Der gefallene Engel
"Weil dein Herz sich überhoben hat und du gesagt hast: `Ein Gott bin ich, auf einem Gottessitze will ich thronen`, werde ich dich hinabstürzen." So sprach Gott zu Luzifer. Nachlesen können wir es im Alten Testament. Der gefallene Engel wird in die Hölle hinab gestoßen. Doch, wer ist dieser Luzifer und hat er sich wirklich gegen Gott gestellt? Wenn ja, warum hat der ihn nur verbannt, warum nicht das Böse ein für allemal ausgemerzt?Einst strahlender Held
Luzifer, Leuchtentrager, Morgenstern, Satan, Mephisto, Belzebub - der Teufel hat viele Namen. Er war kein "Mörder von Anfang an", wie das Evangelium des Johannes behauptet. Seine Geschichte hat, wie apokryphische Quellen uns nahelegen, Sprünge: Als erster Engel soll er von Gott geschaffen worden sein, und - er soll ihm am nächsten gestanden haben.
Rebellion gegen Gott
Dann kam der Fall: Einst, so berichten die Apokryphen, habe der schönste und edelste aller Engel eine Rebellion gegen Gott angefacht. Krieg sei darauf im Himmel ausgebrochen. Ein Drittel aller Engel wählte die Seite des Aufrührers. Der Rest kämpfte unter Führung des Erzengels Michael - und gewann die Schlacht.
Stolz, Anmaßung, Korruption
Wie konnte Luzifer, strahlendster Held der Himmlischen Heerscharen, so tief fallen, zum düsteren Gesellen werden, der die Seelen der Menschen in ewige Verdammnis reißt? Viel Beiwerk rankt sich um den Sturz: Stolz, Anmaßung, Lüsternheit und Korruption sollen im Spiel gewesen sein. Wie auf Erden, so auch im Himmel. Luzifer habe sich über Gott erheben wollen, sei zornig gewesen über die Erschaffung des Menschen, und hätte sich nicht vor der Schöpfung verneigt.
Die wahre Geschichte?
Doch Indizien sprechen für eine andere, vielleicht die wahre Geschichte: Es könnte sein, dass Luzifer von Gott, der mit ihm nie wirklich im Streit gelegen hat, als Prüfer für die Menschen auserkoren ist. In höherem Auftrag soll er sie in Versuchung führen und vom rechten Weg abbringen. Denn nur wenn sie die Wahl zwischen Gut und Böse haben, können sich Menschen ja bewusst für das Gute entscheiden. Ein Beispiel ist der von Unglück und Leid verfolgte Hiob des Alten Testaments, der dennoch unbeirrbar auf den Herrn vertraut.
Mephisto erscheint dem gelehrten Doktor Faust im Arbeitszimmer. (Gemälde von Eugène Delacroix, 1827)
Motiv Goethes
Goethe greift in seinem Faust dieses Motiv auf. Gott gewährt Mephisto freie Hand, Faust wie jeden Menschen zu verführen und ihn in die Hölle zu reißen. Ja, sie schließen sogar eine Wette ab, und der Teufel zeigt sich siegessicher: "Schon gut! nur dauert es nicht lange. Mir ist für meine Wette gar nicht bange."
Ewiger Gegenspieler Gottes
Heute ist Luzifer nur noch als ewiger Gegenspieler des Herrn bekannt. Mittelalterlicher Volksglaube zeichnete ein detailliertes Bild: Satan trägt Hörner, Schwanz und Pferdefuß, bevorzugt rote und schwarze Kleidung, riecht nach Schwefel, symbolisiert das Böse und die Verführung. Mit dem Dreizack piekst er die Menschen auf der Himmelsleiter in den Allerwertesten, und versucht, bereits zu deren Lebzeiten, sich ihre Seelen zu erschleichen.
Schlechter Tausch
Das Höllenfeuer erwartet solche armen Kreaturen dann, mit schrecklichen Qualen, die Dante Alighieri, der italienische Dichter, in der Göttlichen Komödie beschrieb. Dennoch, immer wieder fallen Menschen auf Satan herein, freuen sich erst über Geld und Eroberungen, bis sie merken, dass der Tausch schlecht war und Reue zeigen - zumindest in Literatur, Film und Fernsehen. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit blieb für Reue kein Platz. Der Teufelsglaube jener Zeit galt als Motiv der Hexen-Verfolgung.
Warum lässt Gott das zu?
Ob nun brutal aus dem Himmel gestürzt oder Gesandter Gottes - ein Problem, das Luzifer betrifft, stellt sich seit Menschengedenken: Warum lässt Gott das Böse zu? Voller Skepsis fragte der schottische Philosoph David Hume: "Will Gott Böses verhindern und kann es nicht? Kann er es und will es nicht? Dann ist er nicht gütig. Er kann es und will es? Wie ist dann das Böse möglich?"
Susanne Fetter (19.11.2004)
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Infobox
Informationen über den Fall Luzifers sind kaum in der Bibel zu finden. Detaillierte Aussagen lassen sich in den Apokryphen nachlesen, hier vor allem im äthiopischen Buch Henoch. Bei den Apokryphen (Griechisch: biblioi apokryphoi, "verborgene Bücher"), handelt es sich um religiöse Schriften, die nicht Bestandteil der Standardbibeln sind. Die katholische Kirche bezeichnet die Texte als Deuterokanonische Schriften, während die evangelische den Begriff Apokryphen verwendet. Es gibt sie sowohl für das Alte, wie auch für das Neue Testament. Entstanden sind sie zwischen dem zweiten Jahrhundert vor und dem ersten Jahrhundert nach Christus. Die Apokryphen wurden auf dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) von der katholischen Kirche als zur Heiligen Schrift zugehörig erklärt. Seitdem finden sie sich in einigen katholischen Bibelausgaben, in protestantischen jedoch nicht.



