Klassisch, bitte!
Einmal eine Primaballerina zu werden ist der Traum vieler Mädchen. Bis zum 17. Jahrhundert war das Tanzen allerdings Männern vorbehalten. Sogar Könige tanzten auf der Bühne.Der Maler Edgar Degas (1834 bis 1917) verehrte Ballett-Tänzerinnen. Um 1878 entstand sein Bild Primaballerina.
Vorformen findet man an italienischen und französischen Höfen des 15. Jahrhunderts. Die Damen und Herren der fürstlichen Gesellschaft pflegten ihre festlichen Gelage durch eine Kombination aus Gesang, Tanz und Dialogen zu unterbrechen.
Von ihnen selbst vorgeführt, waren die Darbietungen tänzerischer Ausdruck einer egomanen, hedonistisch-verspielten Aristokratie. Antike Vorlagen dienten - wie für die Renaissance typisch - der theatralischen Handlung.
Ballet de Coeur
Seine erste Blütezeit erlebte das Ballett von 1580 bis 1660 am französischen Hof. Unter Katharina von Medicis Protektion komponierte Balthasar de Beaujoyeux, ein italienischer Violinist, das erste Ballett.
Das so genannte Ballet de Coeur bestand aus einer gesprochenen oder gesungenen Ouvertüre, der bis zu fünf einzelne Tänze - die Entrées - folgten, und dem großen Finale, dem Grand Ballet. Es wirkten ausschließlich Mitglieder des höfischen Adels mit; getanzt wurde streng getrennt nach Geschlechtern.
Selbst Könige nahmen begeistert an den Vorstellungen teil. So stellte Ludwig XIV. mit fünfzehn Jahren erstmals und symbolträchtig den Sonnengott Apoll im Ballet de la Nuit dar. Der Sonnenkönig war vom eigenen Auftritt dermaßen begeistert, dass er 1661 die Académie Royale de Danse gründete. Dort sollten Musiker und Choreographen die Tanzkunst vollenden und kodifizieren.
Ausdrucksmittel Körper
Zehn Jahre später wurden an einer zweiten Tanzschule, die der Académie Royale de Musique angeschlossen war, erstmals Berufstänzer ausgebildet. Und bereits 1681 sprach man von einer Mademoiselle Lafontaine als erster Primaballerina. Im 18. Jahrhundert breitete sich das Ballett europaweit bis ins bürgerliche Theater aus. Es wurde hier zwar reformiert und erhielt immer mehr Zulauf, der Oper den Rang ablaufen konnte es jedoch nicht.
Einflüsse aus vier Nationen waren an der Entwicklung zum Ballet d'action, dem dramaturgisch durchgearbeiteten Handlungsballett, beteiligt. In England trat speziell der Körper als Ausdrucksmittel in den Mittelpunkt. Solche Tendenzen zu natürlichen Ausdrucksformen von Körper und Geist kamen auch aus Österreich, Frankreich und Italien...
In St. Petersburg datiert die Geburtsstunde des "königlichen Tanzes" auf das Jahr 1734: die erste Ballettschule Russlands war hier gegründet worden - übrigens durch einen französischen Tänzer. Einige Zeit folgte man der westlichen Tradition, fand dann aber unter der Leitung des russischen Tänzers und Choreographen Iwan Walberg einen eigenen Weg. Walberg leitete das Bolschoi-Ballett, welches seit 1776 existiert.
Irreal-fantastische Welten
In Russland etablierte sich der Gedanke, Ballettstücke ganz auf die Primaballerina ausgerichtet zu choreographieren und das Corps de ballet, das Ensemble, stimmungstragend einzusetzen. Diese Idee basierte auf dem in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris entstandenen Romantischen Ballett, welches das tänzerische Repertoire erweiterte, in irreal-fantastische Welten hinein.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor das Ballet im westlichen Europa jedoch an Ansehen. Die Bewunderung galt weniger dem künstlerischen Können als der Schönheit der Ballerinen. Das Zuschauerinteresse verlagerte sich in das Foyer de la Danse, den Aufenthaltsraum der Künstlerinnen.
Wer Kunst genießen wollte, ging fortan ans Marientheater in St. Petersburg. Hinter dem Erfolg des russischen Balletts stand vor allem der aus der romantischen Tradition kommende französische Tänzer und Choreograph Marius Petipa. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Peter Iljitsch Tschaikowsky entstanden Meisterwerke des klassischen Balletts: Dornröschen (1890), Der Nussknacker (1892) und Schwanensee (1895).
Ende der Blütezeit
Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts wurde Petipas Arbeit von Serge Diaghilew mit neuen, eigenen Ideen fortgeführt. Diaghilews künstlerische Wurzeln lagen in der Musik und in der Bildenden Kunst. Er konzipierte die Stücke als Gesamtwerke, an denen die bekanntesten Schriftsteller, Maler und Komponisten dieser Zeit beteiligt waren: Jean Cocteau, Pablo Picasso, Henri Matisse, Sergej Prokofjew, Claude Debussy...
Der Erfolg des Ballet Russes, einer aus den besten Tänzern St. Petersburgs und Moskaus zusammengesetzten Kompanie, holte den Tanz als eigenständige Kunstgattung auf die Theaterbühnen der westeuropäischen Metropolen zurück, war aber auch das Ende der "klassischen" Blütezeit. Denn am Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts fand das Ballett neue, revolutionäre Ausdruckformen, die den Freien Tanz und den Modern Dance begründeten.
Grundlage für jeden Solotänzer
Dennoch bleibt das klassische Ballett handwerkliche Grundlage für jeden Solotänzer. Die Prinzessinnen der ersten Tanzstunde müssen also hart trainieren und viel Disziplin aufbringen, um später tatsächlich auf der Bühne zu stehen. Dafür bedarf es nicht nur kurzzeitiger Begeisterung, sondern wahrer Leidenschaft.
Katja Bose (aktualisiert 15.04.2008)
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Mario Schröder...
ist Direktor und Chefchoreograph des Balletts an der Oper Leipzig. Schröder wurde 1965 in Finsterwalde geboren. Er erhielt seine achtjährige Tanzausbildung an der Palucca Schule Dresden bei Prof. Gret Palucca, Prof. Hans-Joachim Metz und Patricio Bunster. Von 1983 bis 1999 war der Tänzer Erster Solist in Leipzig. An der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin studierte er Choreographie.
Mario Schröder tanzte unzählige große klassische, aber auch moderne Rollen und arbeitete als Choreograph in vielen europäischen Ländern sowie in den USA, Australien, Japan und der Mongolei.
Mittlerweile zählen mehr als sechzig Choreografien zu seinem Gesamtwerk, und er erhielt zahlreiche Preise. 2010 kehrte Schröder zu seinen Wurzeln, also nach Leipzig, zurück. Schröder fühlt sich modernen Ausdrucksformen des Tanzens verpflichtet, für die das klassische Ballett jedoch eine unverzichtbare Basis ist.
ist Direktor und Chefchoreograph des Balletts an der Oper Leipzig. Schröder wurde 1965 in Finsterwalde geboren. Er erhielt seine achtjährige Tanzausbildung an der Palucca Schule Dresden bei Prof. Gret Palucca, Prof. Hans-Joachim Metz und Patricio Bunster. Von 1983 bis 1999 war der Tänzer Erster Solist in Leipzig. An der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin studierte er Choreographie.
Mario Schröder tanzte unzählige große klassische, aber auch moderne Rollen und arbeitete als Choreograph in vielen europäischen Ländern sowie in den USA, Australien, Japan und der Mongolei.
Mittlerweile zählen mehr als sechzig Choreografien zu seinem Gesamtwerk, und er erhielt zahlreiche Preise. 2010 kehrte Schröder zu seinen Wurzeln, also nach Leipzig, zurück. Schröder fühlt sich modernen Ausdrucksformen des Tanzens verpflichtet, für die das klassische Ballett jedoch eine unverzichtbare Basis ist.
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Die Schrift des Tanzes
Seit dem 15. Jahrhundert notiert man Wortkürzel, um Tanzschritte festzuhalten. 1581 ließ Katharina von Medici das Ballet Comique de la Reine in Bildern aufzeichnen, um es an andere europäische Königshäuser weiterzugeben.
Um 1700 veröffentlichte Raoul A. Feuillet die erste verbindliche Tanzschrift. Diese "Chorégraphie" beruhte auf dem linearen System des Ballettmeisters Charles L. Beauchamps.
Die Kinetographie Rudolf von Labans aus den 1920ern enthält weitaus mehr Zeichen: Striche und Punkte symbolisieren auf senkrechten Linien die Bewegungen des Tänzers rechts und links der Körpermitte.
Ähnlich funktioniert die Notation von Rudolf Benesh aus dem Jahr 1955. Heute unterstützen Computer und Videokameras die Choreographen. William Forsythes interaktive Anwendung "Improvisation Technologies" zeigte der Tanzlehre 1994 neue Wege auf.
Seit dem 15. Jahrhundert notiert man Wortkürzel, um Tanzschritte festzuhalten. 1581 ließ Katharina von Medici das Ballet Comique de la Reine in Bildern aufzeichnen, um es an andere europäische Königshäuser weiterzugeben.
Um 1700 veröffentlichte Raoul A. Feuillet die erste verbindliche Tanzschrift. Diese "Chorégraphie" beruhte auf dem linearen System des Ballettmeisters Charles L. Beauchamps.
Die Kinetographie Rudolf von Labans aus den 1920ern enthält weitaus mehr Zeichen: Striche und Punkte symbolisieren auf senkrechten Linien die Bewegungen des Tänzers rechts und links der Körpermitte.
Ähnlich funktioniert die Notation von Rudolf Benesh aus dem Jahr 1955. Heute unterstützen Computer und Videokameras die Choreographen. William Forsythes interaktive Anwendung "Improvisation Technologies" zeigte der Tanzlehre 1994 neue Wege auf.
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Das MDR-Fernsehballett
In der europäischen Showlandschaft ist die Tanzgruppe ein richtiges Unikat - und mit jährlich mehr als 140 Millionen Fernsehzuschauern gehört sie zu den meist gesehenen Ensembles in ganz Europa: Das MDR-Fernsehballett.
Die Tänzer und Tänzerinnen begeistern mit eleganten und fantasievollen Choreographien in den großen Unterhaltungsshows von ARD und ZDF, aber auch bei Galaauftritten und in zahlreichen Fernsehfilmen.
Hervorgegangen ist das bis heute einzige Fernsehballet in Europa aus dem Tanzensemble des DDR-Fernsehens. 1962 gegründet, entwickelte es sich in den nächsten zwei Jahrzehnten zum absoluten Publikumsliebling.
Doch Anfang der 1990er drohte der Kompanie mit der Auflösung des DDR-Fernsehens das Aus. Die Anbindung an den neu gegründeten Mitteldeutschen Rundfunk bedeutete jedoch die Rettung für das Fernsehballett. In den letzten zehn Jahren erhielt das Ensemble zahlreiche Fernsehpreise, so auch die Goldene Kamera.
In der europäischen Showlandschaft ist die Tanzgruppe ein richtiges Unikat - und mit jährlich mehr als 140 Millionen Fernsehzuschauern gehört sie zu den meist gesehenen Ensembles in ganz Europa: Das MDR-Fernsehballett.
Die Tänzer und Tänzerinnen begeistern mit eleganten und fantasievollen Choreographien in den großen Unterhaltungsshows von ARD und ZDF, aber auch bei Galaauftritten und in zahlreichen Fernsehfilmen.
Hervorgegangen ist das bis heute einzige Fernsehballet in Europa aus dem Tanzensemble des DDR-Fernsehens. 1962 gegründet, entwickelte es sich in den nächsten zwei Jahrzehnten zum absoluten Publikumsliebling.
Doch Anfang der 1990er drohte der Kompanie mit der Auflösung des DDR-Fernsehens das Aus. Die Anbindung an den neu gegründeten Mitteldeutschen Rundfunk bedeutete jedoch die Rettung für das Fernsehballett. In den letzten zehn Jahren erhielt das Ensemble zahlreiche Fernsehpreise, so auch die Goldene Kamera.






