Freiheit und Tyrannei
Jeder kennt den Dramatiker Schiller. Weniger bekannt ist seine Rolle als Historiker, ab 1789 an der Universität Jena. Manche seiner Schriften aus jener Periode reizen zum Meinungsstreit - bis heute.Große historische Stoffe - sie faszinierten Schiller zu jeder Zeit. (Don Karlos, 5. Akt; Schillers Werke, Berlin, um 1900)
Wallenstein, die "Charaktertragödie", bildet aus dem historischen Stoff eher frei ein dramatisch scheiterndes Individuum. Fakten, wie sie in den Geschichtsbüchern stehen, werden zum Material, an dem Schiller sich bedient, dem er sich aber nie unterwirft: für den Künstler ein selbstverständlicher Prozess.
Professor in Jena
Was aber, wenn dieser Künstler als Historiker auf die akademische Bühne gelangt? Ans Katheder der Universität Jena tritt der Professor Schiller im Frühling 1789 - im Dezember des Vorjahrs hat man ihm das unbesoldete Amt verliehen.
Gerade ist der erste (und einzige) Band seiner Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung erschienen, Reputation also vorhanden. Die Jenaer Antrittsvorlesung wird ein Erfolg: Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?, so ihr Titel.
Schöpfer der Geschichte
Dem produktiven und widersprüchlichen Verhältnis von "historischer Richtigkeit" und "innerer Wahrheit, die ich die philosophische oder Kunstwahrheit nennen will", gilt, um mit Schillers Worten zu reden, die Aufmerksamkeit des Künstler-Gelehrten. Ähnlich wie der Künstler ein Schöpfer seiner Dramen, sei der Historiker, behauptet Schiller, Schöpfer der Geschichte: "Nicht lange kann sich der philosophische Geist bei dem Stoffe der Weltgeschichte verweilen, so wird ein neuer Trieb in ihm geschäftig werden..., der ihn unwiderstehlich reizt, alles um sich herum seiner eigenen vernünftigen Natur zu assimilieren", verkündet Schiller in der ersten Jenaer Vorlesung programmatisch.
Und weiter: "Er (der Historiker) nimmt also diese Harmonie aus sich selbst heraus, und verpflanzt sie außer sich in die Ordnung der Dinge, d. i. er bringt einen vernünftigen Zweck in den Gang der Welt, und ein teleologisches Prinzip in die Weltgeschichte."
Don Karlos, 1. Akt, 2. Auftritt, Marquis de Posa: ...meine Stunde schlägt vielleicht... (Bild: Schillers Werke, Berlin, um 1900)
Brutaler, mit einem "für einen Historiker geradezu frivolen Satz", so der Literaturwissenschaftler Kurt Wölfel, formuliert Schiller den Gedanken anlässlich eines Briefs an Caroline von Beulwitz vom Dezember 1788: "Die Geschichte ist überhaupt nur ein Magazin für meine Phantasie, und die Gegenstände müssen sich gefallen lassen, was sie unter meinen Händen werden." Praxis des Fachautors und ästhetisch gerechtfertigte Quellenmanipulation des Dramatikers stünden aus dieser Sicht nicht weit voneinander entfernt, kommentiert der Schiller-Biograph Peter André Alt.
Erfindungen Schillers?
Neutralität? Objektivität? Wie es aussieht, ignorierte Schiller solche Kriterien. Ist er damit als Historiker diskreditiert? Spätere Kollegen dürften dieser Ansicht gewesen sein: Leopold von Ranke zum Beispiel vermutet regelrechte "Erfindungen" Schillers, wo der von "künstlichen Bindungsgliedern" spricht, die erst "das Aggregat zum System, zu einem vernunftmäßig zusammenhängenden Ganzen" erheben...
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Schiller - die Fakten
Johann Christoph Friedrich Schiller wird am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren. Er verlebt eine glückliche Kindheit, die ein jähes Ende findet, als der 13jährige Offizierssohn auf Wunsch des Herzogs Karl Eugen in dessen Pflanzschule für Beamten- und Offiziersnachwuchs eintreten muss. Friedrich leidet unter dem militärischen Drill und der kasernenartigen Disziplin. 1777 beginnt er die Arbeit an dem Drama Die Räuber. Nach Abschluss seines Medizinstudiums verlässt Schiller 1780 die Schule und wird Regimentsmedikus.
Ein Jahr darauf schließt der junge Dichter Die Räuber ab; die Premiere am 13. Januar 1782 in Mannheim macht Schiller mit einem Schlag berühmt. Der Herzog stellt den Dichter im Juli für zwei Wochen unter Arrest und verbietet ihm das "Komödienschreiben". Schiller flieht aus Württemberg, gelangt über Mannheim, Frankfurt und Oggersheim ins thüringische Bauerbach. Dort arbeitet er an den Stücken Luise Millerin und Don Karlos. 1783 erhält er für ein Jahr eine Stelle als Theaterdichter in Mannheim.
Schiller erkrankt an Malaria; schwer angeschlagen und pleite folgt er der Einladung eines Verehrers nach Leipzig und Dresden. In dieser Zeit beendet der Dichter den Don Karlos und schreibt die Ode an die Freude, bevor es ihn nach Weimar zieht, wo er Herder, Wieland und, im September 1788, Goethe trifft. Die nächsten Jahre widmet sich Schiller philosophischen und historischen Schriften; seit 1789 ist er Professor für Geschichte in Jena.
1790 heiratet Schiller Charlotte von Lengenfeld, das Paar wird vier Kinder haben. Eine schwere Erkrankung 1791 überlebt der Dichter, doch komplett erholt er sich nicht. Schiller gewinnt 1794 Goethe für die Mitarbeit an einer Zeitschrift. Daraufhin entwickelt sich zwischen den Dichtern eine enge Freundschaft. Im dichterischen Wettstreit entstehen Schillers berühmteste Balladen wie Der Handschuh, Die Kraniche des Ibykus oder Die Bürgschaft.
Um seinem Freund näher zu sein, siedelt Schiller samt Familie 1799 nach Weimar über. Dort schreibt er in den nächsten Jahren weitere Dramen, darunter Wallenstein, Maria Stuart und Wilhelm Tell. Im November 1802 erhält der Dichter das Adelsdiplom. Nur zwei Jahre später erkrankt er erneut schwer; am Nachmittag des 9. Mai 1805 stirbt Friedrich von Schiller in Weimar.
Johann Christoph Friedrich Schiller wird am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren. Er verlebt eine glückliche Kindheit, die ein jähes Ende findet, als der 13jährige Offizierssohn auf Wunsch des Herzogs Karl Eugen in dessen Pflanzschule für Beamten- und Offiziersnachwuchs eintreten muss. Friedrich leidet unter dem militärischen Drill und der kasernenartigen Disziplin. 1777 beginnt er die Arbeit an dem Drama Die Räuber. Nach Abschluss seines Medizinstudiums verlässt Schiller 1780 die Schule und wird Regimentsmedikus.
Ein Jahr darauf schließt der junge Dichter Die Räuber ab; die Premiere am 13. Januar 1782 in Mannheim macht Schiller mit einem Schlag berühmt. Der Herzog stellt den Dichter im Juli für zwei Wochen unter Arrest und verbietet ihm das "Komödienschreiben". Schiller flieht aus Württemberg, gelangt über Mannheim, Frankfurt und Oggersheim ins thüringische Bauerbach. Dort arbeitet er an den Stücken Luise Millerin und Don Karlos. 1783 erhält er für ein Jahr eine Stelle als Theaterdichter in Mannheim.
Schiller erkrankt an Malaria; schwer angeschlagen und pleite folgt er der Einladung eines Verehrers nach Leipzig und Dresden. In dieser Zeit beendet der Dichter den Don Karlos und schreibt die Ode an die Freude, bevor es ihn nach Weimar zieht, wo er Herder, Wieland und, im September 1788, Goethe trifft. Die nächsten Jahre widmet sich Schiller philosophischen und historischen Schriften; seit 1789 ist er Professor für Geschichte in Jena.
1790 heiratet Schiller Charlotte von Lengenfeld, das Paar wird vier Kinder haben. Eine schwere Erkrankung 1791 überlebt der Dichter, doch komplett erholt er sich nicht. Schiller gewinnt 1794 Goethe für die Mitarbeit an einer Zeitschrift. Daraufhin entwickelt sich zwischen den Dichtern eine enge Freundschaft. Im dichterischen Wettstreit entstehen Schillers berühmteste Balladen wie Der Handschuh, Die Kraniche des Ibykus oder Die Bürgschaft.
Um seinem Freund näher zu sein, siedelt Schiller samt Familie 1799 nach Weimar über. Dort schreibt er in den nächsten Jahren weitere Dramen, darunter Wallenstein, Maria Stuart und Wilhelm Tell. Im November 1802 erhält der Dichter das Adelsdiplom. Nur zwei Jahre später erkrankt er erneut schwer; am Nachmittag des 9. Mai 1805 stirbt Friedrich von Schiller in Weimar.



