Die enorm gesteigerte Nachfrage nach Uhren für den privaten Gebrauch, ob im Haus aufzustellen oder am Körper zu tragen, und die damit verbundene Spezialisierung machten sie zu Meistern ihres Handwerks.
Wahre Künstler, wie der bedeutende Nürnberger Peter Henlein (um 1485 bis 1542), der 1509 Meister bei den Nürnberger Schlossern ist, sorgen für die Berühmtheit des Uhrmacherhandwerks. Neben Nürnberg wird auch Augsburg im 15. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum für die Herstellung feinmechanischer Instrumente.
Um Zeit im Sinne der Frömmigkeit sinnvoll zu nutzen, legten die Gläubigen zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in Kirchenordnungen exakte Zeiten für Gottesdienste, Schulstunden, Hochzeiten und Beerdigungen fest.
Die Kirche regelt die Zeit
Immer häufiger wurden selbst die Öffnungszeiten der Wirtshäuser reglementiert. Protestantische Reformatoren - wie Luther, Calvin oder Zwingli - waren oft die Initiatoren dieser Vorschriften. Doch fanden sie mit geringer Verzögerung auch Eingang in den Alltag der Katholiken.
Es war der puritanische Reformator Johann Calvin (1509 bis 1564), der äußere Ordnung als dem Gemeinwohl besonders zuträglich befand. Als religiöser Diktator der Stadt Genf befristete er Werktagsmessen auf eine Stunde - die Bürger sollten arbeiten, bester Beweis für ihr Seelenheil. Zudem wollte Calvin die Forderung nach Schlichtheit im Kirchenhaus - daher kommt das Wort Puritanismus - auch an Genfs Bürgern durchgesetzt sehen.
Schlichtheit...
So hielt er jene an, sich einfach zu kleiden, "ohne alles läppisches Gepränge und Haschen nach menschlichen Ruhm". Schwer fiel es den Genfern, sich mit dem Diktat Calvins abzufinden, ganz ohne Schmuck wollten die Bürger nicht sein. Politisch korrekt kauften sie Uhren, die von den Uhrmachern, deren Auftragslage sich sprunghaft verbesserte, höchst schmuckvoll gestaltet wurden. Das Genfer Uhrmacherhandwerk genießt bis in die Gegenwart großes Ansehen.
...und Pünktlichkeit
Die Befristung der Gottesdienste diente in erster Linie didaktischen Zwecken: Schon Martin Luther forderte einfache, verständliche Predigten, und empfahl eine Stunde als vernünftiges Maß. Ein Maximum an Aufmerksamkeit und Teilnahme der Gläubigen schien so gewährleistet. Vor allem wollte man die Besucher nicht von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten. Jetzt stand auf der Kanzel die Sanduhr. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nutzte man Sanduhren, zum Messen kleinerer Zeiträume, und mechanische Uhren übrigens häufig nebeneinander. Wie aber entstand es überhaupt, das Bedürfnis zum Messen selbst von Minuten und Sekunden?
3, 4, 60 Teile
Die Stunde wurde anfangs halbiert, gedrittelt oder geviertelt, eventuell auch gezwölftelt, nicht jedoch durch 60 geteilt oder als Frist von 60 Minuten verstanden. Zur Innovation des Minuten- oder gar Sekundenzeigers kam es nicht vor dem Ende des 16. Jahrhunderts. Erst im 19. Jahrhundert sind Minuten anzeigende Uhren wirklich verbreitet. Sanduhren wurden damit überflüssig. Als Eieruhren blieben sie uns erhalten. Die mechanische Uhr, als Instrument der Messung sogar kleinster Zeiträume, ist uns, anders als den Land- oder Stadtbewohnern vergangener Tage, selbstverständlich geworden.
Ökonomisch und rationell
Das hat viel mit der Industrialisierung zu tun: Der Maschinentakt, damit natürlich auch die Bewegungen derjenigen, die Maschinen bedienten, ließen sich am besten in Sekunden und Minuten beschreiben. Als Folge entstand eine neue Zeit-Ethik, die der deutsche Soziologe Max Weber (1864 bis 1920) in der Tradition der überlieferten calvinistischen Frömmigkeit sah: Ökonomischer, rationeller Zeiteinsatz und Zeitdisziplin entsprachen dem "Geist des Kapitalismus". Unwiderruflich bestimmte von da an das Diktat der Zeit unser Leben: Carpe diem! Nutze den Tag!
B. Ruhland (aktualisiert 12.04.2011)
Wahre Künstler, wie der bedeutende Nürnberger Peter Henlein (um 1485 bis 1542), der 1509 Meister bei den Nürnberger Schlossern ist, sorgen für die Berühmtheit des Uhrmacherhandwerks. Neben Nürnberg wird auch Augsburg im 15. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum für die Herstellung feinmechanischer Instrumente.
Um Zeit im Sinne der Frömmigkeit sinnvoll zu nutzen, legten die Gläubigen zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in Kirchenordnungen exakte Zeiten für Gottesdienste, Schulstunden, Hochzeiten und Beerdigungen fest.
Die Kirche regelt die Zeit
Immer häufiger wurden selbst die Öffnungszeiten der Wirtshäuser reglementiert. Protestantische Reformatoren - wie Luther, Calvin oder Zwingli - waren oft die Initiatoren dieser Vorschriften. Doch fanden sie mit geringer Verzögerung auch Eingang in den Alltag der Katholiken.
Es war der puritanische Reformator Johann Calvin (1509 bis 1564), der äußere Ordnung als dem Gemeinwohl besonders zuträglich befand. Als religiöser Diktator der Stadt Genf befristete er Werktagsmessen auf eine Stunde - die Bürger sollten arbeiten, bester Beweis für ihr Seelenheil. Zudem wollte Calvin die Forderung nach Schlichtheit im Kirchenhaus - daher kommt das Wort Puritanismus - auch an Genfs Bürgern durchgesetzt sehen.
Laut dem Schweizer Reformator Johann Calvin fördert Arbeit das Seelenheil.
So hielt er jene an, sich einfach zu kleiden, "ohne alles läppisches Gepränge und Haschen nach menschlichen Ruhm". Schwer fiel es den Genfern, sich mit dem Diktat Calvins abzufinden, ganz ohne Schmuck wollten die Bürger nicht sein. Politisch korrekt kauften sie Uhren, die von den Uhrmachern, deren Auftragslage sich sprunghaft verbesserte, höchst schmuckvoll gestaltet wurden. Das Genfer Uhrmacherhandwerk genießt bis in die Gegenwart großes Ansehen.
...und Pünktlichkeit
Die Befristung der Gottesdienste diente in erster Linie didaktischen Zwecken: Schon Martin Luther forderte einfache, verständliche Predigten, und empfahl eine Stunde als vernünftiges Maß. Ein Maximum an Aufmerksamkeit und Teilnahme der Gläubigen schien so gewährleistet. Vor allem wollte man die Besucher nicht von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten. Jetzt stand auf der Kanzel die Sanduhr. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nutzte man Sanduhren, zum Messen kleinerer Zeiträume, und mechanische Uhren übrigens häufig nebeneinander. Wie aber entstand es überhaupt, das Bedürfnis zum Messen selbst von Minuten und Sekunden?
3, 4, 60 Teile
Die Stunde wurde anfangs halbiert, gedrittelt oder geviertelt, eventuell auch gezwölftelt, nicht jedoch durch 60 geteilt oder als Frist von 60 Minuten verstanden. Zur Innovation des Minuten- oder gar Sekundenzeigers kam es nicht vor dem Ende des 16. Jahrhunderts. Erst im 19. Jahrhundert sind Minuten anzeigende Uhren wirklich verbreitet. Sanduhren wurden damit überflüssig. Als Eieruhren blieben sie uns erhalten. Die mechanische Uhr, als Instrument der Messung sogar kleinster Zeiträume, ist uns, anders als den Land- oder Stadtbewohnern vergangener Tage, selbstverständlich geworden.
Carpe diem! Nutze den Tag! Die Uhr diktiert das Leben in der Moderne.
Das hat viel mit der Industrialisierung zu tun: Der Maschinentakt, damit natürlich auch die Bewegungen derjenigen, die Maschinen bedienten, ließen sich am besten in Sekunden und Minuten beschreiben. Als Folge entstand eine neue Zeit-Ethik, die der deutsche Soziologe Max Weber (1864 bis 1920) in der Tradition der überlieferten calvinistischen Frömmigkeit sah: Ökonomischer, rationeller Zeiteinsatz und Zeitdisziplin entsprachen dem "Geist des Kapitalismus". Unwiderruflich bestimmte von da an das Diktat der Zeit unser Leben: Carpe diem! Nutze den Tag!
B. Ruhland (aktualisiert 12.04.2011)
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Die Weltzeit
Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Europa Unmengen verschiedener Ortszeiten. Das bewirkte Zeitverschiebungen von einer bis zu mehreren Minuten zwischen nur wenige Dutzend Kilometer voneinander entfernten Orten.
Katastrophal wirkte sich das auf die Eisenbahnfahrpläne aus. Jeder Zug nahm seine Ortszeit mit auf die Reise, so dass es auf den Bahnhöfen von verschiedenen Zeiten nur so wimmelte.
Aus diesem Grund führte man 1884 für die ganze Welt eine gemeinsame Zeitorientierung ein und einigte sich auf die Greenwich-Zeit (GMT = Greenwich Mean Time). Zwölf Uhr mittags ist es prinzipiell dann - wenn es in Greenwich zwölf Uhr mittags ist. Der Ort ist ein Stadtteil von London und liegt auf dem so genannten Nullmeridian. Folglich ist der Meridian von Greenwich Bezugsmeridian der Weltzeit.
Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Europa Unmengen verschiedener Ortszeiten. Das bewirkte Zeitverschiebungen von einer bis zu mehreren Minuten zwischen nur wenige Dutzend Kilometer voneinander entfernten Orten.
Katastrophal wirkte sich das auf die Eisenbahnfahrpläne aus. Jeder Zug nahm seine Ortszeit mit auf die Reise, so dass es auf den Bahnhöfen von verschiedenen Zeiten nur so wimmelte.
Aus diesem Grund führte man 1884 für die ganze Welt eine gemeinsame Zeitorientierung ein und einigte sich auf die Greenwich-Zeit (GMT = Greenwich Mean Time). Zwölf Uhr mittags ist es prinzipiell dann - wenn es in Greenwich zwölf Uhr mittags ist. Der Ort ist ein Stadtteil von London und liegt auf dem so genannten Nullmeridian. Folglich ist der Meridian von Greenwich Bezugsmeridian der Weltzeit.




