Gefahr aus dem Regal
"Ich weiß ein Land, dahin mancher gern ziehen möchte..." - Das Märchen vom Schlaraffenland zeigt: ein voller Magen war für Generationen der Traum vom Glück. Heute kann er zum Albtraum werden.Früher wuchs das Gemüse im Garten. Heute ist es ein wenig anders.
Doch ständig wussten sie ganz genau, was sie da auf dem Tisch hatten, war es doch meist selbst angebaut und geerntet. Man aß, was es am Ort und zur entsprechenden Jahreszeit gab: Bärlauch im Frühjahr, Erdbeeren im Sommer, Äpfel im Herbst und Kohl im Winter. Der Mensch und der Boden, auf dem er lebte, waren eng miteinander verbunden: Über Generationen hatte sich der Organismus auf bestimmte Nahrungsangebote und -zyklen eingestellt. "Exotisches" blieb die Ausnahme und privilegierten Schichten vorbehalten.
Wässrige Hollandtomaten
Solche Grenzen kennen wir heute kaum noch. Die Regale der Supermärkte quellen über von Angeboten aus aller Welt: Shrimps, gefangen in der Nordsee, verarbeitet in Tunesien und dann "frisch" nach Deutschland zurück exportiert. Als ob es ganz natürlich wäre, gibt es sogar mitten im Winter, allerdings eher wässrig schmeckende, Hollandtomaten, die - im Gewächshaus gezogen - nie einen Sonnenstrahl gesehen haben, oder Sojaprodukte aus im Bio-Reaktor gezüchteten Pilzen.
Woher kommt die Wurst? Konsumenten ist es heute nur selten möglich, den Weg von Lebensmitteln nachzuverfolgen.
"Die Liste der kennzeichnungspflichtigen Inhaltsstoffe können Sie im Handbuch an der Kasse nachlesen", erfahren wir beim SB-Bäcker. Wer allerdings kann schon viel anfangen mit Begriffen wie Tartrazin oder Calciumdinatrium-EDTA? Letzteres ist immerhin ein Zusatzstoff, der im Verdacht steht, Schwermetalle in der Nahrung zu binden.
Was den Gaumen reizt
So genannte Food-Designer haben heute die Verantwortung für unsere Nahrung im Alltag übernommen. Wirklich verantwortlich sind sie aber nicht gegenüber dem Konsumenten, sie sind es gegenüber dem Hersteller: dessen Umsatz gilt es zu steigern. Alles, was irgendwie den Gaumen reizt, ja sogar das natürliche Sättigungsgefühl ausschaltet, gehört zum Repertoire.
Eigentlich soll das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für Sicherheit bei der Nahrungsmittelherstellung sorgen. Doch auch die Politik hat ihre Schwierigkeiten mit den Nahrungsmittelmultis. So klagte die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast im November 2003 darüber, dass die Lebensmittelindustrie sich weigere, den Anteil dick machender Zutaten in ihren Produkten zu verringern.
Dänische Fettsteuer
Fette, Zucker und Salz bahnen eben noch dem unappetitlichsten Kunstprodukt den Weg über die Gaumennerven in die Mägen der ahnungslosen Esser. Dänemark hat deshalb im Oktober 2011 eine Fettsteuer eingeführt. Umgerechnet 35 Cent teurer ist das Stück Butter seither. In Deutschland sind solche Eingriffe in die Preispolitik der Nahrungsmittelindustrie noch undenkbar.
Konsumenten hierzulande lassen sich willig ködern: mit Werbeslogans über "Extraportionen" an speziellen Inhaltsstoffen. Künast erhoffte sich damals von den Unternehmen mehr "Ehrlichkeit in der Werbung", doch da tut sich bis heute auch unter Ilse Aigner kaum etwas.
Die Folgen der einseitigen Ernährung sind bereits sichtbar: Gesundheitsschäden wie Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes und Probleme mit dem Bewegungsapparat nehmen dramatisch zu - besonders unter Jugendlichen, die ja am liebsten Burger und Schokoriegel essen. Diese Entwicklung bildet eine zusätzliche Last für das sowieso schon marode Gesundheitssystem.
Aufgepeppter Fertigsalat
Was kann man tun? Die einzige Möglichkeit des Verbrauchers, Einfluss auf das Lebensmittelangebot zu nehmen, ist bewusstes Einkaufen und Essen. Und: Man bevorzuge beim Einkauf solche Lebensmittel, die möglichst wenige Verarbeitungsstufen durchlaufen haben! Die Gurke vom Gemüseregal ist immer noch unverdächtiger als der mit allerlei Zusatzstoffen aufgepeppte Fertig-Salat. "Der Mensch ist, was er isst", so sah es Ludwig Feuerbach. Wenn der Mensch aber nicht mehr weiß, was er isst, dann verliert er nicht nur seine Gesundheit, sondern irgendwann auch seine Identität.
Christiane Nienhold (aktualisiert 01.12.2011)
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Die Ernährungspyramide
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) heißt ein gemeinnütziger Verein, der 1953 gegründet wurde und zu siebzig Prozent aus dem öffentlichen Haushalt finanziert wird. Sein Auftrag ist: "Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Bevölkerung durch Anleitung zu richtiger und vollwertiger Ernährung zu erhalten und zu steigern." Experten des Vereins beobachten die ernährungswissenschaftliche Forschung weltweit und werten die Ergebnisse aus.
Daraus gewonnene aktuelle Erkenntnisse fasst die Gesellschaft zusammen und publiziert sie in Ratgebern, Broschüren und Schaubildern. Das bekannteste Schaubild ist die Ernährungspyramide. Sie stellt grafisch die der Empfehlung der DGE entsprechende ideale Mengenrelation verschiedener Nahrungsmittel zueinander dar. Je kleiner die Fläche, desto weniger sollte man davon essen.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) heißt ein gemeinnütziger Verein, der 1953 gegründet wurde und zu siebzig Prozent aus dem öffentlichen Haushalt finanziert wird. Sein Auftrag ist: "Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Bevölkerung durch Anleitung zu richtiger und vollwertiger Ernährung zu erhalten und zu steigern." Experten des Vereins beobachten die ernährungswissenschaftliche Forschung weltweit und werten die Ergebnisse aus.
Daraus gewonnene aktuelle Erkenntnisse fasst die Gesellschaft zusammen und publiziert sie in Ratgebern, Broschüren und Schaubildern. Das bekannteste Schaubild ist die Ernährungspyramide. Sie stellt grafisch die der Empfehlung der DGE entsprechende ideale Mengenrelation verschiedener Nahrungsmittel zueinander dar. Je kleiner die Fläche, desto weniger sollte man davon essen.
Infobox
Zehn Ernährungsregeln
+ vielseitig, aber nicht zuviel
+ öfter kleine Mahlzeiten
+ wenig Fett
+ würzig, aber nicht salzig
+ selten Süßes
+ viel Vollkornprodukte
+ wenig tierisches Eiweiß
+ viel trinken
+ schonend garen mit wenig Fett und Wasser
+ viel Obst und Gemüse, vor allem Kartoffeln
+ vielseitig, aber nicht zuviel
+ öfter kleine Mahlzeiten
+ wenig Fett
+ würzig, aber nicht salzig
+ selten Süßes
+ viel Vollkornprodukte
+ wenig tierisches Eiweiß
+ viel trinken
+ schonend garen mit wenig Fett und Wasser
+ viel Obst und Gemüse, vor allem Kartoffeln
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Der Mensch ist, was er isst.
Wie eine Binsenweisheit aus dem Repertoire von Ernährungsaposteln hört sich das an. Tatsächlich wissen die meisten Menschen auch um den Zusammenhang zwischen Ernährung und Erscheinungsbild. Knifflig wird es immer erst dann, wenn man selbst vor überfüllten Regalen steht und entscheiden soll, welches der zahlreichen Lebensmittel nun das Prädikat "gesund", "vitamin-" oder "ballaststoffreich" verdient. Enthält die Tütensuppe Vitamine? Steckt in der Schokolade wirklich ein ganzes Glas Milch? Ersetzen Fischölkapseln den Karpfen an Silvester? Schwierig.
Das hat sich die TV-Redaktion rund um Moderatorin Franziska Rubin auch gedacht. In Übereinstimmung mit den Themen der MDR-Sendung Hauptsache Gesund präsentiert die Website des Magazins ein Ernährungskompendium. Zu beinah allen Nährstoffarten gibt es Hinweise darauf, wie sie auf den Organismus des Menschen wirken. Für all jene, die glauben, schon zu viele Nährstoffe aufgenommen zu haben, bieten die Webseiten einen guten Überblick über Möglichkeiten der Gewichtsreduktion.
Wie eine Binsenweisheit aus dem Repertoire von Ernährungsaposteln hört sich das an. Tatsächlich wissen die meisten Menschen auch um den Zusammenhang zwischen Ernährung und Erscheinungsbild. Knifflig wird es immer erst dann, wenn man selbst vor überfüllten Regalen steht und entscheiden soll, welches der zahlreichen Lebensmittel nun das Prädikat "gesund", "vitamin-" oder "ballaststoffreich" verdient. Enthält die Tütensuppe Vitamine? Steckt in der Schokolade wirklich ein ganzes Glas Milch? Ersetzen Fischölkapseln den Karpfen an Silvester? Schwierig.
Das hat sich die TV-Redaktion rund um Moderatorin Franziska Rubin auch gedacht. In Übereinstimmung mit den Themen der MDR-Sendung Hauptsache Gesund präsentiert die Website des Magazins ein Ernährungskompendium. Zu beinah allen Nährstoffarten gibt es Hinweise darauf, wie sie auf den Organismus des Menschen wirken. Für all jene, die glauben, schon zu viele Nährstoffe aufgenommen zu haben, bieten die Webseiten einen guten Überblick über Möglichkeiten der Gewichtsreduktion.




