Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Gestapo

Infobox

"So wie die Gestapo...
insgesamt, so ist auch die Geschichte ihrer Bediensteten nach 1945 von einem Mythos umwoben, der mit der Realität wenig gemeinsam hat", schreibt der Experte Gerhard Paul. Keineswegs fand die Mehrzahl Positionen im neuen, (west-)deutschen Polizeiapparat, obwohl es solche Fälle gab. Manch hochrangiger Gestapomann tauchte ab in die Illegalität, und lebte unter falschem Namen ein bescheidenes Dasein.

Strafrechtliche Verfolgung traf in den Nachkriegsjahren relativ wenige. Besonders der Nordwesten Deutschlands, die britische Besatzungszone, bot exzellente Möglichkeiten vorläufigen Untertauchens. Es überrascht kaum, dass ehemalige Gestapo-Angehörige gern die Wirtschaft als Sprungbrett für den zweiten Karriereanlauf nutzten: Hier reichte das Spektrum vom kleinen Versicherungsvertreter bis zum gut situierten Firmenchef.

Ab 1951, als Folge von Koreakrieg und verschärfter Systemkonfrontation, stand ohnehin das Zudrücken beider Augen auf dem Programm: Zunächst revidierte US-Hochkommissar McCloy von US-Militärgerichten verhängte Strafen, bald verankerte zudem der ins Grundgesetz eingefügte Artikel 131 Integration als übergeordnetes Ziel. "Die Forderung nach Strafe", fasst Gerhard Paul zusammen, "trat hinter tagespolitische Erwägungen zurück."