Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurden erstmals Glocken in größerem Umfang zu Kanonen umgeschmolzen.
"Königin aller Glocken"
Mit Wou van Kampen gelang es der Stadt, Europas damals bedeutendsten Glocken- und Geschützgießer zu gewinnen. Er entwarf und fertigte vollkommene Geläute, unter anderem für die Dome in Braunschweig, in Naumburg und in Utrecht. Seine Technik und das Können, den Klang jeder Glocke schon im Voraus präzise zu berechnen, sind bis in unsere Tage unerreicht. So überstand die Gloriosa nicht nur die Jahrhunderte, sondern diente lange auch als Vorbild; man nannte sie sogar die "Königin aller Glocken".
Eine Woche zum Auskühlen
Nun ist die Königin wieder an ihrem angestammten Platz. Während der Reparatur im Sommer 2004 in Nördlingen war ein zweiter, etwa vierzig Zentimeter langer Riss entdeckt worden, der ebenfalls geschweißt werden konnte. Dafür wurde ein Ofen um die Glocke gebaut, um sie vor dem Schweißen auf eine Temperatur um 500 Grad Celsius zu erhitzen. Glockenschweißer sägten die Risse heraus und füllten sie mit Bronze auf. Rund eine Woche benötigte die Gloriosa allein zum Auskühlen.
Auf den Zentimeter genau
Nach der gründlichen Prüfung der Glocke durch einen Sachverständigen stand "nur" noch der Wiedereinbau auf dem Programm - technisch anspruchsvoller als der Transfer ins Freie. Ein Kran musste die Gloriosa auf den Zentimeter genau auf den Schlitten setzen, der das Geläut durch die ausgesägte Öffnung wieder in den Turm beförderte. Unter dem göttlichen Vorzeichen strahlenden Sonnenscheins war es am 9. September 2004 endlich geschafft.
Relative Ruhe
Nun ist erst mal Schonzeit; zu starke Beanspruchung sei für die Schäden der letzten Jahre verantwortlich, meinen Experten. Tatsächlich wurde die Glocke in den letzten hundert Jahren viel häufiger geläutet als je zuvor. Also gibt es ab dem Jahr 2005 eine neue Läuteordnung: Waren es bisher 17 Anlässe, zu denen das tiefe E über der Domstadt erklang, wird die Gloriosa nur noch an acht kirchlich bedeutsamen Tagen zu hören sein, zum Beispiel an Ostern, an Pfingsten und an Weihnachten. Nun, gönnen wir der alten Dame die relative Ruhe - soll sie doch auch folgende Generationen mit ihrem einzigartigen, warmen Klang berühren.
Ulrike Wolf (01.12.2004)
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Infobox
Befreit von Kern und Mantel
Fest gemauert in der Erden / Steht die Form, aus Lehm gebrannt. / Heute muß die Glocke werden. / Frisch Gesellen, seid zur Hand. Friedrich Schiller bezieht sich im Lied von der Glocke in 29 langen Strophen auf die schwierige Arbeit beim Glockengießen. Die hat sich bis heute kaum geändert: Noch immer werden Glocken in Deutschland so gegossen wie zu Schillers Zeiten.
Und noch immer machen Glockengießer ein Geheimnis um ihre traditionsreiche Kunst. So viel ist aber bekannt: Die tonnenschweren Glocken bestehen meist aus Bronze, einer Legierung aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn. Das Wachsausschmelzverfahren ist die älteste Herstellungsmethode. Im 12. Jahrhundert wurde es vom Mantelabhebverfahren abgelöst, das eine genaue Klangberechnung ermöglicht. Die Glockenform besteht aus dem Kern, der falschen Glocke und dem Mantel.
Das Lehmmodell wird nach einer vom Glockengießer entworfenen Schablone gefertigt, die dem inneren und äußeren Profil der künftigen Glocke entspricht. Die falsche Glocke, die den Hohlraum für den Guss ausfüllt, wird nach dem Hochziehen des Mantels vom Kern abgeschlagen. Ist der Mantel wieder auf den Kern gesetzt und die Kronenform befestigt, wird das Gussmodell in der Gießgrube mit Erde eingedämmt. Nach dem Guss und dem Abkühlen wird die Glocke ausgegraben, von Kern und Mantel befreit, entgratet und blankgeputzt. Zum Schluss folgt die Klangprüfung. (Quelle: Glockenmuseum Apolda)
Fest gemauert in der Erden / Steht die Form, aus Lehm gebrannt. / Heute muß die Glocke werden. / Frisch Gesellen, seid zur Hand. Friedrich Schiller bezieht sich im Lied von der Glocke in 29 langen Strophen auf die schwierige Arbeit beim Glockengießen. Die hat sich bis heute kaum geändert: Noch immer werden Glocken in Deutschland so gegossen wie zu Schillers Zeiten.
Und noch immer machen Glockengießer ein Geheimnis um ihre traditionsreiche Kunst. So viel ist aber bekannt: Die tonnenschweren Glocken bestehen meist aus Bronze, einer Legierung aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn. Das Wachsausschmelzverfahren ist die älteste Herstellungsmethode. Im 12. Jahrhundert wurde es vom Mantelabhebverfahren abgelöst, das eine genaue Klangberechnung ermöglicht. Die Glockenform besteht aus dem Kern, der falschen Glocke und dem Mantel.
Das Lehmmodell wird nach einer vom Glockengießer entworfenen Schablone gefertigt, die dem inneren und äußeren Profil der künftigen Glocke entspricht. Die falsche Glocke, die den Hohlraum für den Guss ausfüllt, wird nach dem Hochziehen des Mantels vom Kern abgeschlagen. Ist der Mantel wieder auf den Kern gesetzt und die Kronenform befestigt, wird das Gussmodell in der Gießgrube mit Erde eingedämmt. Nach dem Guss und dem Abkühlen wird die Glocke ausgegraben, von Kern und Mantel befreit, entgratet und blankgeputzt. Zum Schluss folgt die Klangprüfung. (Quelle: Glockenmuseum Apolda)




