Enttäuscht zog Rübezahl sich in Geistermanier durchs Schlüsselloch zurück, um fortan unsichtbar die Menschen um sich herum zu studieren. Als er bei seinen Beobachtungen ein junges Mädchen beim Bade sah, verliebte sich der Berggeist und beschloss, die Schöne durch die Fluten zu seinem unterirdischen Palast zu führen. Der Fang gelang. Die Schöne aber, für die er selbst die Rüben zählte, war nicht zu halten.
Krank vor Gram
Der Herr der Tiefe, krank vor Gram, zog sich viele Jahre in seine Unterwelt zurück. Im Volk lebte der Berggeist Rübezahl als Legende weiter und wurde hier spöttisch angerufen und verhöhnt. Das war auch das Erste, was ihm nach langer Abwesenheit begegnete: Ein paar junge Burschen neckten ihn mit den Worten: "Rübezahl, komm herab! Rübezahl, Mädchendieb!"
Mildtätige Rache
Um sich in seiner Wut für diese Schmach zu rächen, raubte der Wiedererwachte einem vorbeiziehenden Juden den Geldbeutel und schob ihn dem Spötter unter. Die Verurteilung folgte auf dem Fuße, doch der wackere Berggeist begegnete der in Tränen aufgelösten Verlobten des Jünglings, die sich schuldig fühlte: Sie war es, die ihren Geliebten in die Welt geschickt hatte, um Geld zu verdienen.
Schabernack vom Galgen
Von dieser Einstellung tief berührt, befreite Rübezahl, als Mönch verkleidet, den Jüngling und ließ sich an seiner Stelle hängen. Als Unsterblicher wollte dies jedoch nicht ganz gelingen und so trieb der Berggeist vom Galgen herab so lange seinen Schabernack mit den Leuten, bis er begnadigt wurde. Die Knackwurst, die er dem Jüngling als Wegzehrung mitgegeben hatte, war mit Gold gefüllt und sicherte dem Paar eine glückliche Zukunft.
Plagegeist aus Schadenfreude
Nicht immer war der launenhafte Gebirgsgeist so mildtätig. Musäus schreibt: "Oft machte er nur den Plagegeist aus boshafter Schadenfreude und kümmerte sich wenig darum, ob er einen Schurken oder einen Biedermann foppte. Oft gesellte er sich zu einem einsamen Wanderer als Geleitsmann, führte unbemerkt den Fremdling irre, ließ ihn an dem Absturz einer Bergzinne oder in einem Sumpfe stehen und verschwand mit höhnendem Gelächter. Zuweilen erschreckte er die furchtsamen Marktweiber durch abenteuerliche Gestalten wildfremder Tiere."
So zwiespältig sind die Erzählungen, die Rübezahl einmal als Jähzornigen, dann als Hoffnungsträger für Arme und schließlich als aufrechten Menschen erscheinen lassen. Der Berggeist regt durch seine Streiche zum Schmunzeln an, ist aber gleichzeitig moralisches Vorbild, das den Ehrlichen belohnt und den Habgierigen bestraft.
"Töpfe voller Gold"
Rübezahl verwaltet die Schätze des Riesengebirges und verteilt sie nach Gutdünken an die, die in Not leben, nicht aber an Müßiggänger, verdorbene Hauswirte, Schatzgräber und Landfahrer. Denen gibt er zwar "Töpfe voller Gold", doch ist es nicht lange haltbar und verwandelt sich unversehens in wertloses Gestein. In jener Zeit der habgierigen Glücksritter, die er durch Steinhagel aus seinem Reich vertreibt, wurde Rübezahl zum finster schauenden Köhler mit stierenden Glutaugen und gürtellangem, rotem Bart. Die Schätze des Riesengebirges machte er unzugänglich für die Menschen und zeigt sich seitdem nur noch selten.
Krachender Donner
Also, Vorsicht ist geboten, trifft man im tiefen Nebel auf eine merkwürdige Gestalt. Nie kann man wissen, ob Rübezahl gerade gekränkt wurde und deshalb willkürlich Blitze und krachenden Donner sendet. Unberechenbar, wie er sein soll, treibt der Berggeist aber vielleicht auch nur Schabernack und verschwindet dann mit höhnischem Gelächter.
Katja Ewinger (akt. 28.01.2010)
Krank vor Gram
Der Herr der Tiefe, krank vor Gram, zog sich viele Jahre in seine Unterwelt zurück. Im Volk lebte der Berggeist Rübezahl als Legende weiter und wurde hier spöttisch angerufen und verhöhnt. Das war auch das Erste, was ihm nach langer Abwesenheit begegnete: Ein paar junge Burschen neckten ihn mit den Worten: "Rübezahl, komm herab! Rübezahl, Mädchendieb!"
Mildtätige Rache
Um sich in seiner Wut für diese Schmach zu rächen, raubte der Wiedererwachte einem vorbeiziehenden Juden den Geldbeutel und schob ihn dem Spötter unter. Die Verurteilung folgte auf dem Fuße, doch der wackere Berggeist begegnete der in Tränen aufgelösten Verlobten des Jünglings, die sich schuldig fühlte: Sie war es, die ihren Geliebten in die Welt geschickt hatte, um Geld zu verdienen.
Schabernack vom Galgen
Von dieser Einstellung tief berührt, befreite Rübezahl, als Mönch verkleidet, den Jüngling und ließ sich an seiner Stelle hängen. Als Unsterblicher wollte dies jedoch nicht ganz gelingen und so trieb der Berggeist vom Galgen herab so lange seinen Schabernack mit den Leuten, bis er begnadigt wurde. Die Knackwurst, die er dem Jüngling als Wegzehrung mitgegeben hatte, war mit Gold gefüllt und sicherte dem Paar eine glückliche Zukunft.
Plagegeist aus Schadenfreude
Nicht immer war der launenhafte Gebirgsgeist so mildtätig. Musäus schreibt: "Oft machte er nur den Plagegeist aus boshafter Schadenfreude und kümmerte sich wenig darum, ob er einen Schurken oder einen Biedermann foppte. Oft gesellte er sich zu einem einsamen Wanderer als Geleitsmann, führte unbemerkt den Fremdling irre, ließ ihn an dem Absturz einer Bergzinne oder in einem Sumpfe stehen und verschwand mit höhnendem Gelächter. Zuweilen erschreckte er die furchtsamen Marktweiber durch abenteuerliche Gestalten wildfremder Tiere."
So zwiespältig sind die Erzählungen, die Rübezahl einmal als Jähzornigen, dann als Hoffnungsträger für Arme und schließlich als aufrechten Menschen erscheinen lassen. Der Berggeist regt durch seine Streiche zum Schmunzeln an, ist aber gleichzeitig moralisches Vorbild, das den Ehrlichen belohnt und den Habgierigen bestraft.
Viehwirte bewohnten einst die Bauden. Heute dienen die Gebäude Touristen als Herberge.
Rübezahl verwaltet die Schätze des Riesengebirges und verteilt sie nach Gutdünken an die, die in Not leben, nicht aber an Müßiggänger, verdorbene Hauswirte, Schatzgräber und Landfahrer. Denen gibt er zwar "Töpfe voller Gold", doch ist es nicht lange haltbar und verwandelt sich unversehens in wertloses Gestein. In jener Zeit der habgierigen Glücksritter, die er durch Steinhagel aus seinem Reich vertreibt, wurde Rübezahl zum finster schauenden Köhler mit stierenden Glutaugen und gürtellangem, rotem Bart. Die Schätze des Riesengebirges machte er unzugänglich für die Menschen und zeigt sich seitdem nur noch selten.
Krachender Donner
Also, Vorsicht ist geboten, trifft man im tiefen Nebel auf eine merkwürdige Gestalt. Nie kann man wissen, ob Rübezahl gerade gekränkt wurde und deshalb willkürlich Blitze und krachenden Donner sendet. Unberechenbar, wie er sein soll, treibt der Berggeist aber vielleicht auch nur Schabernack und verschwindet dann mit höhnischem Gelächter.
Katja Ewinger (akt. 28.01.2010)
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Der "Märchenerzähler vom Rübezahl"
Johann Karl August Musäus (1735 bis 1787) wurde in Jena als Sohn eines Landrichters geboren. Von 1754 bis 1758 studierte er dort Theologie und klassische Philologie. 1769 zog es ihn nach Weimar, wo er von Regentin Herzogin Anna Amalia zum Professor des Gymnasiums ernannt wurde.
Ab 1766 war Musäus literaturkritischer Mitarbeiter der Allgemeinen deutschen Bibliothek und rezensierte dort etwa 350 zeitgenössische Romane nach den Maßstäben einer an der antiken Rhetorik orientierten aufklärerischen Kunsttheorie. Bekannte Werke von ihm sind unter anderem der satirische Roman Physiognomische Reisen (1778/79) und die Volksmärchen der Deutschen (1782-86).
Johann Karl August Musäus (1735 bis 1787) wurde in Jena als Sohn eines Landrichters geboren. Von 1754 bis 1758 studierte er dort Theologie und klassische Philologie. 1769 zog es ihn nach Weimar, wo er von Regentin Herzogin Anna Amalia zum Professor des Gymnasiums ernannt wurde.
Ab 1766 war Musäus literaturkritischer Mitarbeiter der Allgemeinen deutschen Bibliothek und rezensierte dort etwa 350 zeitgenössische Romane nach den Maßstäben einer an der antiken Rhetorik orientierten aufklärerischen Kunsttheorie. Bekannte Werke von ihm sind unter anderem der satirische Roman Physiognomische Reisen (1778/79) und die Volksmärchen der Deutschen (1782-86).



