Zwillingsforschung
Trotz identischer Erbanlagen entwickeln sie individuelle Persönlichkeiten: eineiige Zwillinge. Schon lange interessieren sich Wissenschaftler dafür, was den Menschen stärker prägt - Umwelt oder Gene.Beide knabbern gern an ihren Fingernägeln und sind leidenschaftliche Raucher. Sie haben zweimal geheiratet und zwar jeweils eine Linda und dann eine Betty. Natürlich sehen sie gleich aus und arbeiten zur gleichen Zeit als Tankwarte und Polizisten...
"Erschreckende" Ähnlichkeiten
Jim Lewis und Jim Springer - bekannt als die "Jim Twins" - hatten eigentlich nie etwas miteinander zu tun. Nur das eine: Sie sind Zwillinge. In dem Jahr, in dem sie im Garten eine grüne Holzbank tischlerten - selbstverständlich jeder in seinem Garten - trafen sie sich wieder: nach lebenslanger Trennung, schon bejahrt und mit dem schockierenden Gefühl, in einen Spiegel zu schauen. Beeindruckt waren nicht nur die alten Herren selbst: Dem amerikanischen Genetiker Thomas J. Bouchard erschienen dieser und ähnliche Berichte wichtig genug, ein Institut zu gründen: das Center for Twin and Adoption Research (CTAR). Seit 1980 trägt man dort Material zusammen, das, wie manche meinen, "erschreckende" Ähnlichkeiten zwischen eineiigen Zwillingen belegt.
Wie Dynamit
Bouchards Forschungen stellen eine traditionsreiche Frage mit neuer Schärfe: Zu welchen Anteilen ist unser Verhalten angeboren, und zu welchen ist es durch Umwelt und Erziehung erworben? Seine statistischen Ergebnisse wirkten wie Dynamit in einem Streit, der bis ins frühe Mittelalter zurückzuverfolgen ist: Damals ging es um den religiösen Disput über schicksalhafte Vorherbestimmung und Willensfreiheit. Wenn heute Psychologen, Genetiker oder Philosophen über das Problem der genetischen Bedingtheit von Persönlichkeiten debattieren, dann spielen Zwillinge eine wichtige Rolle. Besonders solche mit gleichen Genen, also eineiige Zwillinge, die auch noch getrennt voneinander aufgewachsen sind.
Vererbung und Umwelteinflüsse
Ließe sich der Einfluss gleicher Erziehung ausschließen, so das Denkmodell, dann könnte man hier doch den Erbanteil an gleichem Verhalten exakt bestimmen. Die Konsequenzen sind enorm: Stellt sich etwa heraus, dass wir fast völlig von unseren Genen dirigiert werden, wird der Sinn jeder Art von Erziehung zweifelhaft. Bouchard jedenfalls scheint das zu glauben. Der Psychologe John Benjamin hingegen hält allein schon die Fragestellung für "dummes Zeug", da beide - Vererbung und Umwelteinflüsse - schließlich zusammenwirken würde
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Mythos Zwillinge
Irgendein Geheimnis umgab Zwillings-Pärchen schon in sehr frühen Zeiten: Bei den Indianern des alten Peru genossen Zwillinge allerlei Privilegien und Tabus. Oft wurden sie Medizinmänner, Häuptlinge oder Wahrsager. Die Dakota sahen in ihnen Glücksbringer.
Aber auch als Beweis für eheliche Untreue galten Zwillinge lange Zeit: Bei einigen Stämmen wurden sie getötet oder ausgesetzt, manchmal zusammen mit der Mutter. Aus der griechisch-römischen Sagenwelt sind die Zwillinge Romulus und Remus bekannt; sie stammen aus der Verbindung des Kriegsgottes Mars mit der Priesterin Rhea Sylvia. Alkmene gebar dem Göttervater Zeus die Zwillinge Herakles und Iphikles.
In vielen Naturreligionen wurden Zwillinge als Götter verehrt: So gab es zum Beispiel in der Religion des alten Persien die Zwillingsbrüder Ohrmuzd, den Gott des Lichts, und Ahriman, den Gott der Finsternis. Lichtgestalten oder gefährliche Dämonen - schon immer schien es den Menschen, als ob die Geburt von Zwillingen etwas anspricht, das sie tief im Inneren berührt.
Irgendein Geheimnis umgab Zwillings-Pärchen schon in sehr frühen Zeiten: Bei den Indianern des alten Peru genossen Zwillinge allerlei Privilegien und Tabus. Oft wurden sie Medizinmänner, Häuptlinge oder Wahrsager. Die Dakota sahen in ihnen Glücksbringer.
Aber auch als Beweis für eheliche Untreue galten Zwillinge lange Zeit: Bei einigen Stämmen wurden sie getötet oder ausgesetzt, manchmal zusammen mit der Mutter. Aus der griechisch-römischen Sagenwelt sind die Zwillinge Romulus und Remus bekannt; sie stammen aus der Verbindung des Kriegsgottes Mars mit der Priesterin Rhea Sylvia. Alkmene gebar dem Göttervater Zeus die Zwillinge Herakles und Iphikles.
In vielen Naturreligionen wurden Zwillinge als Götter verehrt: So gab es zum Beispiel in der Religion des alten Persien die Zwillingsbrüder Ohrmuzd, den Gott des Lichts, und Ahriman, den Gott der Finsternis. Lichtgestalten oder gefährliche Dämonen - schon immer schien es den Menschen, als ob die Geburt von Zwillingen etwas anspricht, das sie tief im Inneren berührt.



