Versunkenes
Immer hat im Unbekannten der Mythos seinen Ort. Das gilt auch für die Sage vom Kontinent Atlantis. Auf welchem Hintergrund entstand jene uralte Geschichte? Ist sie gar eine reine Kopfgeburt?Das versunkene Atlantis, wie es sich die Illustratoren von Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer vorstellten.
Einfach so nach unten?
Da wäre zum Beispiel die Idee, Atlantis läge im Atlantik - die Ähnlichkeit der Namen legt es nahe: Als die Kontinente vor rund siebzig Millionen Jahren auseinander brachen, soll Atlantis versunken sein. Die Geologie belehrt uns jedoch eines Besseren: Ein Kontinent wie Atlantis versinkt nicht einfach, er kann höchstens in einzelne Schollen zerfallen, die sich zudem horizontal und nicht vertikal bewegen.
Zeit ohne Katastrophen
Hinzu kommt, dass das Gestein am Grund des Atlantiks nicht das gleiche ist wie das der Kontinente. Aha! Das wichtigste Detail allerdings ist die deutliche Zeitdiskrepanz zwischen den Kontinentalverschiebungen und dem von Platon datierten Untergang Atlantis' vor rund zwölftausend Jahren. Für jene Zeit lassen sich zudem keine Naturkatastrophen nachweisen, deren Ausmaße zum Untergang eines Kontinents hätten führen können.
Der Mythos bleibt
Die wissenschaftlichen Argumente, dass es Platons Atlantis so nicht gegeben haben kann, müssten doch Zweifler überzeugen. Die Faszination für den Mythos Atlantis aber lässt nicht nach. Platons detaillierte Beschreibungen im Gepäck - sich mal mehr, mal weniger streng daran haltend -, suchen Menschen seit vielen Jahrhunderten nach der versunkenen Welt. Ihre Bemühungen zeigen deutlich: Atlantis ist überall - und nirgends.
Die Sage vom untergegangenen Atlantis geht auf Platon zurück.
Zur Illustration
Bis heute wird darüber diskutiert, ob Platons Geschichte von Atlantis einzig dazu diente, seine Vorstellungen vom idealen Staat zu illustrieren. Sollte die platonische Idee des Staates Ihre Entsprechung in der Vergangenheit haben, weil sie die in der wüsten und verabscheuten athenischen Pöbelherrschaft in Platons Gegenwart nicht hatte? Platon beschreibt Atlantis als hoch kultivierten Staat mit blühender Wirtschaft und mit prosperierendem Gemeinwesen - mahnend, dass auch solch eine Gesellschaft nicht vor dem Untergang geschützt ist.
Vorbilder in der Vergangenheit
Die Datierung des Untergangs, die gerade Geologen als Beweis für das Nicht-Existieren des sagenhaften Kontinents dient, ist eigentlich unbedeutend. Was zählen ein paar Millionen Jahre für einen Menschen, der sich nicht als Wesen einer linearen Geschichte, nicht als Punkt auf einem Zeitstrahl sieht? Zu Platons Zeit war Geschichte bestimmt vom Glauben an Zyklen. Auch das Konstrukt des idealen Staates müsste es somit in der Vergangenheit schon einmal gegeben haben.
Atlantis: Faszination einer versunkenen Welt.
Atlantis lebt, überall und nirgendwo. Platon selbst siedelte die Legende "jenseits der Säulen des Herakles" an, des heutigen Gibraltar: weit entfernt im Westen, jenseits des Einflussbereichs des antiken Griechenland. Die Tiefen der Ozeane sind ideale Projektionsflächen für menschliche Vorstellungen einer zwar unsichtbaren, doch möglicherweise ideal existierenden Welt. Nichts bleibt unversucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Noch sind die Ozeane nicht gänzlich erforscht, noch ließe sich eine solche Welt entdecken...
Ulrike Wolf (aktualisiert 25.05.2011)
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Infobox
Die Legende von Atlantis
"Dieses offene Meer nun hatte eine Insel, vor der Mündung der Säulen des Herakles. Einst war sie bedeutender als Libyen und Asien zusammen, ist aber durch Erdbeben untergegangen und hat dabei eine undurchdringliche, schlammige Tiefe hinterlassen, die jeden, der die Fahrt in das jenseitige Meer unternehmen will, am weiteren Vordringen hindert..."
Platon beschreibt Atlantis als mächtiges Königreich, das über die ganze Insel wie auch über Teile des Festlands seine Macht ausübte. Nun versammelte Atlantis aber seine ganzen Streitkräfte zu einem einzigen Heereszug, um das restliche Land diesseits der Säulen des Herakles - den Mittelmeerraum - zu erobern. Doch die Griechen besiegten die Atlanter.
"In der darauffolgenden Zeit aber gab es gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen; es kam ein schlimmer Tag und eine schlimme Nacht, da eure ganze Streitmacht mit einem Male in der Erde versank, und ebenso versank auch Atlantis im Meer und verschwand darin."
"Dieses offene Meer nun hatte eine Insel, vor der Mündung der Säulen des Herakles. Einst war sie bedeutender als Libyen und Asien zusammen, ist aber durch Erdbeben untergegangen und hat dabei eine undurchdringliche, schlammige Tiefe hinterlassen, die jeden, der die Fahrt in das jenseitige Meer unternehmen will, am weiteren Vordringen hindert..."
Platon beschreibt Atlantis als mächtiges Königreich, das über die ganze Insel wie auch über Teile des Festlands seine Macht ausübte. Nun versammelte Atlantis aber seine ganzen Streitkräfte zu einem einzigen Heereszug, um das restliche Land diesseits der Säulen des Herakles - den Mittelmeerraum - zu erobern. Doch die Griechen besiegten die Atlanter.
"In der darauffolgenden Zeit aber gab es gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen; es kam ein schlimmer Tag und eine schlimme Nacht, da eure ganze Streitmacht mit einem Male in der Erde versank, und ebenso versank auch Atlantis im Meer und verschwand darin."



