Auf den dritten Blick
Online-Singlebörsen sind beliebt bei Millionen Deutschen. Zwei Gruppen gehen besonders gern auf Internet-Partnersuche. Aber die passen nicht recht zueinander.Millionen Deutsche gehen im Internet auf Partnersuche. Doch Singlebörse ist nicht gleich Singlebörse.
Ein beachtlicher Markt
Singlebörse ist nicht gleich Singlebörse. Die Vielfalt ist so groß wie die Anbieter zahlreich: Das Spektrum reicht vom schlichten Chatroom bis zur relativ teuren Agentur, die jedes Single-Profil "von Hand" zu prüfen verspricht. Es reicht von sexorientierten Flirtseiten bis zum "wissenschaftlich" daherkommenden Matching. 6,8 Millionen Deutsche besuchten während des Jahres 2006 eine Singlebörse im Internet, ermittelte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). Das ist, trotz Krise, weiterhin ein beachtlicher Markt: Experten prognostizieren für 2011 einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro.
Tricksen lohnt nicht
Doch dieser Markt hat Tücken - für den, der bezahlt und hofft. Eingabeformulare sind geduldig; was Fotos betrifft, gibt es Photoshop oder das zehn Jahre alte Urlaubsbild. Mittlerweile jedoch hat sich herumgesprochen, dass allzu viel Retusche im geschützten Raum der Singlebörse nicht lohnt: Denn irgendwann vielleicht sitzt man sich Auge in Auge gegenüber. Dann zählt der erste Blick, der hier, nach Profilvergleich und Foto, eigentlich der dritte Blick ist.
Probleme in der "freien Wildbahn"
Seit vier bis fünf Jahren teilt sich der Singlebörsen-Markt: Ein Trend geht dahin, spezielle soziale Zielgruppen anzusprechen. Das hat Gründe. Im Internet sind zwei große Gruppen Suchender, gemessen an der Gesamtbevölkerung, überrepräsentiert: einerseits überraschend viele Männer mit Hauptschulabschluss, andererseits viele Frauen, die über ein gehobenes Bildungsniveau verfügen. Wissenschaftler erklären das Phänomen mit Problemen, die beide Gruppen in der "freien Wildbahn", also auf dem Offline-Beziehungsmarkt haben.
Hohe Ansprüche, sinkende Chancen
Grundsätzlich, so die Forscher, seien Männer toleranter, wenn es um den sozialen Status möglicher Partnerinnen geht: Zwar heiratet der Professor ganz gern die hübsche Sekretärin, aber dass die Architektin den Automechaniker will, ist vergleichsweise unwahrscheinlich. So sinke die Chance niedriger qualifizierter Männer; höher qualifizierte Frauen hingegen hätten es schwer, ihren Ansprüchen genügende Partner zu finden.
Portal mit Frauenüberhang
Online-Singlebörsen verschärfen das Problem, statt es zu mildern - obwohl gerade hier beide Gruppen zueinander gelangen könnten. Der erste Blick im Internet richtet sich nun mal auf formalisierte Kriterien und auf verbale Äußerungen. Wo die Zufallsbegegnung draußen soziale Schranken überwinden mag, ist Online der zarte Kontakt längst abgebrochen, bevor es zum Treffen kommt. Folge des geteilten Singlebörsen-Markts: Während auf Akademiker spezialisierte Online-Portale sogar einen Frauenüberhang melden, werden Männer mit niedrigem sozialem Status - schon per Preisgestaltung - in die Schmuddelecke abgedrängt. Dort bleiben sie weitgehend unter sich.
Total entspannt
Immerhin, Vermessungsingenieur Markus hat sein Date bekommen. Die Grafikerin heißt Marie-Luise, am Telefon plauderte man harmonisch. Zu einer zweiten Begegnung kam es allerdings nie. Warum, kann Single Markus bloß leise ahnen. Bier und Essen schmeckten, das Gespräch empfand er als total entspannt. "Für den ersten dritten Blick", glaubt Markus, "ist das doch schon ganz schön viel."
Michael Schmittbetz (05.03.2010)
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Wie viele Singles gibt es in Deutschland?
Statistiker suchen die Antwort auf diese Frage auf unterschiedliche Weise. Da wäre erstens der Weg, den Anteil der Menschen zu ermitteln, die in Ein-Personen-Haushalten leben.
Eine wenig aktuelle Angabe stammt aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamts von 2001: Auf 17 Prozent der Bundesbürger, so die Statistiker, treffe dieses Merkmal zu. Hier sind jedoch auch Wohngemeinschaften eingeschlossen, die man jeweils als Anzahl von Ein-Personen-Haushalten in die Berechnung einbezog. Im Übrigen sind in getrennten Wohnungen, also meist ebenfalls in Ein-Personen-Haushalten lebende Paare natürlich keine Singles.
Statistiker suchen die Antwort auf diese Frage auf unterschiedliche Weise. Da wäre erstens der Weg, den Anteil der Menschen zu ermitteln, die in Ein-Personen-Haushalten leben.
Eine wenig aktuelle Angabe stammt aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamts von 2001: Auf 17 Prozent der Bundesbürger, so die Statistiker, treffe dieses Merkmal zu. Hier sind jedoch auch Wohngemeinschaften eingeschlossen, die man jeweils als Anzahl von Ein-Personen-Haushalten in die Berechnung einbezog. Im Übrigen sind in getrennten Wohnungen, also meist ebenfalls in Ein-Personen-Haushalten lebende Paare natürlich keine Singles.
Aussagekräftiger in Bezug auf den Anteil der Singles an der Gesamtbevölkerung ist der Mikrozensus 2005, der die Angabe enthält, dass 26 Prozent aller deutschen Frauen ohne Partner leben, im Vergleich zu 18 Prozent alleinlebender Männer. Das Ungleichgewicht ist hervorgerufen durch die große Zahl älterer Witwen. In absoluten Zahlen, so der Mikrozensus, gebe es 8,651 Millionen alleinstehende und 2,236 Millionen alleinerziehende Frauen.
Man beachte: Alleinerziehende sind laut Definition nicht alleinstehend und folglich keine Singles. Die direkte Frage - besteht eine Partnerschaft oder nicht? - stellte 2005 auch die Online-Partneragentur Parship in ihrer Single-Studie. Ergebnis: 11,2 Millionen Menschen, rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, leben in Deutschland partnerlos.
Man beachte: Alleinerziehende sind laut Definition nicht alleinstehend und folglich keine Singles. Die direkte Frage - besteht eine Partnerschaft oder nicht? - stellte 2005 auch die Online-Partneragentur Parship in ihrer Single-Studie. Ergebnis: 11,2 Millionen Menschen, rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung, leben in Deutschland partnerlos.
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Die Kontaktanzeige
"Ein Herr von etwa 30 Jahren mit ansehnlichem Besitz sucht eine junge Dame mit einem Vermögen von rund 3.000 Pfund": So lautet die erste nachgewiesene Kontaktanzeige, die 1695 in einer englischen Zeitschrift erschien. Seitdem gehören Kontaktanzeigen und Heiratsannoncen aller Art zum Geschäft von Zeitungen und Zeitschriften.
Charakteristisch für den modernen Zeitungsannoncen-Markt ist jedoch, dass sich hinter einem großen Teil der etwas aufwendiger gestalteten weiblichen Kontaktanzeigen kommerzielle Partnervermittlungen verbergen. Weil Verlage, anders als viele Online-Singlebörsen, Anzeigentexte nicht auf Plausibilität prüfen, sind Missbrauchsfälle vergleichsweise häufiger.
"Ein Herr von etwa 30 Jahren mit ansehnlichem Besitz sucht eine junge Dame mit einem Vermögen von rund 3.000 Pfund": So lautet die erste nachgewiesene Kontaktanzeige, die 1695 in einer englischen Zeitschrift erschien. Seitdem gehören Kontaktanzeigen und Heiratsannoncen aller Art zum Geschäft von Zeitungen und Zeitschriften.
Charakteristisch für den modernen Zeitungsannoncen-Markt ist jedoch, dass sich hinter einem großen Teil der etwas aufwendiger gestalteten weiblichen Kontaktanzeigen kommerzielle Partnervermittlungen verbergen. Weil Verlage, anders als viele Online-Singlebörsen, Anzeigentexte nicht auf Plausibilität prüfen, sind Missbrauchsfälle vergleichsweise häufiger.



