Privilegien und Profite
Diamant, Hämatit, Amethyst, Opal und Rubin: Durch hohen Druck und enorme Hitze sind diese edlen Steine im Erdinnern entstanden. Der Diamantenabbau lohnt sich sogar in Regionen wie Sibirien.Nach Diamantenfunden in den 1950ern wurden in der sibirischen Taiga mehrere Städte gegründet - Udatschny 1968.
Riskanter Ehrgeiz
Die Sprengung war Teil der Operation Kristall, einem Musterbeispiel sowjetischen Gigantismus: Mit modernster Nukleartechnologie und geringem Arbeitsaufwand sollte zweieinhalb Kilometer vor Udatschny ein riesiges Staubecken für Abwässer aus der Gesteinswäschefabrik entstehen. Bagger und Bohrer der örtlichen Diamantenmine förderten mittlerweile so große Mengen Kimberlit aus dem Tagebau, dass die bisherigen Auffangbecken nicht mehr genügten.
Strahlende Sprengung
Doch der nukleare Startschuss für Kristall war ein Fehlschlag: Entgegen aller Berechnungen trat am Detonationsort radioaktive Strahlung aus. Alle sieben Folgesprengungen wurden abgesagt. Eigentlich hätten die Bewohner von Udatschny froh sein können, weiteren Erdstößen zu entgehen, doch ohne das neue Staubecken litt die Rentabilität des Diamantenabbaus und damit die Entwicklung der ganzen Stadt.
Fünfhundert Meter tief und zwei Kilometer im Durchmesser: Der Tagebau von Udatschny. (Bild: Stepanov Alexander; Lizenz: Creative Commons)
Wie Mirny, Ajchal und Lensk verdankt auch Udatschny seine Gründung renommierten Mineralogen, die Mitte der Fünfziger Jahre in Nordsibirien nach Bodenschätzen suchten und auf dem Gebiet der späteren Städte Diamanten entdeckten. Für die sowjetische Führung waren diese Funde eine angenehme Überraschung. Zwar wusste man seit 1826 von vereinzelten Vorkommen in anderen Teilen des Landes, doch im Vergleich dazu sollte sich der Abbau im nordsibirischen Jakutien lohnen und auf dem Weltmarkt Devisen einbringen.
Beschluss von ganz oben
Das Ministerium für Nichteisenmetallurgie reagierte umgehend mit dem Beschluss zum Aufbau einer Diamantenindustrie. Auf dem Papier dürfte sich das Vorhaben von 1957 kaum von früheren staatlichen Großprojekten unterschieden haben. Wie bei der Polarkreis-Eisenbahn oder dem Weißmeer-Ostsee-Kanal wurden in kurzer Zeit viele Arbeitskräfte benötigt. Unter Stalin griffen die Behörden deshalb gerne auf Sträflinge aus den Gulags zurück. Doch das politische Klima hatte sich gewandelt. Seit dem Tod des Diktators 1953 waren die "Besserungsarbeitslager" in Verruf geraten. Für den Bau der Diamantenstädte delegierte man Ingenieure, Bauarbeiter und Komsomolzen - also Mitglieder der kommunistischen Jugendorganisation - nach Nordsibirien.
Nicht nur von Luft und Liebe
Was brachte die jungen Männer und Frauen dazu, sich in der abgeschiedenen Wildnis anzusiedeln? Ihr sozialistischer Enthusiasmus? Die Begeisterung für das staatliche Großprojekt? Oder lockten auch die hohen Löhne und Privilegien, die den so genannten "Nördlern" in Aussicht standen? Aus ihren einfachen Holzbaracken und Zelten zogen sie jedenfalls schon bald in Plattenbauwohnungen um. Die Massivbauten waren im Winter gut geheizt und standen auf Betonpfeilern, damit sie im Sommer nicht im aufgeweichten Boden versanken - von solchen Behausungen konnten frühere Einwanderer nur träumen...
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Infobox
Kimberlit - Vorkommen und Abbau
Der Stoff, aus dem die funkelnden Steine stammen, heißt Kimberlit. Das Gestein ist vulkanischen Ursprungs, meist blaugrün bis schwarz, und reich an Bruchstücken von Fremdgestein. Da es unter besonderen tektonischen Bedingungen entsteht, kommt es hauptsächlich in Afrika, Australien, Indien, Brasilien und Sibirien vor.
Kimberlit tritt säulenartig, also in Form eines Gesteinsschlotes an die Oberfläche. Zur Förderung eignen sich daher Tagebaugruben, die allerdings fast senkrecht vorangetrieben werden müssen. Die gewonnenen Kimberlitbrocken landen auf riesigen Lkw, die sie zu Fabriken bringen, in denen das Gestein zermahlen und ausgewaschen wird. Nach unzähligen Arbeitsgängen kommen die Diamanten zum Vorschein.
Der Stoff, aus dem die funkelnden Steine stammen, heißt Kimberlit. Das Gestein ist vulkanischen Ursprungs, meist blaugrün bis schwarz, und reich an Bruchstücken von Fremdgestein. Da es unter besonderen tektonischen Bedingungen entsteht, kommt es hauptsächlich in Afrika, Australien, Indien, Brasilien und Sibirien vor.
Kimberlit tritt säulenartig, also in Form eines Gesteinsschlotes an die Oberfläche. Zur Förderung eignen sich daher Tagebaugruben, die allerdings fast senkrecht vorangetrieben werden müssen. Die gewonnenen Kimberlitbrocken landen auf riesigen Lkw, die sie zu Fabriken bringen, in denen das Gestein zermahlen und ausgewaschen wird. Nach unzähligen Arbeitsgängen kommen die Diamanten zum Vorschein.




