Mais für die Welt
Rund 925 Millionen Menschen weltweit, fast ein Siebtel aller Erdenbürger, sind von Unterernährung betroffen. Grüne Gentechnik könne da helfen, versprechen ihre Verfechter. Was spricht dafür, was dagegen?1994 kam in den USA eine besondere Tomate auf den Markt: Sogar nach langen Transport- und Lagerzeiten war sie noch knackig frisch anzusehen, denn Wissenschaftler hatten ihr ein Gen eingeschleust, das den Reifeprozess blockierte. Obwohl die "Anti-Matsch-Tomate" lecker anzusehen war, ließ ihr Geschmack zu wünschen übrig - das erhoffte Geschäft mit dem ersten genmanipulierten Gemüse im Supermarkt ging daneben.
Resultate aus dem Labor
In Europa lassen sich mit Grüner Gentechnik - der genetischen Manipulation von Pflanzen für Ernährung und Landwirtschaft - ebenfalls noch keine Erfolge verbuchen: Strenge Vorschriften zur Kontrolle und Kennzeichnung gibt es hier. 2009 wurde in lediglich sechs EU-Ländern, auf einer Gesamtfläche von weniger als hunderttausend Hektar, genmanipulierter Mais kommerziell angebaut. Bei der Bevölkerung stößt die Vorstellung von "Frankenfood", von Kunstgemüse aus dem Labor, ohnehin auf gespaltene Gefühle. Zwar ist die Gefährlichkeit gentechnisch veränderter Pflanzen nicht belegt, doch auch die Harmlosigkeit über lange Zeiträume hinweg ist nicht bestätigt. Die Angst vor gesundheitlichen Schäden und vor Folgen für die Natur ist groß.
Gutes tun
Dabei könne die Gentechnik so viel Gutes leisten, sagen Interessenvertreter der Industrie - und weisen zum Beispiel nach Afrika. Dort hungern mehr als 260 Millionen Menschen, weltweit sind es fast viermal so viele. All diesen Menschen könnten genveränderte Pflanzen helfen: Goldreis der Schweizer Firma Syngenta etwa, der einen erhöhten Anteil des Provitamins Beta-Carotin enthält. Oder Mais von Monsanto aus den USA, der sich mit selbst produziertem Gift gegen Schädlinge wehrt.
Beitrag zur Nahrungssicherheit
Vor allem das Potenzial, bei gleich bleibender Fläche höhere Erträge zu liefern, spreche für die Grüne Gentechnik: Begünstigt durch den Klimawandel steige der Bedarf an nachwachsender, klimaneutraler Biomasse in der Energieerzeugung. Auch vitamin- und kalorienreichere Lebensmittel könne die Biotechnologie zur Verfügung stellen. Ob Dürren, Fluten, Krankheiten, Schädlinge: Gentechnisch manipulierte Pflanzen würden all diesen Gefahren trotzen. Die herkömmliche Landwirtschaft jedenfalls sei nicht in der Lage, den wachsenden Bedarf an Biomasse für Lebensmittel und zur Energiegewinnung zu decken. Gentechnik sei daher unverzichtbar für die Nahrungssicherheit auf unserem Planeten - ein Ansatz, der angesichts des Bevölkerungswachstums nicht von der Hand zu weisen ist.
Natürliche Killer
Die Erde wäre heute ohnehin in der Lage, zwölf Milliarden Menschen zu ernähren, hält die Welternährungsorganisation dagegen. Gentechnik-Kritiker weisen daraufhin, dass sich Nährstoffanteile in Lebensmitteln auch durch herkömmliche Zuchtmethoden steigern lassen, ebenso die Toleranz gegenüber Wetterkapriolen und Resistenzen gegen Krankheiten. Selbst zur Schädlingsbekämpfung brauche man nicht unbedingt genverändertes Saatgut. In Detektivarbeit spüren Wissenschaftler Pflanzen und Insekten auf, die Schädlinge vertreiben - die Hülsenfrucht Desmodium zum Beispiel. Sie schlägt Stängelbohrer und Hexenkraut in die Flucht, zwei Schädlinge, die in manchen Jahren bis zu fünfzig Prozent der Maisernte Afrikas vernichten.
Problematische Umstände
Gerade in Afrika zeigen sich die wahren Hintergründe von Hungersnöten. In Mosambik gab es erst Überschwemmungen, dann herrschte dort Jahre lang verheerende Dürre. In anderen Ländern machen Krieg und Vertreibung Ackerbau unmöglich oder führen marode Infrastruktur und Missmanagement von Regierungen dazu, dass Lebensmittel nicht zu den Menschen gelangen, die sie brauchen. Studien zeigen immer wieder, dass bei Hungersnöten nicht Lebensmittel knapp sind, sondern dass den Menschen das Geld fehlt, um Lebensmittel zu kaufen. Teilweise treiben Spekulanten in fernen Finanzzentren wie New York und London die Preise in die Höhe. Längst sind zudem Ackerflächen in Afrika in den Händen ausländischer Investoren, ernten afrikanische Bauern für den Export, während wenige Kilometer weiter Hunger herrscht. Solche Probleme löst Gentechnik nicht.
Maisfeind Nummer 1 ist der Maiszünsler - seine Raupen fressen tiefe Gänge in die Maispflanze und schwächen so deren Standfestigkeit.
Dabei hat die Gentechnik durchaus Erfolge vorzuweisen. In der Makathini-Ebene Südafrikas bauen Landwirte genmanipulierte Baumwolle an, die mit einem selbst produzierten Gift den Schädling Baumwollkapselwurm ausschaltet. Ein Hektar Land wirft statt vier nun elf Ballen ab. Noch ein Vorteil: Die Bauern müssen weniger spritzen, haben also weniger Arbeit und sparen die Ausgaben für chemische Pflanzenschutzmittel. Davon profitiert auch die Umwelt, denn Pflanzen und Tiere leiden weniger unter Herbizideinsatz, Grundwasser und Böden werden weniger belastet.
Futter, nicht Nahrung
Doch mit dem Versprechen der Industrie hat das wenig zu tun, schließlich dient Baumwolle nicht als Nahrung. Ebenso wenig wie Raps, Soja und Mais mit Genveränderungen - sie landen in Futtertrögen, nicht auf den Tischen der Hungrigen. Diese vier Nutzpflanzen machen zusammen 98,5 Prozent des kommerziellen Anbaus genmanipulierter Pflanzen aus, der Großteil der Erträge geht in den Export. Und da ihr Anbau der konventionellen Landwirtschaft Fläche wegnimmt, tragen die genveränderten Pflanzen vermutlich sogar zur Nahrungsmittelknappheit bei statt sie zu bekämpfen.
Patentiertes Saatgut
Auch die Makathini-Bauern in Südafrika haben wenig von ihrem Anbauerfolg: Wegen der Ertragssteigerung durch Gentechnik gelangt Baumwolle im Überfluss auf den Weltmarkt, die Preise sind gesunken. Reich werden die Landwirte ohnehin nicht. Weil die Genindustrie Saatgut patentiert, dürfen Bauern keine Samen für die nächste Aussaat behalten, sondern müssen das Saatgut jedes Jahr aufs Neue von den Konzernen erwerben.
Mehr Schaden als Nutzen?
Gentechnik führe Bauern in die Abhängigkeit von einigen wenigen Großkonzernen, sie bekämpfe nicht die Ursachen von Hunger und ziele auf Massenabsatz im Export statt auf Lebensmittelproduktion - nach Ansicht von Kritikern richte sie darum im Kampf gegen den Hunger mehr Schaden an als dass sie Nutzen bringe. Die Konzerne halten jedoch an ihrem Versprechen fest und hoffen darauf, dass die afrikanischen Staaten - nach dem Vorbild Südafrikas - liberale gesetzliche Grundlagen schaffen.
Am Ende Matsch
Wozu das alles praktisch führen kann, zeigt ein Beispiel aus Europa: In britischen Supermärkten gibt es eine Anti-Matsch-Tomate, die zu uns kommt als das, was sie nie sein durfte - nämlich als Matsch in Ketschup und Püree.
Urte Paul (01.02.2011)
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Grüne Gentechnik
Verfahren und Methoden, mit denen Forscher das Erbgut von Lebewesen gezielt verändern oder artfremde DNA in Organismen einbringen, werden unter dem Begriff Gentechnik zusammengefasst. Nach Anwendungsgebiet unterscheidet man Rote (Medizin, Pharmazeutik), Grüne (Pflanzenzüchtung, Landwirtschaft) und Weiße beziehungsweise Graue Gentechnik (Industrie, Abfallwirtschaft).
Grüne Gentechnik, auch Agrogentechnik genannt, zielt einerseits darauf ab, Pflanzen mit Eigenschaften und Inhaltsstoffen auszustatten, die den Konsumenten nützen: Bestes Beispiel dafür ist der Golden Rice, der deutlich mehr Beta-Carotin und Eisen enthält als herkömmlicher Reis. Weitaus häufiger nutzen Forscher Gentechnik allerdings, um den Anbau von Pflanzen einfacher, effizienter und kostengünstiger zu machen. Erwünschte Eigenschaften sind zum Beispiel Resistenzen: gegen Viren, gegen Herbizide, gegen Insekten und gegen Pilze. Maissorten etwa wurden gentechnisch so verändert, dass sie selbst ein Gift herstellen, welches Schädlinge verjagt.
Für den Gentransfer, also das Einschleusen von artfremden Genen in Gewebe, sind drei Methoden von Bedeutung: Bei der Transformation durch Agrobakterien übertragen Mikroorganismen der Art Agrobacterium tumefaciens gewünschte Gene in Pflanzen. Biolistische Transformation funktioniert rein mechanisch: Mittels Genkanone werden Partikel aus Gold oder Wolfram, auf die DNA aufgebracht ist, in die Zellen geschossen. Beim dritten Verfahren, der Protoplastentransformation, werden die Zellwände aufgelöst und die Zellmembran durchlässig gemacht, damit die DNA eindringen kann.
Verfahren und Methoden, mit denen Forscher das Erbgut von Lebewesen gezielt verändern oder artfremde DNA in Organismen einbringen, werden unter dem Begriff Gentechnik zusammengefasst. Nach Anwendungsgebiet unterscheidet man Rote (Medizin, Pharmazeutik), Grüne (Pflanzenzüchtung, Landwirtschaft) und Weiße beziehungsweise Graue Gentechnik (Industrie, Abfallwirtschaft).
Grüne Gentechnik, auch Agrogentechnik genannt, zielt einerseits darauf ab, Pflanzen mit Eigenschaften und Inhaltsstoffen auszustatten, die den Konsumenten nützen: Bestes Beispiel dafür ist der Golden Rice, der deutlich mehr Beta-Carotin und Eisen enthält als herkömmlicher Reis. Weitaus häufiger nutzen Forscher Gentechnik allerdings, um den Anbau von Pflanzen einfacher, effizienter und kostengünstiger zu machen. Erwünschte Eigenschaften sind zum Beispiel Resistenzen: gegen Viren, gegen Herbizide, gegen Insekten und gegen Pilze. Maissorten etwa wurden gentechnisch so verändert, dass sie selbst ein Gift herstellen, welches Schädlinge verjagt.
Für den Gentransfer, also das Einschleusen von artfremden Genen in Gewebe, sind drei Methoden von Bedeutung: Bei der Transformation durch Agrobakterien übertragen Mikroorganismen der Art Agrobacterium tumefaciens gewünschte Gene in Pflanzen. Biolistische Transformation funktioniert rein mechanisch: Mittels Genkanone werden Partikel aus Gold oder Wolfram, auf die DNA aufgebracht ist, in die Zellen geschossen. Beim dritten Verfahren, der Protoplastentransformation, werden die Zellwände aufgelöst und die Zellmembran durchlässig gemacht, damit die DNA eindringen kann.
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Zulassung und Kontrolle
Gentechnisch veränderte Pflanzen bedürfen, bevor sie aufs Feld gehen, der Zulassung durch Behörden. In Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) verantwortlich für die Genehmigung von Freisetzungen zu Versuchszwecken und zum kommerziellen Anbau. Die Kontrolle hingegen übernehmen die Bundesländer. Auskunft darüber, wo in Deutschland genmanipulierte Pflanzen wachsen, gibt ein Standortregister.
Die Freigabe für den kommerziellen Anbau und das Inverkehrbringen erhalten genmanipulierte Produkte wie Futtermittel oder Lebensmittel in Europa erst nach einem EU-weiten Zulassungsverfahren bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Vor der Zulassung werden Kriterien wie gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft; auch müssen Produzenten belegen, dass kein herkömmliches Produkt mit vergleichbaren Eigenschaften existiert. Am Genehmigungsverfahren sind Behörden sämtlicher EU-Länder beteiligt. Ist die Genehmigung erteilt, gilt sie EU-weit.
In sechs EU-Ländern wird derzeit (Februar 2011) genveränderter Mais der Firma Monsanto (MON801) angebaut. Mittels Schutzklauseln haben jedoch Frankreich, Deutschland und weitere Staaten den Anbau und das Inverkehrbringen dieser Sorte verboten. Als zweite genmanipulierte Pflanze wurde in Europa 2010 eine Kartoffel mit optimierter Stärkezusammensetzung (Amflora) genehmigt.
Weltweit wuchsen im Jahr 2009 auf 134 Millionen Hektar Fläche gentechnisch veränderte Pflanzen, vor allem Baumwolle, Mais, Soja und Raps. Die wichtigsten Anbaustaaten sind die USA (etwa 64 Millionen Hektar), Brasilien und Argentinien (jeweils rund 21 Millionen Hektar). Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland ist etwa 35,7 Millionen Hektar groß.
Gentechnisch veränderte Pflanzen bedürfen, bevor sie aufs Feld gehen, der Zulassung durch Behörden. In Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) verantwortlich für die Genehmigung von Freisetzungen zu Versuchszwecken und zum kommerziellen Anbau. Die Kontrolle hingegen übernehmen die Bundesländer. Auskunft darüber, wo in Deutschland genmanipulierte Pflanzen wachsen, gibt ein Standortregister.
Die Freigabe für den kommerziellen Anbau und das Inverkehrbringen erhalten genmanipulierte Produkte wie Futtermittel oder Lebensmittel in Europa erst nach einem EU-weiten Zulassungsverfahren bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Vor der Zulassung werden Kriterien wie gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft; auch müssen Produzenten belegen, dass kein herkömmliches Produkt mit vergleichbaren Eigenschaften existiert. Am Genehmigungsverfahren sind Behörden sämtlicher EU-Länder beteiligt. Ist die Genehmigung erteilt, gilt sie EU-weit.
In sechs EU-Ländern wird derzeit (Februar 2011) genveränderter Mais der Firma Monsanto (MON801) angebaut. Mittels Schutzklauseln haben jedoch Frankreich, Deutschland und weitere Staaten den Anbau und das Inverkehrbringen dieser Sorte verboten. Als zweite genmanipulierte Pflanze wurde in Europa 2010 eine Kartoffel mit optimierter Stärkezusammensetzung (Amflora) genehmigt.
Weltweit wuchsen im Jahr 2009 auf 134 Millionen Hektar Fläche gentechnisch veränderte Pflanzen, vor allem Baumwolle, Mais, Soja und Raps. Die wichtigsten Anbaustaaten sind die USA (etwa 64 Millionen Hektar), Brasilien und Argentinien (jeweils rund 21 Millionen Hektar). Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland ist etwa 35,7 Millionen Hektar groß.





