Die längste Nacht
Tausende Luftminen und Bomben zerstörten in der Nacht des 13. Februar 1945 einen Großteil von Dresden. Dass das nur der Beginn der Angriffe war, erfuhr unsere Autorin im Gespräch mit der Augenzeugin Ilse Schmidt.Todesbote: mit 311 B-17 Bombern flogen die Alliierten am 14. Februar 1945 die dritte Angriffswelle über Dresden.
Eine Ausnahme ist Dresden, das Anfang 1945 nahezu unbeschädigt ist. Dass dies so bleiben wird, darauf hoffen die rund 630.000 Einwohner und unzähligen Flüchtlinge. Man vertraut auf die kulturliebenden US-Amerikaner und Engländer, die die Schönheit Dresdens schon zu würdigen wissen werden.
"Kriegswichtige" Arbeit
In Klotzsche, einem Vorort von Dresden, lebt Ilse Schmidt. Die 21-Jährige absolviert ein Pflichtjahr als Kindermädchen, um dem Reichsarbeitsdienst zu entgehen, schließlich gilt auch das als "kriegswichtige" Arbeit. Vier Kinder im Alter zwischen ein und sechs Jahren muss sie betreuen - der "Gastvater", ein Oberstudienrat, ist im Krieg und nur selten zuhause. Die Familie wohnt vis-à-vis zur Luftkriegsschule und zur Napola, einer jener Eliteschulen, deren Zöglinge zur neuen Führergeneration "herangezüchtet" werden. Ganz in der Nähe liegt der Flughafen. Klotzsche ist also ein lohnendes Ziel für alliierte Bomber.
Zwischen Routine und Angst
Fast täglich gibt es Fliegeralarm. "Im Radio hieß es zwar, angeblich werde nur Berlin bombardiert, trotzdem lief es mir immer eiskalt den Rücken runter, wenn die Sirene losheulte", erinnert sich die inzwischen 84-Jährige Ilse Schmidt. Vorsichtsmaßnahmen werden zur Routine: "Jeder von uns hatte eine Tasche mit Name, Adresse, etwas Essen und Trinken, Kleidung, die Kinder noch ein Spielzeug, griffbereit." Die Angst, von einer Bombe getroffen zu werden, können solche Vorkehrungen Ilse Schmidt allerdings nicht nehmen.
Keller statt Luftschutzbunker
Auch am 13. Februar gibt es wieder Alarm. Gegen 22 Uhr heult die Sirene. Mit zwei Kindern auf dem Arm läuft Ilse Schmidt zum Bunker, der etwa fünfzig Menschen fasst. "Ein richtiger Bunker war das eigentlich gar nicht", erzählt sie, "sondern nur ein notdürftig ausgebauter Erdhügel mit ein paar Bänken darin." Ähnlich ist die Situation in ganz Dresden: Luftschutzbunker sind rar gesät - in Kellern müssen die Bewohner Zuflucht suchen, denn jahrelang wurde der Schutz der Zivilbevölkerung zugunsten der Kriegswirtschaft vernachlässigt.
Wie ein Schaukelboot
Dass Dresden in dieser Nacht nicht verschont bleiben wird, das ahnen alle hier: Als Ilse Schmidt zusammen mit anderen Bewohnern Klotzsches den Bunker betritt, hängt der Himmel bereits voller Christbäume - Leuchtmarkierungen zur Orientierung für die Bombengeschwader. "Im Bunker herrschte eine Totenstille. Wir hörten, wie die Bomben fielen. Jeder lauschte angestrengt, ob die Einschläge näher kamen. Sie kamen näher - Putz ist dann von den Wänden gerieselt und der Boden hat wie ein Schaukelboot geschwankt." ...
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Dresden im Feuersturm
Die Angriffe auf Dresden folgten einer ganz bestimmten Methodik: zuerst zerstörten Luftminen und Sprengbomben Dächer und Fenster, damit Brandbomben eine größere Wirkung entfalten konnten. In dem allgemeinen Chaos blieben Löschaktionen nutzlos, sodass sich die Einzelfeuer zu einem orkanartigen Feuersturm vereinen konnten.
Bei solch einem Feuersturm steigt durch die starke Hitzeentwicklung heiße Luft über dem Brandherd empor, während der entstehende Sog Frischluft nachzieht. Dieser Kamineffekt facht das Feuer immer weiter an. Sturmähnliche Windstärken sind die Folge, die selbst normales Laufen unmöglich machen und eine Flucht aus dem Brandkessel erschweren.
Die Angriffe auf Dresden folgten einer ganz bestimmten Methodik: zuerst zerstörten Luftminen und Sprengbomben Dächer und Fenster, damit Brandbomben eine größere Wirkung entfalten konnten. In dem allgemeinen Chaos blieben Löschaktionen nutzlos, sodass sich die Einzelfeuer zu einem orkanartigen Feuersturm vereinen konnten.
Bei solch einem Feuersturm steigt durch die starke Hitzeentwicklung heiße Luft über dem Brandherd empor, während der entstehende Sog Frischluft nachzieht. Dieser Kamineffekt facht das Feuer immer weiter an. Sturmähnliche Windstärken sind die Folge, die selbst normales Laufen unmöglich machen und eine Flucht aus dem Brandkessel erschweren.




