Siegertypen
Alles begann mit einer Ungerechtigkeit: Am Anfang stand der Kampf armer Fischer gegen illegale Fischfangflotten. Inzwischen dirigieren mächtige Clan-Netzwerke die Piraterie vor Somalias Küsten.Fröhlich sein und Waffen schwingen: Ein Piratentrupp posiert auf der gekaperten MV Faina. Das ukrainische Schiff hat für den Südjemen bestimmte Panzer an Bord.
(Bild: US Navy)
(Bild: US Navy)
Fahrt im Landcruiser
Dort gibt es Schulen, ein Krankenhaus, die Ruinen einer sowjetischen Radarstation und eines steinernen Forts vom Anfang des vorigen Jahrhunderts. Manche der rund 19.000 Einwohner von Eyl legen den Weg zum Strand, den Lagerhäuser säumen, inzwischen im Landcruiser zurück. Einige sind reich und leben in ansehnlichen Gebäuden. Das hängt mit den schnittigen Booten am Strand zusammen.
Kampf um Macht
Puntland, die Nordostregion am Horn von Afrika, ist Teil von Somalia. Somalia gilt als failed state, als gescheiterter Staat: Diktatur, Krieg, Bürgerkrieg heißen die Meilensteine der jüngeren somalischen Geschichte. Heute kämpfen fünf oder sechs große Clanfamilien um Macht. Der Einfluss der offiziellen Übergangsregierung im südwestsomalischen Baidoa reicht nur unwesentlich über die eigene Türschwelle hinaus. Mogadischu, die Hauptstadt, ist weitgehend zerstört. Denn praktisch alle großen Clanfamilien bestehen aus Unter- und Unterunter-Clans, welche schön regelmäßig miteinander verfeindet sind. In Puntland, also auch in Eyl, haben die Harti-Darod - zu ihnen gehört rund ein Fünftel aller Somalis und die Mehrheit der Einwohner der Region - das Sagen.
November 2008: Piraten halten die Crew des chinesischen Fischtrawlers Tianyu in Schach. (Bild: US Navy)
Auffallend ist, dass die einheitliche Clanbezeichnung Harti-Darod noch vor wenigen Jahren kaum geläufig war. Damals stritten Dolbohanta-, Majerteen- und Warsangeli-Darod im Nordosten um Territorium, lukrative Positionen und Geschäfte. Erst die kürzlich erfolgte Einigung der drei Unterclans brachte Puntland ein gewisses Maß an innerer Sicherheit - und faktische Autonomie. Symbol dieser faktischen Autonomie ist die Provinzhauptstadt Garoowe, knapp 160 Kilometer Luftlinie in westlicher Richtung von Eyl entfernt.
Geschehen ist nichts
In Garoowe residiert "Staats"-Oberhaupt und Regierungschef Abdirahman Mohamed Farole, ein Majerteen-Darod, mit seinen Ministern und einem aus 66 Abgeordneten bestehenden Parlament. Weder Faroles Regierung noch Puntlands Autonomie sind international anerkannt. Bekannt ist Farole jedoch für gute Kontakte zur CIA, deren Agenten er gelegentlich beim Aufspüren islamischer Extremisten unterstützt. Farole, der einen australischen Doktortitel besitzt, hat bei seiner Wahl im Januar 2009 verkündet, mit dem Piratenunwesen, das von Orten wie Eyl ausgeht, aufräumen zu wollen. Geschehen ist seitdem nichts...
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Infobox
Vom Fischer zum Pirat
Es war ein kurzer Schritt von verzweifelter Notwehr zum einträglichen Geschäft: Als Anfang 1991 der Diktator Siad Barre vertrieben wurde, verschwand mit dem Zusammenbruch jeglicher Staatsgewalt auch die Küstenwache aus Somalias Hoheitsgewässern. Schon wenige Wochen später drangen illegal operierende Fischtrawler aus der EU, Russland und Asien in diese Gewässer vor. Spanische Eigner, die ihre Trawler unter Billigflaggen fahren lassen, sollen dabei eine Hauptrolle gespielt haben. Russen und Chinesen folgten.
Bald waren die Bestände an Thunfisch, Hai und Shrimps erheblich vermindert, die Lebensgrundlage der somalischen Küstenfischer gefährdet. Mehr noch: Die Invasoren rammten Boote einheimischer Fischer, beschossen deren Insassen mit Wasserkanonen, kappten ihre Netze und nahmen sogar den Verlust von Menschenleben in Kauf, wie die Londoner Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Environmental Justice Foundation berichtet. Nach Angaben der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO plünderten internationale Schwarzfischer ab 1991 bis zur teilweisen Vertreibung durch die Piraten jährlich Fisch und Krustentiere im Wert von etwa 94 Millionen Dollar.
Im Gegenzug griffen bewaffnete Küstenfischer illegal fischende ausländische Trawler an und erhoben "Lizenzgebühren" für deren Schwarzfischerei. Erst weil das so gut funktioniert habe, hätten sie später eben auch Handelsschiffe gekapert, sagt der kenianische Experte Andrew Mwangura, dessen Seafarers' Assistance Program bei Schiffsentführungen in der Region vermittelt. Illegale Fischerei war also der Auslöser einer Kette von Ereignissen, die zur heute bestehenden Piraterie als einem lukrativen Gewerbe krimineller Clan-Netzwerke führten.
Es war ein kurzer Schritt von verzweifelter Notwehr zum einträglichen Geschäft: Als Anfang 1991 der Diktator Siad Barre vertrieben wurde, verschwand mit dem Zusammenbruch jeglicher Staatsgewalt auch die Küstenwache aus Somalias Hoheitsgewässern. Schon wenige Wochen später drangen illegal operierende Fischtrawler aus der EU, Russland und Asien in diese Gewässer vor. Spanische Eigner, die ihre Trawler unter Billigflaggen fahren lassen, sollen dabei eine Hauptrolle gespielt haben. Russen und Chinesen folgten.
Bald waren die Bestände an Thunfisch, Hai und Shrimps erheblich vermindert, die Lebensgrundlage der somalischen Küstenfischer gefährdet. Mehr noch: Die Invasoren rammten Boote einheimischer Fischer, beschossen deren Insassen mit Wasserkanonen, kappten ihre Netze und nahmen sogar den Verlust von Menschenleben in Kauf, wie die Londoner Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Environmental Justice Foundation berichtet. Nach Angaben der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO plünderten internationale Schwarzfischer ab 1991 bis zur teilweisen Vertreibung durch die Piraten jährlich Fisch und Krustentiere im Wert von etwa 94 Millionen Dollar.
Im Gegenzug griffen bewaffnete Küstenfischer illegal fischende ausländische Trawler an und erhoben "Lizenzgebühren" für deren Schwarzfischerei. Erst weil das so gut funktioniert habe, hätten sie später eben auch Handelsschiffe gekapert, sagt der kenianische Experte Andrew Mwangura, dessen Seafarers' Assistance Program bei Schiffsentführungen in der Region vermittelt. Illegale Fischerei war also der Auslöser einer Kette von Ereignissen, die zur heute bestehenden Piraterie als einem lukrativen Gewerbe krimineller Clan-Netzwerke führten.




