Läufer und Springer
Zunächst nur Fleischlieferant, war das Pferd später als Zug- und Reittier fester Bestandteil des menschlichen Alltags. Vor etwa dreihundert Jahren startete es dann eine neue Karriere.Bereits im antiken Griechenland wusste man die Schnelligkeit von Pferden für sportliche Wettkämpfe zu schätzen. Im Hippodrom lieferten sich Pferdewagen mitreißende Rennen. Ab etwa 680 v. Chr. gehörten Wagenrennen gar zum festen Bestandteil der Olympischen Spiele. Schon wenig später kamen Wettkämpfe über verschiedene Distanzen hinzu.
Mit drei Arabern fing es an
Über Jahrhunderte wählte man die besten Pferde für die Zucht, um noch leistungsstärkere Nachkömmlinge heranzuziehen. Mit dem Wunsch nach schnellen Pferden begann vor rund dreihundert Jahren auch die Zucht des Englischen Vollbluts - aus ungefähr einhundert Stuten und drei arabischen Hengsten bestand der Ursprungs-Genpool. Verantwortlich für die Vollblutzucht und den Rennsport sah sich der 1750 in England gegründete Jockey Club. Die Mitglieder des Vereins stellen bis heute die Regeln auf und überwachen deren Einhaltung.
Eines der noch immer beliebtesten und bekanntesten Rennen ist das britische Derby. Seinen Namen verdankt es dem Earl of Derby: Er hatte beim Münzwurf gegen den anderen Namenskandidaten gewonnen, den Präsidenten des Jockey Clubs, Sir Bunbury. Das wenig später veranstaltete erste Derby im Mai 1780 gewann jedoch Diomed - Sir Bunburys Pferd.
Zu den klassischen Rennen zählt zudem das seit 1791 veranstaltete Handicap: Bei diesem Wettkampf bekommen die Tiere Gewichte angehängt. Je erfolgreicher ein Pferd bis zum Zeitpunkt des Rennens war, umso schwerer sind die Gewichte, die es tragen muss - was natürlich die Chancen seiner Mitstreiter erhöht.
Springturnier in Finnland: Hindernisse verlangen den von Natur aus ängstlichen Pferden Mut und Unerschrockenheit ab.
Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Formen des Wettkampfs, etwa Spring- oder Vielseitigkeitsturniere, die nur erfahrene Pferde bestimmter Rassen bestreiten. Der Sprung über einen Graben oder eine Mauer ist zwar eine natürliche Verhaltensweise, kommt in freier Wildbahn aber eher selten vor.
Die Tiere brauchen viel Mut, Unerschrockenheit sowie gutes Springvermögen. Für das Springreiten gibt es sogar eigene Zuchten: Irische Hunter gehören ebenso zu den besten Springpferden wie deutsche Holsteiner und Hannoveraner.
Dressur, Gelände, Spring-Parcour
Als "Krone der Reiterei" gilt die Vielseitigkeitsreiterei, früher auch Military genannt: An drei aufeinanderfolgenden Tagen müssen Pferd und Reiter bei der Dressur, im Gelände und im Springparcours Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit beweisen.
Auch wenn die Ursprünge dieser Vielseitigkeitsprüfung bei den Reitervölkern des Altertums liegen, geht ihre heutige Form auf die Kavallerieschulen des 19. Jahrhunderts zurück. Der Reiter soll sein Pferd in allen drei Disziplinen sicher unter Kontrolle haben, das Tier seine Allroundfähigkeiten präsentieren.
Kämpfernaturen
Vor allem italienische Kavallerieschulen legten Wert auf Geländetauglichkeit, während die Dressur - anders als in Deutschland - zweitrangig war. So mussten Tier und Reiter beispielsweise an Steilhängen, die bis zu zehn Meter senkrecht abfielen, ihr Geschick beweisen. Den dafür notwendigen Mut bringen nur die kämpferischsten Pferdenaturen mit viel Persönlichkeit auf.
Christiane Nienhold (aktualisiert 28.06.2011)
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Königliches Rennen
Das Royal Ascot - Pferderennen ist weltberühmt: Fünf Tage lang treten die besten Pferde der Welt in fünfzehn verschiedenen Galopprennen gegeneinander an. Dabei geht es um rund fünf Millionen Euro Preisgeld. Die Eintrittskarten für das gesellschaftliche Treffen ersten Ranges - an allen Tagen halten sich Mitglieder der königlichen Familie in Ascot auf - sind bereits Monate im Voraus ausverkauft.
Das Rennen geht auf das Jahr 1711 zurück. Bei einem Ausritt entdeckte Königin Anne nahe des königlichen Schlosses Windsor Castle ein Heidegebiet, das ihrer Meinung nach gut geeignet war, um "Pferde in vollem Galopp zu reiten". Am 11. August desselben Jahres ließ sie das erste Royal Ascot veranstalten.
Eine besondere Tradition stellt der Dress-Code dar: Schwarz oder grau muss der Anzug bei den Herren sein, dazu Weste und Zylinder. Zur obligatorischen Garderobe für Frauen gehören Kleider - und Hüte. Je ausgefallener ihre Kopfbedeckungen sind, umso sicherer finden sich die Trägerinnen am nächsten Tag in der Presse wieder.
Während der Renntage haben die 4.000 Angestellten viel zu tun: Im Schnitt konsumieren die rund 300.000 Gäste 5.000 Kilogramm Erdbeeren, 6.700 Kilogramm Lachs, 100.000 Flaschen Wein und 150.000 Flaschen Champagner.
Das Royal Ascot - Pferderennen ist weltberühmt: Fünf Tage lang treten die besten Pferde der Welt in fünfzehn verschiedenen Galopprennen gegeneinander an. Dabei geht es um rund fünf Millionen Euro Preisgeld. Die Eintrittskarten für das gesellschaftliche Treffen ersten Ranges - an allen Tagen halten sich Mitglieder der königlichen Familie in Ascot auf - sind bereits Monate im Voraus ausverkauft.
Das Rennen geht auf das Jahr 1711 zurück. Bei einem Ausritt entdeckte Königin Anne nahe des königlichen Schlosses Windsor Castle ein Heidegebiet, das ihrer Meinung nach gut geeignet war, um "Pferde in vollem Galopp zu reiten". Am 11. August desselben Jahres ließ sie das erste Royal Ascot veranstalten.
Eine besondere Tradition stellt der Dress-Code dar: Schwarz oder grau muss der Anzug bei den Herren sein, dazu Weste und Zylinder. Zur obligatorischen Garderobe für Frauen gehören Kleider - und Hüte. Je ausgefallener ihre Kopfbedeckungen sind, umso sicherer finden sich die Trägerinnen am nächsten Tag in der Presse wieder.
Während der Renntage haben die 4.000 Angestellten viel zu tun: Im Schnitt konsumieren die rund 300.000 Gäste 5.000 Kilogramm Erdbeeren, 6.700 Kilogramm Lachs, 100.000 Flaschen Wein und 150.000 Flaschen Champagner.
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Nur für Mädchen?
"Reiten ist heute eine Angelegenheit von Frauen vor dem Erwachsenwerden", schreibt die FAZ-Reporterin Christina Hucklenbroich. Wer sich in Pferdeställen und auf Reiterhöfen umschaut, sieht diese Aussage bestätigt: Vor allem Mädchen im Teenager-Alter tummeln sich um die Boxen, sie striegeln, satteln, zäumen, streicheln, verwöhnen die Vierbeiner.
Wissenschaftler erklären das Phänomen psychologisch: Seien Mädchen zu alt zum Puppenspielen, entdeckten sie im Pferd ein Ersatzobjekt, dem sie Zärtlichkeit und Fürsorge schenken können. Das geschehe zudem in einem Alter, in dem der Abnabelungsprozess von den Eltern beginne. Auf dem Pferdehof, ohne elterliche Aufsicht, erlebten die Mädchen die Gemeinschaft Gleichgesinnter und lernten, Verantwortung zu übernehmen.
Das Reiten an sich sei für Mädchen eher Mittel zum Zweck; im Zentrum stehe das Umsorgen von "Freund" Pferd. Doch auch Jungs lassen sich für Pferde begeistern - nur eben anders. Eine Studie der Universität Kassel fand heraus: Jungs mögen das Reiten als wettbewerbsorientierte und "wilde" Freizeitaktivität; sie wollen Abenteuer erleben und Mutproben bestehen.
Aus der Praxis ist das vielen Reitlehrern längst bekannt. Seit Jahren bemühen sich Reitvereine verstärkt um männlichen Nachwuchs; die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat sogar das Projekt Jungs aufs Pferd ins Leben gerufen.
"Reiten ist heute eine Angelegenheit von Frauen vor dem Erwachsenwerden", schreibt die FAZ-Reporterin Christina Hucklenbroich. Wer sich in Pferdeställen und auf Reiterhöfen umschaut, sieht diese Aussage bestätigt: Vor allem Mädchen im Teenager-Alter tummeln sich um die Boxen, sie striegeln, satteln, zäumen, streicheln, verwöhnen die Vierbeiner.
Wissenschaftler erklären das Phänomen psychologisch: Seien Mädchen zu alt zum Puppenspielen, entdeckten sie im Pferd ein Ersatzobjekt, dem sie Zärtlichkeit und Fürsorge schenken können. Das geschehe zudem in einem Alter, in dem der Abnabelungsprozess von den Eltern beginne. Auf dem Pferdehof, ohne elterliche Aufsicht, erlebten die Mädchen die Gemeinschaft Gleichgesinnter und lernten, Verantwortung zu übernehmen.
Das Reiten an sich sei für Mädchen eher Mittel zum Zweck; im Zentrum stehe das Umsorgen von "Freund" Pferd. Doch auch Jungs lassen sich für Pferde begeistern - nur eben anders. Eine Studie der Universität Kassel fand heraus: Jungs mögen das Reiten als wettbewerbsorientierte und "wilde" Freizeitaktivität; sie wollen Abenteuer erleben und Mutproben bestehen.
Aus der Praxis ist das vielen Reitlehrern längst bekannt. Seit Jahren bemühen sich Reitvereine verstärkt um männlichen Nachwuchs; die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat sogar das Projekt Jungs aufs Pferd ins Leben gerufen.



