Die ehemalige innerdeutsche Grenze: Vom Menschen fast ungestört, blieben hier viele wertvolle Biotope erhalten. (Bild: Klaus Leidorf)
Grüne Grenze
Als im Jahr 1989 die Mauer fiel, ahnte so mancher, dass an der innerdeutschen Grenze, hinter Stacheldraht und Sperrgräben, ein Schatz verborgen liegt. Nicht Gold, nein, auch keine Edelsteine, sondern - Wildnis. Im Schatten des einstigen "Todesstreifens" konnten Tiere und Pflanzen mehrere Jahrzehnte lang fast ungestört gedeihen, hatten bedrohte Arten wie Bekassine, Bachmuschel und Sumpf-Bärlapp ein Refugium gefunden.Idee Grünes Band
Um die naturnahen Gebiete entlang der ehemaligen Grenze zu erhalten, riefen Naturschützer bereits 1990 die Initiative Grünes Band ins Leben. Frühe Befürworter der Idee waren das Land Thüringen, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer. Mitte der 1990er Jahre erstellte man erste Pflege- und Nutzungskonzepte, Thüringen entwarf 1998 ein Leitbild und gründete regionale Arbeitsgruppen. Noch war der ehemalige Grenzstreifen allerdings größtenteils im Besitz des Bundes - und dessen Plan lautete, die Grundstücke an ihre ehemaligen Besitzer zurück zu verkaufen oder auf dem freien Markt anzubieten. Es hieß also, Argumente zu sammeln für den Naturschutz.
Eine Perlenkette
2001 zogen Kartierer los und nahmen das 1.393 Kilometer lange Band zwischen Ostsee und Vogtland genauer unter die Lupe. Dank der Bestandsaufnahme ist die Besonderheit des ehemaligen Grenzstreifens heute amtlich: Wie Perlen an einer Kette reihen sich Lebensräume aneinander; mehr als hundert verschiedene Typen zählten die Forscher, die Hälfte davon steht auf der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen. Sechshundert gefährdete Tier- und Pflanzenarten nennen das Grüne Band ihr Zuhause: im einstigen Todesstreifen tummeln sich seltene Vögel, Insekten und empfindliche Pflanzenarten.
Verkaufen oder verschenken?
Um über die Zukunft dieses einmaligen Biotopverbundes und Lebensraums zu entscheiden, kamen Bund und Länder erstmals 2003 zu Gesprächen zusammen. Sachsen und das Bundesfinanzministerium plädierten für den geplanten Verkauf der Flächen, denn der Erlös sollte den neuen Bundesländern zugute kommen. Leider interessieren sich private Landbesitzer nicht in erster Linie für den Naturschutz - Thüringen und das Bundesumweltministerium sprachen sich darum für eine kostenlose Übergabe der Gebiete an die Länder aus, um den Schutz der Biotope zu sichern...
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Die Schaalsee-Landschaft
Quer durch den Schaalsee, der teils in Mecklenburg-Vorpommern, teils in Schleswig-Holstein liegt, verlief einst die innerdeutsche Grenze. Über Jahrzehnte fast unberührt, sind der See und die umgebenden Landschaften naturnah erhalten geblieben. Am Seeufer haben sich Schilfröhrichte und Bruchwälder breit gemacht; im Hinterland wechseln sich Wälder mit Mooren, Grünlandniederungen und Weidelandschaften ab.
In dem Labyrinth aus größeren und kleineren Seen fühlen sich viele Wasservögel wohl, darunter Kraniche und Fischadler. Im Frühjahr und im Herbst lassen sich außerdem tausende Saat- und Graugänse auf dem Zug beobachten. Auch der bedrohte Fischotter ist am Schaalsee zu Hause. Im klaren Wasser jagt er Fische, an den Böschungen baut er seine Unterschlupfe. Weiter weg vom Ufer, auf den Feuchtwiesen sowie im Moor, wachsen seltene Pflanzen wie das Sumpf-Glanzkraut. Diese Orchideenart ist gelbgrün gefärbt und wird nicht größer als zwanzig Zentimeter.
Europaweit gehen die Bestände von Sumpf-Glanzkraut und anderen Moor- und Feuchtrasenpflanzen zurück. Ihre Lebensräume werden entwässert und aufgeforstet oder anderweitig kultiviert. Damit das am Schaalsee nicht passiert, fördert das Bundesumweltministerium das Gebiet seit 1992 als Naturschutzgroßprojekt: Im Rahmen des Projektes werden Hoch- und Niedermoore wiedervernässt, Fließgewässer renaturiert, Äcker in Grünland umgewandelt, Tümpel wiederhergestellt. Große Teile des Kerngebiets sind zudem als Natur- und Vogelschutzgebiete ausgewiesen.
Quer durch den Schaalsee, der teils in Mecklenburg-Vorpommern, teils in Schleswig-Holstein liegt, verlief einst die innerdeutsche Grenze. Über Jahrzehnte fast unberührt, sind der See und die umgebenden Landschaften naturnah erhalten geblieben. Am Seeufer haben sich Schilfröhrichte und Bruchwälder breit gemacht; im Hinterland wechseln sich Wälder mit Mooren, Grünlandniederungen und Weidelandschaften ab.
In dem Labyrinth aus größeren und kleineren Seen fühlen sich viele Wasservögel wohl, darunter Kraniche und Fischadler. Im Frühjahr und im Herbst lassen sich außerdem tausende Saat- und Graugänse auf dem Zug beobachten. Auch der bedrohte Fischotter ist am Schaalsee zu Hause. Im klaren Wasser jagt er Fische, an den Böschungen baut er seine Unterschlupfe. Weiter weg vom Ufer, auf den Feuchtwiesen sowie im Moor, wachsen seltene Pflanzen wie das Sumpf-Glanzkraut. Diese Orchideenart ist gelbgrün gefärbt und wird nicht größer als zwanzig Zentimeter.
Europaweit gehen die Bestände von Sumpf-Glanzkraut und anderen Moor- und Feuchtrasenpflanzen zurück. Ihre Lebensräume werden entwässert und aufgeforstet oder anderweitig kultiviert. Damit das am Schaalsee nicht passiert, fördert das Bundesumweltministerium das Gebiet seit 1992 als Naturschutzgroßprojekt: Im Rahmen des Projektes werden Hoch- und Niedermoore wiedervernässt, Fließgewässer renaturiert, Äcker in Grünland umgewandelt, Tümpel wiederhergestellt. Große Teile des Kerngebiets sind zudem als Natur- und Vogelschutzgebiete ausgewiesen.



