeit, Freud- und Lustlosigkeit leiden. Sie kommen aber selten auf den Gedanken, dass es sich dabei um eine Krankheit handelt. Selbst Ärzte treffen nicht immer die richtige Diagnose. Das liegt auch darin begründet, dass sich Depressionen häufig hinter körperlichen Leiden "verstecken" - Betroffene gehen dann wegen Magenschmerzen, Verdauungsstörungen oder Nierenproblemen zum Arzt. Nur jede zweite behandlungsbedürftige Depression, so schätzen Experten, wird erkannt.
Zweigleisige Behandlung
Viele Menschen, bei denen die Diagnose Depression feststeht, sind erleichtert: Jetzt weiß ich endlich, was mit mir los ist! Und endlich lässt sich auch etwas gegen die Krankheit unternehmen. Die Behandlung von Depressionen fußt auf zwei Säulen: Medikamente und Therapie. Die medikamentöse Behandlung setzt bei den Botenstoffen im Gehirn an. So genannte Antidepressiva hemmen den Abbau oder die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin und erhöhen so relativ deren Vorkommen.
In kleinen Schritten vorwärts: Während der Therapie lernen Patienten, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen.
Ergänzt wird die Medikamentengabe durch therapeutische Behandlung: Depressive Patienten lernen und üben, ihr Selbstwertgefühl wieder aufzubauen, soziale Kontakte zu pflegen, Hobbys nachzugehen, Bestätigung zu erfahren. Durch tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Psychotherapie ist es außerdem möglich, den psychischen Ursachen der Depression, zum Beispiel den schon erwähnten Bewältigungsstilen, nachzuspüren und daran zu arbeiten.
Von Fall zu Fall
Weil jede Depression anders ist, unterscheidet sich die Behandlung von Fall zu Fall. Patentrezepte gibt es nicht - ob ein Medikament oder eine Therapieform die gewünschte Wirkung hat, stellt sich häufig erst nach Wochen heraus. Was vielen Patienten Mut macht: Jede depressive Episode geht irgendwann vorbei; chronische Verläufe gibt es so gut wie nie. Von "Heilung" sprechen Ärzte aber nicht, lediglich von "guter Behandelbarkeit". Denn leider lässt sich nicht ausschließen, dass die Krankheit wiederkommt: Mancher Betroffener gerät im Abstand von mehreren Jahren immer wieder in die Fänge des "Kraken".
Urte Paul (17.11.2009)
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Infobox
Die Alarmzeichen
Gedrückte Stimmung und Traurigkeit kennt jeder von uns, sie gehören zum Leben. Depressive Verstimmung nennen Fachleute diese an sich gesunde Reaktion von Körper und Psyche auf schwierige Lebensumstände.
Doch, wie viel depressive Verstimmung ist normal, und wann beginnt eine behandlungsbedürftige Depression? Häufige Merkmale dieser ernstzunehmenden Erkrankung sind:
- Antriebslosigkeit
- Innere Unruhe und Schlafstörungen
- Fehlende Lebensfreude
- Innere Leere und Traurigkeit
- Vermindertes Selbstwertgefühl
- Schwindendes Interesse
- Konzentrationsschwäche
- Unentschlossenheit
- Schuldgefühle, Selbstanklagen
- Gestörte Farbwahrnehmung
- Angstzustände
- Selbstmordgedanken
- Körperliche Beschwerden
- Appetitlosigkeit
Wichtig ist, dass eine Depression rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt wird. Wer glaubt, depressiv zu sein, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen: Hausarzt, Fachärzte - also Psychiater oder Neurologen - oder Psychotherapeuten sind die richtigen Ansprechpartner. Eine erste Einschätzung liefern Selbsttests wie der auf den Internet-Seiten des Kompetenznetzes Depression. Informationen zu Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen in der Nähe gibt es auf der Website des Deutschen Bündnisses gegen Depression.
Gedrückte Stimmung und Traurigkeit kennt jeder von uns, sie gehören zum Leben. Depressive Verstimmung nennen Fachleute diese an sich gesunde Reaktion von Körper und Psyche auf schwierige Lebensumstände.
Doch, wie viel depressive Verstimmung ist normal, und wann beginnt eine behandlungsbedürftige Depression? Häufige Merkmale dieser ernstzunehmenden Erkrankung sind:
- Antriebslosigkeit
- Innere Unruhe und Schlafstörungen
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- Vermindertes Selbstwertgefühl
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- Selbstmordgedanken
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Wichtig ist, dass eine Depression rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt wird. Wer glaubt, depressiv zu sein, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen: Hausarzt, Fachärzte - also Psychiater oder Neurologen - oder Psychotherapeuten sind die richtigen Ansprechpartner. Eine erste Einschätzung liefern Selbsttests wie der auf den Internet-Seiten des Kompetenznetzes Depression. Informationen zu Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen in der Nähe gibt es auf der Website des Deutschen Bündnisses gegen Depression.
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Eine lebensbedrohliche Krankheit
Etwa zehntausend Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben, mindestens zehnmal so viele versuchen es. Zwischen fünfzig und siebzig Prozent aller Suizide gehen nach Einschätzung von Experten auf depressive Erkrankungen zurück. Suizidgedanken sind zudem häufig ein Symptom der Depression. Für zehn bis fünfzehn Prozent aller schwer depressiv erkrankten Menschen nimmt der Leidensdruck derart überhand, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen.
Was können Betroffene und Angehörige tun, um diesem Schicksal vorzubeugen? Neben akuter Krisenbewältigung ist das rechtzeitige Erkennen und Behandeln der Erkrankung unerlässlich, um Suizide zu vermeiden, erklärt die Deutsche Stiftung Depressionshilfe auf ihrer Website. Das Problem: Zwar gebe es heute wirksame Medikamente und Therapien, allerdings würden Depressionen häufig übersehen oder nicht ernst genommen. Besonders Männern falle es schwer, Hilfe anzunehmen. Und so ist bei ihnen die Gefahr von Suizidversuchen und Suizid als Folge einer unbehandelten Depression deutlich höher als bei Frauen.
Hinzu kommt, dass die Volkskrankheit Depression, unter der immerhin etwa vier Millionen Deutsche leiden, kaum Akzeptanz in der Öffentlichkeit erfährt. Dabei sind nicht nur Selbstmorde für die erhöhte Mortalität bei Depressiven verantwortlich: Medizinische Untersuchungen weisen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Depression und anderen Erkrankungen, wie etwa Diabetes mellitus und Herzerkrankungen, nach.
Etwa zehntausend Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben, mindestens zehnmal so viele versuchen es. Zwischen fünfzig und siebzig Prozent aller Suizide gehen nach Einschätzung von Experten auf depressive Erkrankungen zurück. Suizidgedanken sind zudem häufig ein Symptom der Depression. Für zehn bis fünfzehn Prozent aller schwer depressiv erkrankten Menschen nimmt der Leidensdruck derart überhand, dass sie ihrem Leben ein Ende setzen.
Was können Betroffene und Angehörige tun, um diesem Schicksal vorzubeugen? Neben akuter Krisenbewältigung ist das rechtzeitige Erkennen und Behandeln der Erkrankung unerlässlich, um Suizide zu vermeiden, erklärt die Deutsche Stiftung Depressionshilfe auf ihrer Website. Das Problem: Zwar gebe es heute wirksame Medikamente und Therapien, allerdings würden Depressionen häufig übersehen oder nicht ernst genommen. Besonders Männern falle es schwer, Hilfe anzunehmen. Und so ist bei ihnen die Gefahr von Suizidversuchen und Suizid als Folge einer unbehandelten Depression deutlich höher als bei Frauen.
Hinzu kommt, dass die Volkskrankheit Depression, unter der immerhin etwa vier Millionen Deutsche leiden, kaum Akzeptanz in der Öffentlichkeit erfährt. Dabei sind nicht nur Selbstmorde für die erhöhte Mortalität bei Depressiven verantwortlich: Medizinische Untersuchungen weisen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Depression und anderen Erkrankungen, wie etwa Diabetes mellitus und Herzerkrankungen, nach.



