Vom Scharlatan zum Superdoc
Viele Menschen vertrauen der Naturheilkunde. Aber können Kräuter, Globuli & Co. mit den modernsten medizinischen Entwicklungen der Schulmedizin mithalten? Oder bieten sie sogar Vorteile?Ihre Ursprünge hatte auch die Schulmedizin in natürlichen Heilprinzipien. Durch technische Neuerungen, wie dem Röntgenapparat, fassten die Patienten jedoch mehr Vertrauen zur Schulmedizin. Die Naturheilkunde wurde daraufhin lange Zeit belächelt und ihre Vertreter als Scharlatane oder Quacksalber abgetan. Der autoregulativen Medizin, wie die Naturheilkunde auch genannt wird, wurde vor allem eine Placebowirkung bescheinigt.
Doch mit der Zunahme chronischer Industriekrankheiten muss man über dieses Bild neu nachdenken. Das belegt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach: "1970 zählten erst 52 Prozent der Bevölkerung in den alten Bundesländern zu den Naturheilmittelverwendern, im Jahr 2002 73 Prozent." Auch in Ostdeutschland nutzen inzwischen 64 Prozent natürliche Heilmittel.
Setzen auf Selbstheilungskräfte
Im Unterschied zur klassischen Behandlung geht die sanfte Medizin nicht symptomatisch vor. Sie will Krankheitsanzeichen nicht nur bekämpfen, sondern sie überflüssig machen. In der Naturheilkunde sollen Selbstheilungskräfte des Organismus verstärkt oder in Gang gesetzt werden. Heilpflanzen, Wärme- oder Kältetherapien spielen dabei ebenso eine Rolle wie Atemtraining und richtige Ernährung. Doch auch bei den autoregulativen Methoden ist es wichtig, auf die leisen Zwischentöne zu achten. Denn nicht jede naturheilkundliche Behandlungsmethode stellt eine wirkliche Alternative dar.
Die Grenze zwischen wirkungsvollen Methoden und Quacksalberei ist oft unklar, häufig sogar fließend. Josef Beuth, Professor für Naturheilkundeverfahren an der Universität Köln, stellt klar: "Eine Abgrenzung zwischen den medizinischen naturheilkundlichen Verfahren, die heute eher Komplementärmedizin genannt werden, und alternativer Medizin ist natürlich eher schwierig." Beuth plädiert dafür, naturheilkundliche Anwendungen immer als optimierende Verfahren zu sehen.
Unschlagbares Doppel
So ergeben sich mit den Naturheilmethoden vor allem auf dem Gebiet der Komplementärmedizin neue Möglichkeiten und Perspektiven. Diese integrative Methode, die versucht Stärken von Schulmedizin und Naturheilkunde zu kombinieren, bietet gute Chancen auf schnelle und schonende Heilung und eine Verbesserung der Lebensqualität auch bei schweren Krankheiten.
Die neuesten Forschungen auf dem Gebiet, bei denen an Brustkrebspatienten getestet wurde, bestätigen diese These. Der ganzheitliche Ansatz trägt zur Genesung bei; Nebenwirkungen werden durch die autoregulativen Verfahren gemildert.
Ergänzung statt Ersatz
Naturheilkundeverfahren sind kein Ersatz für die Standardtherapie, sondern reduzieren aggressive Nebenwirkungen und verbessern die Lebensqualität der Patienten. Die Behandlungsmethoden der Schulmedizin bleiben bei schweren Krankheiten führend. Beuth zufolge gibt es in der Naturheilkunde auch noch keine Alternativen zur konventionellen, gut erprobten Schulmedizin. Im Idealfall werde es in den kommenden Jahren aber ein Zusammenspiel zwischen der Schulmedizin und den Naturheilkundeverfahren geben, von dem dann vor allem die Patienten profitieren.
Obwohl die Naturheilkunde sich etabliert hat, finden konservative Schulmediziner noch immer Kritikpunkte an dem Modell. Nicht nur, dass Laien Heilpraktiker oft nicht von esoterischen Spinnern unterscheiden könnten und so allerhand Unfug auf diesem Gebiet betrieben werde.
Auch die Wirksamkeit der sanften Medizin sei noch nicht bewiesen, heißt es immer wieder. Einwände, die auch Beuth kennt: "Jeder Arzt kann sich so eine Zusatzbezeichnung holen. Aber dennoch fehlt es an einer konstanten Qualitätskontrolle und regelmäßigen Fortbildungsmaßnahmen."
Nicht profitorientiert
Der beste Weg, die Reputation naturheilkundlicher Methoden in Zukunft zu sichern und zu verbessern, ist deshalb das Erforschen ihrer Wirkung mit aussagekräftigen Ergebnissen. "Generell ist es wichtig, dass auch die Komplementärmedizin nach wissenschaftlichen Prinzipien getestet werden kann und sollte. Das ist eine Notwendigkeit hin zu einer Komplementärmedizin, die auf wissenschaftlichen Fakten beruht", sagt Beuth.
Doch hinter der medizinischen Forschung stehen meist marktwirtschaftliche Prinzipien und Pharmakonzerne, die ihr Geld lieber in teure Medizintechnik und die Entwicklung immer neuer Präparate zur Gewinnsteigerung stecken. Beuth sieht hier zwar einen Wandel, weiß aber auch, dass Naturheilkundeverfahren häufig nicht genügend Profit versprechen.
Alternative Angebote
Trotzdem ist der Institutsdirektor der Ansicht: "In Zukunft wird diese Norm der integrativen Medizin das A & O sein." Grundkenntnisse für ein fundiertes naturheilkundliches Wissen müssen die angehenden Ärzte schon innerhalb ihres Medizinstudiums erwerben. In der neuen Approbationsordnung für Ärzte ist das Fach Naturheilverfahren im Curriculum innerhalb des 12. Querschnittsbereichs als integrativer Bestandteil festgelegt worden und hat in der studentischen Ausbildung somit an Bedeutung gewonnen.
Die Vorteile der integrativen Medizin haben auch die ersten Krankenversicherungen erkannt. Mittlerweile gibt es, je nach Bundesland, rund 65 Kassen, die zumindest einen kleinen Teil naturheilkundlicher Verfahren in ihren Katalog aufgenommen haben.
Caroline Bergmann/Henriette Blücher/Christiane Kohlmann (11.01.2010)
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Lehrerin Natur
Von der Natur heilen lernen - das heißt Naturheilkunde zu allererst. Dementsprechend sind die Verfahren vielfältig. Im Mittelpunkt aller Methoden der sanften Medizin steht Behandeln mit Licht, Luft, Wasser, Erde, Ernährung, Bewegung, Ruhe, Wärme, Kälte und Massage, den so genannten Heilfaktoren der Naturheilkunde.
Heute wird die Wirksamkeit von Hydro-, Bewegungs- und Atemtherapien kaum noch bestritten. Auch Vollwertkost und fastentherapeutisches Vorgehen, Massagen und Behandlungen mit Wasser aus Heilquellen (Balneotherapie) werden als Zusätze zu klassischen Behandlungen eingesetzt.
Daneben zählen zu den naturheilkundlichen Methoden auch die Thermo- und Kryotherapie, die entweder mit zugeführter Wärme oder Kälte positive Effekte beim Patienten hervorrufen wollen. Auch Akupunktur und Heilpflanzen werden häufig eingesetzt, um eine ganzheitliche Lebensweise und die Genesung des Körpers zu unterstützen.
Lichttherapien und Ordnungstherapien, welche die Selbstordnungskräfte durch wiederholte Kuren mobilisieren sollen, werden ebenso in der naturheilkundlichen Medizin angewandt wie Methoden, die mit unterschiedlichen Frequenzbereichen von Magnetfeldern arbeiten.
Von der Natur heilen lernen - das heißt Naturheilkunde zu allererst. Dementsprechend sind die Verfahren vielfältig. Im Mittelpunkt aller Methoden der sanften Medizin steht Behandeln mit Licht, Luft, Wasser, Erde, Ernährung, Bewegung, Ruhe, Wärme, Kälte und Massage, den so genannten Heilfaktoren der Naturheilkunde.
Heute wird die Wirksamkeit von Hydro-, Bewegungs- und Atemtherapien kaum noch bestritten. Auch Vollwertkost und fastentherapeutisches Vorgehen, Massagen und Behandlungen mit Wasser aus Heilquellen (Balneotherapie) werden als Zusätze zu klassischen Behandlungen eingesetzt.
Daneben zählen zu den naturheilkundlichen Methoden auch die Thermo- und Kryotherapie, die entweder mit zugeführter Wärme oder Kälte positive Effekte beim Patienten hervorrufen wollen. Auch Akupunktur und Heilpflanzen werden häufig eingesetzt, um eine ganzheitliche Lebensweise und die Genesung des Körpers zu unterstützen.
Lichttherapien und Ordnungstherapien, welche die Selbstordnungskräfte durch wiederholte Kuren mobilisieren sollen, werden ebenso in der naturheilkundlichen Medizin angewandt wie Methoden, die mit unterschiedlichen Frequenzbereichen von Magnetfeldern arbeiten.
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Naturwissenschaftliche Grundsätze
Als Schulmedizin oder wissenschaftliche Medizin wird die allgemein anerkannte und angewandte, an den Hochschulen gelehrte Heilkunde bezeichnet. Ihre ursprünglich streng naturwissenschaftliche Orientierung hat die Schulmedizin durch Einbezug von Psychotherapie und Sozialwissenschaften überwunden.
Den Begriff der Schulmedizin prägte der Homöopath Franz Fischer im späten 19. Jahrhundert in Auseinandersetzung mit dem etablierten Medizinbetrieb. Die Schulmedizin ist auch heute vorwiegend seitens der Anhänger alternativer Heilverfahren Kritik ausgesetzt, deren Methoden allerdings zunehmenden Eingang ins schulmedizinische Repertoire finden.
Als Schulmedizin oder wissenschaftliche Medizin wird die allgemein anerkannte und angewandte, an den Hochschulen gelehrte Heilkunde bezeichnet. Ihre ursprünglich streng naturwissenschaftliche Orientierung hat die Schulmedizin durch Einbezug von Psychotherapie und Sozialwissenschaften überwunden.
Den Begriff der Schulmedizin prägte der Homöopath Franz Fischer im späten 19. Jahrhundert in Auseinandersetzung mit dem etablierten Medizinbetrieb. Die Schulmedizin ist auch heute vorwiegend seitens der Anhänger alternativer Heilverfahren Kritik ausgesetzt, deren Methoden allerdings zunehmenden Eingang ins schulmedizinische Repertoire finden.



