Biblisch
Heute sind die Küsten des Roten Meeres künstlich geschaffene Hochburgen des Tourismus. Einst waren sie Schauplätze biblischer Wundertaten: Moses soll hier das Rote Meer geteilt haben.Über Jahrhunderte hinweg von den Pharaonen unterdrückt, wollen die Hebräer unter der Führung Moses' aus dem Land ihrer Knechtschaft aufbrechen. Doch ohne Widerstand lässt der Pharao das Volk nicht ziehen; zehn Plagen erdulden das ägyptische Volk und sein Herrscher, dann gewährt der Pharao den Auszug der Israeliten.
Tod in den Fluten
Sie brechen von Sukkot zum Roten Meer auf, werden aber vom ägyptischen Heer verfolgt, da der Pharao die Erlaubnis zum Auszug bereut. Am Roten Meer angekommen, hebt Moses seinen Stab und mit Gottes Hilfe teilt sich das Meer und die Hebräer können hindurchlaufen. Die nachfolgenden Ägypter ertrinken in den wieder einfallenden Wassermassen. Auf dem Berg Sinai empfängt Moses die Zehn Gebote. So erzählt es die Bibel.
Der alte Mann und das Meer
Auch wenn die Wundertätigkeit biblischer Gestalten noch an manch anderer Stelle zur Höchstform aufläuft, gehört die Teilung des Roten Meeres sicherlich zu den spektakulärsten Erzählungen, die das Alte Testament bietet. Wie aber erklären sich Bibelforscher und Naturwissenschaftler die wundersame Spaltung? Unter den unzähligen Auslegungen, die das Zurückweichen und die Rückkehr des Wassers erklären sollen, seien hier drei der Prominentesten herausgestellt.
Zwei Quellen?
Glaubt man einigen Bibelhistorikern, dann ist die Erzählung der Flucht aus Ägypten, wie sie im Exodus - dem Zweiten Buch Mose - wiedergegeben ist, aus zwei Hauptquellen zusammengesetzt. Beide lagen nie in schriftlicher Form vor. Eine der Quellen berichtet von einer aus Ägypten fliehenden Gruppe, die in der Nähe des Flusses Jordan, den sie wenig später erfolgreich überquerte, eine Auseinandersetzung erlebte. Sie sei bei Kadesch ins Gelobte Land eingezogen.
Eine andere Gruppe - so die zweite Quelle - sei in Richtung Süden geflohen und zum Berg Sinai gewandert. Spätere Bearbeiter verquickten diese beiden Erzählungen, machten aus dem Jordan das imposantere Rote Meer und fügten dabei die Gestalt Moses ein.
1869 wurde der Suezkanal zwischen den Hafenstädten Sues und Port Said (siehe Bild, um 1880) eröffnet.
Sprachhistoriker wiederum machen die griechischen Übersetzer der Bibel für das Wunder verantwortlich. Die setzten nämlich das hebräische Wort Jam suph, das eigentlich Schilfmeer bedeutet, fälschlicherweise mit dem Roten Meer gleich. Das Schilfmeer, eine einstige Sumpflandschaft im Nildelta, war den Israeliten wohlbekannt, lag doch ihre ehemalige Heimat in unmittelbarer Nähe. Für Moses war es also ein Leichtes, sein Volk sicher durch den Sumpf zu führen, die Ägypter mit ihren Streitwagen und schwerer Ausrüstung blieben jedoch im Morast stecken und mussten die Verfolgung aufgeben.
Auf einem Riff durchs Rote Meer
Vom Rationalisierungskult der Naturwissenschaften blieb das Phänomen auch nicht lange unberührt. Einer der unzähligen naturwissenschaftlichen Deutungsversuche stammt von russischen Wissenschaftlern: An der Stelle, an der Moses und sein Volk das Rote Meer durchquerten, gebe es bis heute in sechs bis sieben Metern Tiefe ein Riff.
Zu biblischen Zeiten habe sich dieses Riff, das vom einen zum anderen Ende des Golfs von Suez verläuft, in geringerer Tiefe befunden. Unter dem Einfluss der Gezeiten und eines starken Windes sei es daher möglich gewesen, das Rote Meer auf eben dieser Felsenkette trockenen Fußes zu überqueren.
Biblisches Sinnbild
Ob nun übernatürliche oder profane Zusammenhänge für die wundersame Meeresteilung verantwortlich gemacht werden: seit Jahrtausenden schon inspiriert die alttestamentarische Erzählung nicht nur Bibel- und Naturwissenschaftler sondern auch Künstler. Zahllos sind die literarischen, filmischen und populärhistorischen Bearbeitungen des Stoffes. Häufig gerät Moses' Wundertat dabei zur Metapher für die Möglichkeiten menschlicher Glaubensstärke; manchmal, so der Grundton, versetze der Glauben eben nicht nur Berge, sondern könne sogar Meere spalten.
Kathleen Niebl (15.12.2005)
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Infobox
Der Suezkanal
Mit dem Suezkanal verbindet sich für viele Ägypter das Streben nach nationaler Autonomie. Durch den 163 Kilometer langen Kanal können seit 1869 Schiffe vom Mittelmeer direkt ins Rote Meer und so nach Asien gelangen. Zur Deckung der Baukosten hatte Ägypten die Nutzung des Kanals für 99 Jahre (1869 bis 1968) einer mehrheitlich französisch-britischen Kanalgesellschaft übertragen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg forderten viele Ägypter - im Land hatte sich eine zunehmend nationalistische Stimmung ausgebreitet - die Rückgabe des Kanals. 1956 machte Präsident Nasser die für Europa so wichtige Handelsroute zu Staatseigentum. Unter dem Vorwand, den Welthandel sichern zu wollen, griffen israelische, britische und französische Truppen Ägypten noch im selben Jahr an. Obwohl die Ägypter militärisch schnell unterlegen waren, blieb der Kanal durch ein Votum der Vereinten Nationen in ihrer Hand.
Mit dem Suezkanal verbindet sich für viele Ägypter das Streben nach nationaler Autonomie. Durch den 163 Kilometer langen Kanal können seit 1869 Schiffe vom Mittelmeer direkt ins Rote Meer und so nach Asien gelangen. Zur Deckung der Baukosten hatte Ägypten die Nutzung des Kanals für 99 Jahre (1869 bis 1968) einer mehrheitlich französisch-britischen Kanalgesellschaft übertragen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg forderten viele Ägypter - im Land hatte sich eine zunehmend nationalistische Stimmung ausgebreitet - die Rückgabe des Kanals. 1956 machte Präsident Nasser die für Europa so wichtige Handelsroute zu Staatseigentum. Unter dem Vorwand, den Welthandel sichern zu wollen, griffen israelische, britische und französische Truppen Ägypten noch im selben Jahr an. Obwohl die Ägypter militärisch schnell unterlegen waren, blieb der Kanal durch ein Votum der Vereinten Nationen in ihrer Hand.



