Romantiker auf Flügeln
Heute werden sie nicht nur in superteuren Technikmonstern gen Himmel befördert, sondern auch noch medial in den Himmel gelobt. Dies war bei den allerersten "Himmelsstürmern" anders.Otto Lilienthal hob mehrfach erfolgreich mit einem Hängegleiter ab und leistete wichtige Vorarbeiten zur physikalischen Beschreibung von Tragflächen.
Technik- und Fortschrittsglauben
Vielleicht deshalb, weil die Zeit solche Helden brauchte, die scheinbar abseits von Kommerz und über allen politischen Widrigkeiten ihre Kreise zogen. Vielleicht auch darum, weil die Epoche von Technik- und Fortschrittsglauben geprägt war - dem erst das große Sterben in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs ein allmähliches Ende machte.
Bastler und Tüftler
Sicher ist, der romantische Held war in der Frühgeschichte der Fliegerei nicht von Anfang an da; noch in der Person eines Otto Lilienthal (1848 bis 1896) sucht man ihn vergebens. Der nüchterne Vorpommer verstand sich eher als eifriger Bastler und Tüftler, im Brotberuf als Unternehmer mit einer Vorliebe fürs Soziale.
Romantisch mag es zwar gewesen sein, dem Flug der Störche über den Wiesen um die kleine Stadt Anklam zuzuschauen, doch Lilienthal zog daraus keine poetischen Schwelgereien, sondern die Theorie des Auftriebs. Sogar seine angeblichen letzten Worte im August 1896 - eine Bö hatte den Flugapparat am Boden zerschmettert und Lilienthal tödlich verletzt - sind von fast erschreckender Sachlichkeit: "Opfer müssen eben gebracht werden." Punkt.
Orville und Wilbur Wright: Sie brachten einen steuerbaren Doppeldecker in die Lüfte. 1903 startete Orville zum ersten Motorflug.
Romantische Träumer, das waren auch die Brüder Orville (1871 bis 1948) und Wilbur Wright (1867 bis 1912) nicht, denen die Welt 1903 den ersten Motorflug verdankt: Ihr von einem 12-PS-Motor getriebener Flyer hüpfte immerhin eine Distanz von 250 Metern. Die beiden biederen Fahrradmonteure aus Dayton in Ohio gehören eindeutig in die Kategorie der Freizeittüftler.
Geburt der Volkshelden
Also keine romantischen Heroen, weder diesseits noch jenseits des Ozeans, statt dessen Garagenbastler, oft belächelt von ihren Zeitgenossen! Wie kam nun die Romantik in die Fliegerei? Warum wurden Flieger wenig später zu Volkshelden, deren Konterfeis über den Bettchen der Backfische hingen? Dies ist weitgehend zwei Männern geschuldet: dem 1902 geborenen Charles Lindbergh und - auf dem Umweg über die Literatur - dem nur zwei Jahre älteren Grafen Antoine de Saint-Exupéry.
Mysteriöser Tod
Letzterer war als Flieger weder rekordverdächtig, noch brachte er die Technik voran. Doch haben seine Werke (Der kleine Prinz, Wind, Sand und Sterne) mehr für die Fliegerei bewirkt als manche bahnbrechende Konstruktion. Das Fliegen wurde durch ihn Symbol, es wurde zur Chiffre der Kritik an einer bitteren, umbarmherzigen Realität.
Saint-Exupérys mysteriöser Fliegertod 1944, während eines militärischen Einsatzes bei Korsika, verstärkte die Wirkung noch einmal, als die Zeit der Pilotenromantik längst abgelaufen schien: Noch heute streiten Experten, ob der Dichter einer deutschen Jagdstreife aus Focke-Wulff-109-Maschinen oder der irrtümlich abgegebenen MG-Salve US-amerikanischer Kollegen zum Opfer fiel.
Antoine de Saint-Exupéry (1900 - 1944): Pilot, Schriftsteller und Erfinder. (Bild: Uni Graz)
Bildete "Saint Ex", wie ihn Freunde nannten, die hellere Seite des romantischen Flieger-Märchens, so führt uns Charles Lindbergh auch in dessen dunklere Kapitel: Der Einzelgänger und Individualist erblickte seine wahre Bestimmung, anders als Exupéry, nicht unbedingt in der Liebe zur Kreatur. Biografen berichten bedeutungsvoll, wie der siebenjährige Bauernsohn aus Minnesota mit dem ersten Schuss aus seinem schönsten Geburtstagsgeschenk eine Ente blutig ums Leben brachte.
Publikumswirksam
Risikofreudig und mit guten Reflexen ausgestattet, liebte es der trainierte Pilot später, publikumswirksam auf den Flugzeugflügeln zu stehen, wenn er einer Stadt nahe kam. Groß gewachsen, athletisch, stattlich, außerdem noch intelligent und ehrgeizig, so ist das Zeug zum elitären Volkshelden nahezu beisammen.
Notorische Schüchternheit gegenüber Frauen, bis ins reife Alter, schadet da nichts, sondern rundet das Bild. Kommt dann noch die Tat hinzu, hier der Flug über den Atlantik, wird die Sache perfekt: Als Charles-Superstar betrat Lindbergh am 21. Mai 1927 Pariser Boden; 5.780 Kilometer und fast 34 einsame Stunden in der Kanzel lagen hinter ihm...
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Infobox
Leichter als Luft
Sie stürmten zuerst den Himmel: Ballone. Neben anderen Tüftlern trieben die französischen Brüder Montgolfier um 1780 deren Entwicklung voran. Die Papierfabrikanten und Mitglieder der französischen Akademie der Wissenschaften experimentierten erfolgreich mit "brennbarer Luft".
Basierend auf Erkenntnissen verschiedener Physiker über das "Zustandsverhalten der Luft und anderer Gase" erforschten sie mit aufsteigendem Rauch das Prinzip Leichter als Luft. Ein ordentliches Feuerchen unter einer Hülle aus Leinwand sorgte dafür, dass ihr erster Ballon abhob: sein Gewicht war leichter als das der kalten Umgebungsluft, wodurch der Ballon den nötigen Auftrieb bekam.
Das Prinzip Leichter als Luft gilt auch für Luftschiffe, die im Grunde stromlinienförmige Ballons sind. Mit einem Unterschied: Während ein Ballon von der herrschenden Windrichtung abhängt, kann ein Luftschiff mit Hilfe von Propellern und Leitwerk gelenkt werden.
1852 steuerte der französische Ingenieur Henri Giffard sein dampfmaschinenbetriebenes Luftschiff schon in jede gewünschte Richtung. Jedoch erst zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts wurden praktisch nutzbare Luftschiffe entwickelt.
Sie stürmten zuerst den Himmel: Ballone. Neben anderen Tüftlern trieben die französischen Brüder Montgolfier um 1780 deren Entwicklung voran. Die Papierfabrikanten und Mitglieder der französischen Akademie der Wissenschaften experimentierten erfolgreich mit "brennbarer Luft".
Basierend auf Erkenntnissen verschiedener Physiker über das "Zustandsverhalten der Luft und anderer Gase" erforschten sie mit aufsteigendem Rauch das Prinzip Leichter als Luft. Ein ordentliches Feuerchen unter einer Hülle aus Leinwand sorgte dafür, dass ihr erster Ballon abhob: sein Gewicht war leichter als das der kalten Umgebungsluft, wodurch der Ballon den nötigen Auftrieb bekam.
Das Prinzip Leichter als Luft gilt auch für Luftschiffe, die im Grunde stromlinienförmige Ballons sind. Mit einem Unterschied: Während ein Ballon von der herrschenden Windrichtung abhängt, kann ein Luftschiff mit Hilfe von Propellern und Leitwerk gelenkt werden.
1852 steuerte der französische Ingenieur Henri Giffard sein dampfmaschinenbetriebenes Luftschiff schon in jede gewünschte Richtung. Jedoch erst zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts wurden praktisch nutzbare Luftschiffe entwickelt.
Infobox
Charles Augustus Lindbergh - wird am 4. Februar 1902 in Detroit als erstes Kind schwedischer Einwanderer geboren.
1918 beendet Lindbergh die High School.
1920 Maschinenbaustudium an der Universität von Wisconsin in Madison. Abbruch nach zwei Jahren.
1922 Wechsel zur Pilotenausbildung bei der Nebraska Aircraft Corporation.
1923 bis 1924 als Kunstflieger im Mittleren Westen, macht Fliegererfahrung mit seinem eigenen Flugzeug, einer Curtiss JN-4 "Jenny".
1924 bis 1925: Tritt dem United States Army Service bei. Er ist Jahrgangsbester.
1925 Postflieger auf der Strecke St. Louis - Chicago.
1927 gibt Lindbergh bei Ryan Airline in San Diego ein einmotoriges Flugzeug in Auftrag: die Spirit of St. Louis.
20./21. Mai 1927 erster Nonstop- und Allein-Flug über den Atlantik. Lindbergh bekommt das Preisgeld von 25.000 Dollar.
1929 Heirat mit Anne Spencer, die als Autorin bekannt wurde. Sie haben gemeinsam sechs Kinder.
1932 Entführung ihres ersten Sohns Charles (geb. 1930). Das Kind wird tot aufgefunden. Der Fall wurde nie eindeutig aufgeklärt.
1954 erhält er den Pulitzer-Preis für seine Autobiographie.
1974: Lindbergh stirbt auf Hawaii an einem Krebsleiden.
1920 Maschinenbaustudium an der Universität von Wisconsin in Madison. Abbruch nach zwei Jahren.
1922 Wechsel zur Pilotenausbildung bei der Nebraska Aircraft Corporation.
1923 bis 1924 als Kunstflieger im Mittleren Westen, macht Fliegererfahrung mit seinem eigenen Flugzeug, einer Curtiss JN-4 "Jenny".
1924 bis 1925: Tritt dem United States Army Service bei. Er ist Jahrgangsbester.
1925 Postflieger auf der Strecke St. Louis - Chicago.
1927 gibt Lindbergh bei Ryan Airline in San Diego ein einmotoriges Flugzeug in Auftrag: die Spirit of St. Louis.
20./21. Mai 1927 erster Nonstop- und Allein-Flug über den Atlantik. Lindbergh bekommt das Preisgeld von 25.000 Dollar.
1929 Heirat mit Anne Spencer, die als Autorin bekannt wurde. Sie haben gemeinsam sechs Kinder.
1932 Entführung ihres ersten Sohns Charles (geb. 1930). Das Kind wird tot aufgefunden. Der Fall wurde nie eindeutig aufgeklärt.
1954 erhält er den Pulitzer-Preis für seine Autobiographie.
1974: Lindbergh stirbt auf Hawaii an einem Krebsleiden.



