"Du bist es nicht, die Nächste!"
Model sein - ein Traum, der viel verspricht: Wenig Arbeit? Üppige Gage? Jede Menge Ruhm? Die Wirklichkeit ist anders. Wie, das erläutert die Verhaltenstherapeutin Dr. Alina Wilms im Interview.Dr. Alina Wilms ist Psychologin und auf Trauma- und Verhaltenstherapie spezialisiert. Sie kennt das Modelgeschäft seit Jahren und hinterfragt besonders eng gefasste Vorgaben der Branche öffentlich. Seit 2002 führt sie eine Praxis in Erfurt.
LexiTV: Frau Dr. Wilms, warum ist Model ein Traumberuf, vor allem für Mädchen?
Dr. Alina Wilms: Viele Mädchen und mittlerweile auch viele junge Männer glauben: Wer Model ist, der ist etwas Besonderes. Modeln ist das laue Leben, ständig Party, interessante Partner, viel Geld... So entsteht eine Vision, die in der Realität nicht haltbar ist. Nur wenige Models werden tatsächlich erfolgreich. Die meisten retten sich von einem Job zum nächsten. Solche Schicksale zeigt das Fernsehen nicht.
LexiTV: Sind Modelshows authentisch?
Dr. Alina Wilms: Sie sind teilweise authentisch. Einige Dinge sind überspitzt dargestellt. Da wird nicht nur die Realität gefilmt, da werden Menschen bewusst in bestimmte Rollen gesteckt, um beim Zuschauer die Spannung zu steigern.
LexiTV: Aber Chancen, Model zu werden, haben Teilnehmerinnen solcher Shows doch?
Dr. Alina Wilms: Nicht unbedingt. Bei den Shows gibt es immer wieder junge Frauen, die wahrscheinlich zu klein sind oder zu rund wären für die Branche. Trotzdem werden sie als Teilnehmerinnen aufgenommen. Aber in Wirklichkeit, im Casting ohne Kameras, würden sie nie bestehen
LexiTV: Gerade solche Shows haben bei vielen Mädchen erst den Wunsch entstehen lassen, Model zu werden. Sollten Mädchen dieses Berufsziel ansteuern?
Dr. Alina Wilms: Weder ja noch nein. Ich denke, dass es einige gibt, die einen Sinn im Modeln sehen und die auch eine ausreichend starke Persönlichkeit haben. Sie nutzen den Job, um Kontakte zu knüpfen, Menschen kennen zu lernen und sich selbst darzustellen. Für andere könnte es ein Schritt in die falsche Richtung sein. Das kommt auf die Persönlichkeit, die Eignung des Mädchens und die Seriosität der Agentur an.
LexiTV: Was ist mit den Schattenseiten?
Dr. Alina Wilms: Für viele ist der Wunsch vom Modeln ein Traum, der irgendwann platzt und schwere psychische Störungen mit sich bringen kann. Viele haben das Gefühl, nur auf Grund ihres Äußeren beurteilt zu werden oder haben mit starken Selbstwertverletzungen zu kämpfen.
LexiTV: Wie kommt das?
Dr. Alina Wilms: Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich jeden Tag irgendwo vorstellen und bekommen ständig gesagt: "Du bist es nicht, die Nächste!" Wenn den Mädchen das täglich passiert, dann kratzt das natürlich am Selbstwertgefühl.
Karoli Seise beschritt schon als 16jährige die Laufstege in Mailand. Doch sie weiß, ihre Zukunft liegt woanders.
Dr. Alina Wilms: Das wurde, soweit ich weiß, niemals wissenschaftlich erhoben. Aber mein Eindruck ist, dass es in der Branche häufig vorkommt. Das Modelbusiness kann das Selbstwertgefühl stabiler Persönlichkeiten mindern. Viele wählen diesen Job aber auch gerade, um ihr Selbstwertgefühl anzuheben.
LexiTV: Es gibt also Mädchen, die Model werden wollen, um dann selbstbewusster zu sein?
Dr. Alina Wilms: Auf jeden Fall! Wer einmal auf eine Titelseite gelangt, empfindet Anerkennung von außen, auch wenn er sich innerlich unsicher fühlt. Insofern ist der Anteil von Menschen mit Selbstwertproblemen in der Modelbranche wahrscheinlich höher als in anderen Berufszweigen.
LexiTV: Wer definiert, was schön ist, welcher Typ gefragt ist? Ist das die Modelbranche?
Dr. Alina Wilms: Medien, Designer, Agenturen - sie definieren, was gerade das Schönheitsideal ist. Bestes Beispiel sind Modelshows. Wenn man am Anfang der Staffel die Zuschauer fragen würde, wen sie als schön empfinden, würden einige Teilnehmerinnen kaum in Frage kommen. Dadurch, dass der Zuschauer sie aber in jeder Sendung wieder sieht, entsteht das Gefühl: "Die muss ja schön sein. Sonst wäre sie ja nicht in die nächste Runde gekommen."
LexiTV: Menschen empfinden also das als schön, was sie besonders oft sehen...
Dr. Alina Wilms: Je älter man ist, desto stärker ist das eigene Schönheitsideal gefestigt und deshalb weniger beeinflussbar. Bei jungen Menschen ist das häufig noch anders. Sie lassen sich suggestiv verleiten von dem, was ihnen gezeigt wird...
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Hungern für die Figur
Anorexia nervosa (nervlich bedingte Appetitlosigkeit) oder auch Magersucht ist eine seelisch bedingte Essstörung. Erkrankte leiden an einer Körperschemastörung: Sie nehmen sich selbst als zu dick war, obwohl sie an Untergewicht leiden. Auch wenn ihr Umfeld das Gegenteil beteuert, halten die Erkrankten an ihrer Überzeugung fest. Ihr Selbstwertgefühl hängt von der Fähigkeit ab, das Körpergewicht zu kontrollieren. Deshalb verringern Magersüchtige die Nahrungsaufnahme und verzichten insbesondere auf Nahrungsmittel, bei denen sie befürchten, sie würden dick machen.
Leitsymptom der Anorexia nervorsa ist selbst herbeigeführtes Untergewicht, das um 15 Prozent niedriger ist als das Normalgewicht. Verbunden mit dem Wunsch dünner zu werden ist die Angst der Erkrankten vor Gewichtszunahme. Selbst bei geringer Gewichtszunahme um wenige Gramm beginnen sie panisch, die Nahrungsaufnahme noch strenger zu kontrollieren. Damit befinden sich Anorektiker in einem Teufelskreis.
Durch Gewichtsverlust und Mangelernährung kommt es zu körperlichen Schäden. Unter anderem wird die körperliche Entwicklung verzögert. Außerdem ist der Herzschlag verlangsamt, Haare fallen aus und der Blutdruck sinkt. Die Erkrankten leiden oft unter Schwindelgefühl und Ohnmachtsanfällen. Auf Rücken, Armen und Gesicht entsteht eine flaumartige Behaarung. Die Erkrankten sind kälteempfindlich, da ihre Körpertemperatur niedrig ist und das wärmende subkutane Körperfett fehlt.
Von Magersucht sind vor allem weibliche Teenager betroffen. Am häufigsten tritt die Erkrankung im Alter von 14 Jahren auf. Etwa 0,5 bis 1 Prozent der heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen leiden an Magersucht. Allerdings kann die Krankheit auch bei Erwachsenen oder vor Eintritt der Pubertät ausbrechen.
Anorexia nervosa ist zwar weniger verbreitet als Bulimie, geht aber häufiger mit schweren körperlichen Komplikationen und einem ungünstigen Verlauf einher. Etwa fünfzehn Prozent aller Betroffenen sterben an den Folgen der Erkrankung. Anorexia nerovsa zählt zu den psychischen Krankheiten mit der höchsten Sterberate.
Anorexia nervosa (nervlich bedingte Appetitlosigkeit) oder auch Magersucht ist eine seelisch bedingte Essstörung. Erkrankte leiden an einer Körperschemastörung: Sie nehmen sich selbst als zu dick war, obwohl sie an Untergewicht leiden. Auch wenn ihr Umfeld das Gegenteil beteuert, halten die Erkrankten an ihrer Überzeugung fest. Ihr Selbstwertgefühl hängt von der Fähigkeit ab, das Körpergewicht zu kontrollieren. Deshalb verringern Magersüchtige die Nahrungsaufnahme und verzichten insbesondere auf Nahrungsmittel, bei denen sie befürchten, sie würden dick machen.
Leitsymptom der Anorexia nervorsa ist selbst herbeigeführtes Untergewicht, das um 15 Prozent niedriger ist als das Normalgewicht. Verbunden mit dem Wunsch dünner zu werden ist die Angst der Erkrankten vor Gewichtszunahme. Selbst bei geringer Gewichtszunahme um wenige Gramm beginnen sie panisch, die Nahrungsaufnahme noch strenger zu kontrollieren. Damit befinden sich Anorektiker in einem Teufelskreis.
Durch Gewichtsverlust und Mangelernährung kommt es zu körperlichen Schäden. Unter anderem wird die körperliche Entwicklung verzögert. Außerdem ist der Herzschlag verlangsamt, Haare fallen aus und der Blutdruck sinkt. Die Erkrankten leiden oft unter Schwindelgefühl und Ohnmachtsanfällen. Auf Rücken, Armen und Gesicht entsteht eine flaumartige Behaarung. Die Erkrankten sind kälteempfindlich, da ihre Körpertemperatur niedrig ist und das wärmende subkutane Körperfett fehlt.
Von Magersucht sind vor allem weibliche Teenager betroffen. Am häufigsten tritt die Erkrankung im Alter von 14 Jahren auf. Etwa 0,5 bis 1 Prozent der heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen leiden an Magersucht. Allerdings kann die Krankheit auch bei Erwachsenen oder vor Eintritt der Pubertät ausbrechen.
Anorexia nervosa ist zwar weniger verbreitet als Bulimie, geht aber häufiger mit schweren körperlichen Komplikationen und einem ungünstigen Verlauf einher. Etwa fünfzehn Prozent aller Betroffenen sterben an den Folgen der Erkrankung. Anorexia nerovsa zählt zu den psychischen Krankheiten mit der höchsten Sterberate.



