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Erfurt
Glocken

Infobox

Befreit von Kern und Mantel
Fest gemauert in der Erden / Steht die Form, aus Lehm gebrannt. / Heute muß die Glocke werden. / Frisch Gesellen, seid zur Hand.
Friedrich Schiller bezieht sich im Lied von der Glocke in 29 langen Strophen auf die schwierige Arbeit beim Glockengießen. Die hat sich bis heute kaum geändert: Noch immer werden Glocken in Deutschland so gegossen wie zu Schillers Zeiten.

Und noch immer machen Glockengießer ein Geheimnis um ihre traditionsreiche Kunst. So viel ist aber bekannt: Die tonnenschweren Glocken bestehen meist aus Bronze, einer Legierung aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn. Das Wachsausschmelzverfahren ist die älteste Herstellungsmethode. Im 12. Jahrhundert wurde es vom Mantelabhebverfahren abgelöst, das eine genaue Klangberechnung ermöglicht. Die Glockenform besteht aus dem Kern, der falschen Glocke und dem Mantel.

Das Lehmmodell wird nach einer vom Glockengießer entworfenen Schablone gefertigt, die dem inneren und äußeren Profil der künftigen Glocke entspricht. Die falsche Glocke, die den Hohlraum für den Guss ausfüllt, wird nach dem Hochziehen des Mantels vom Kern abgeschlagen. Ist der Mantel wieder auf den Kern gesetzt und die Kronenform befestigt, wird das Gussmodell in der Gießgrube mit Erde eingedämmt. Nach dem Guss und dem Abkühlen wird die Glocke ausgegraben, von Kern und Mantel befreit, entgratet und blankgeputzt. Zum Schluss folgt die Klangprüfung. (Quelle: Glockenmuseum Apolda)