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Geheimdienst
Stasi

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Die Affäre Noel Field…
ist ein typisches Gangsterstück aus dem Ostblock der frühen 1950er Jahre. Sie zeugt von Spionagehysterie und vom Bemühen stalinistischer Regimes, die eigenen Reihen von "Elementen des Klassenfeinds" zu "säubern". Tatsächlich handelte es sich um Prozesse negativer Selektion, in deren Ergebnis häufig unfähige aber folgsame Genossen Spitzenpositionen eroberten.

Noel Field (1904 bis 1970), US-amerikanischer Kommunist, unterstützte zwischen 1940 und 1945 kommunistische Flüchtlinge im Rahmen des von ihm geleiteten Emergency Rescue Committee (ERC). Field kam dabei mit zahlreichen Emigranten vorwiegend in Südfrankreich in Kontakt, die später höhere Ränge in Parteien und Regierungen osteuropäischer Staaten innehatten.

Etwa ab 1949 nahmen kommunistische Geheimdienste Field, der damals in Prag lebte, ins Visier. Field wurde entführt, inhaftiert und gefoltert, überlebte jedoch. Hintergrund war Stalins Kampf gegen den Titoismus und gegen eigenständige Strömungen innerhalb der kommunistischen Parteien.

Parteiführungen und "Sicherheitsorgane" erklärten nunmehr jeden ehemaligen "Westemigranten" für verdächtig, Verbindungen zum "Klassenfeind" zu unterhalten. Ziel war, die Macht in die Hände solcher Personen zu legen, die während des Nationalsozialismus und der Naziokkupation in die Sowjetunion geflüchtet und dort indoktriniert worden waren.

Unterstützung von Noel Field empfangen zu haben, galt als KO-Schlag im Machtgerangel. Pikanterweise traf das ausgerechnet auf Erich Mielke zu, der nach seiner Zeit in Spanien Zuflucht in Frankreich gefunden hatte. Da er diesen Umstand vertuschen wollte, fälschte Mielke Angaben in seinem Lebenslauf.

Einerseits trieb nun das MfS unter Mielkes operativer Führung die Verfolgung ehemaliger "Westemigranten" voran, andererseits war zumindest ein Mitkämpfer Mielkes in Spanien über die wahre Geschichte des Sicherheitsbosses im Bilde: Das war Willi Kreikemeyer, 1950 Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn der DDR...

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Der Mordfall Kreikemeyer…
wirft ein Schlaglicht auf den parteiinternen Umgangsstil, wie er sich im Zuge zunehmender Bürokratisierung und Loslösung von der Klasse, deren Interessen man zu vertreten beanspruchte, herausgebildet hatte. Willi Kreikemeyer (1894 bis vermutlich 31. August 1950) war im Spanischen Bürgerkrieg Kaderchef der deutschen Abteilung der Internationalen Brigaden.

Als solcher kannte er den Decknamen Erich Mielkes: Leistner. Mit diesem Wissen gelang es Kreikemeyer, den Noel-Field-Unterstützungsempfänger Leistner dem späteren Stasichef Mielke zuzuordnen: Mielke war Leistner! Und Mielke hatte den Krieg im französischen Untergrund verbracht, keineswegs, wie von ihm selbst behauptet, in der Sowjetunion!

Es fiel Mielke nicht schwer, Kreikemeyer unter fingierten Anschuldigungen verhaften zu lassen. Am 31. August 1950 beging Kreikemeyer laut eines vier Jahre später verfassten internen Protokolls Selbstmord in seiner Zelle. Gegenüber Ulbricht behauptete Mielke, Kreikemeyer sei den sowjetischen Behörden übergeben worden und in sowjetischer Haft verstorben.

Alles deutet darauf hin, dass Mielke seinen alten Bekannten ermorden ließ. Paradoxerweise verhalf das Ereignis Mielke zum politischen Überleben, da er fortan von Ulbricht (und später von Honecker) abhängig war. Beide wussten, dass der Stasichef "eine Leiche im Keller" hatte, und vertrauten ihm deshalb.