Ein Kuckuck über der Sahara
Das Leben des Kuckucks ist hart. Auf der langen Reise gen Süden lauern viele Gefahren: Regenstürme, schießwütige Menschen, das endlose Sandmeer der Wüste. Erst ganz am Schluss wartet das Schlaraffenland.In bunt gefärbten Baumkronen und auf regennassen Dächern versammeln sie sich zum letzten Konzert. Mit aufgeregtem Zwitschern, Krähen und Piepen stimmen sie die Ouvertüre des Herbstes an, um kurze Zeit später in dunklen Schwärmen gen Sommer zu ziehen. Die Zugunruhe hat auch einen jungen Kuckuck erfasst. Es ist ein angeborener Instinkt, der ihm befiehlt aufzubrechen. Mit der Abenddämmerung fliegt unser Kuckuck in den höchsten Wipfel des Baumes, der seine Heimat ist, und schaut Richtung Süden. Noch ist der Himmel klar, noch ist die Luft mild, auch wenn über seinen Kopf hinweg bereits unzählige Artgenossen davonziehen, er wartet.
Unkollegialer Vogel
Seit der Kuckuck vor vier Wochen das Licht der Welt erblickte, bereitet er sich instinktiv auf seine Reise vor. Dabei könnte man ihn als höchst unkollegialen Vogel bezeichnen. Nicht nur, dass die Kuckucksmutter ihre Eier in fremde Nester legt, in denen sie von fremden Eltern ausgebrütet und umsorgt werden. Unmittelbar nach dem Schlüpfen schiebt der kleine Schreihals mit feuerrotem Rachen seine Stiefgeschwister unter immenser Anstrengung aus dem Nest, damit er ausreichend Platz und Nahrung hat.
Südlich des Äquators
"Kuckuckskinder" schlüpfen in der Regel einige Tage früher als die Jungen ihrer Wirtseltern und haben entsprechend leichtes Spiel, die übrigen Eier loszuwerden. Dieses Schmarotzertum hat einen schlichten Grund: Das Kuckucksweibchen legt bis zu 25 Eier, die es unmöglich alle selbst ausbrüten kann - und deshalb Gasteltern als eigenes Gelege unterjubeln muss. Bald will der junge Kuckuck fressen, um genug Fett anzusetzen für den Flugmarathon, der ihm bevorsteht. Je weniger Konkurrenz dabei im Nest sitzt, umso besser klappt das. Kuckucke sind Langstreckenzieher, ihre Winterquartiere liegen südlich des Äquators, in Afrika und in Südostasien - auf jeden Fall eine anstrengende, energieintensive Reise.
Im fremden Nest durchgefüttert: Und für die Stiefgeschwister gibt es kein Pardon.
Seine Gasteltern hatten unseren Kuckuck vorzüglich bewirtet, so dass er schon nach drei Wochen erste Flugversuche wagte. Seither hat er viel trainiert, doch ein großer Flieger ist er noch nicht. Kurz nachdem die Sonne untergegangen ist, breitet der Kuckuck die Flügel aus und startet in die Nacht. Der kleine Vogel kennt weder den Weg noch das Ziel seiner langen Tour.
Vögel im Winterschlaf?
Die Frage nach dem Wohin, und auch warum Vögel im Winter auf "unerfindliche Weise" verschwinden, beschäftigt Menschen seit über zweitausend Jahren: Aristoteles, der nicht nur ein großer Philosoph, sondern auch leidenschaftlicher Vogelbeobachter war, lieferte etwa 200 v. Chr. teils haarsträubende Antworten. So glaubte Aristoteles, dass Vögel im Winter ihre Farbe wechseln oder gar eine vollkommen andere Gestalt annehmen. Besonders sein "Märchen vom Winterschlaf" der Vögel, so wird es der Biologe Erwin Streseman später formulieren, hielt sich bis ins Mittelalter. Nicht weniger kurios waren Hypothesen des Schweden Carl von Linné, der glaubte, dass Schwalben im Winter in Sümpfen versinken, um im Sommer als Amphibien aufzutauchen...
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Geheimnis der Orientierung
Zugvögel legen oft zehntausende Kilometer zurück, und landen dennoch punktgenau am angepeilten Ziel. Dabei zieht ein großer Teil von ihnen nachts. Also können sie sich nicht an Landmarken oder am Stand der Sonne orientieren. Zugvögel nutzen stattdessen zwei wichtige Hilfsmittel: Sie orientieren sich am Magnetfeld der Erde und am Stand der Sterne. Vögel navigieren natürlich nicht wie Menschen: Sie kennen keine Sternbilder und keinen Nord- und Südpol. Doch sie verfolgen intuitiv den Lauf der Sterne während der Nacht und sehen vermutlich dank spezieller Rezeptoren im Auge das Magnetfeld der Erde.
Zugvögel legen oft zehntausende Kilometer zurück, und landen dennoch punktgenau am angepeilten Ziel. Dabei zieht ein großer Teil von ihnen nachts. Also können sie sich nicht an Landmarken oder am Stand der Sonne orientieren. Zugvögel nutzen stattdessen zwei wichtige Hilfsmittel: Sie orientieren sich am Magnetfeld der Erde und am Stand der Sterne. Vögel navigieren natürlich nicht wie Menschen: Sie kennen keine Sternbilder und keinen Nord- und Südpol. Doch sie verfolgen intuitiv den Lauf der Sterne während der Nacht und sehen vermutlich dank spezieller Rezeptoren im Auge das Magnetfeld der Erde.
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Warum Zugvögel unruhig werden
Lange Zeit glaubte man, dass der Aufbruch der Zugvögel unmittelbar von Umweltfaktoren beeinflusst sei. Man vermutete, dass sie ihr Verhalten an den Temperaturschwankungen, dem Futterangebot und an der Photoperiode ausrichteten, also an der unterschiedlichen Anzahl von Sonnenstunden pro Tag. Für Vögel, die sich im Winter in der Nähe des Äquators aufhalten, kann aber beides unmöglich eine Rolle spielen, weil dort sowohl Temperaturen als auch Tageslängen relativ konstant sind.
Das Geheimnis vieler Langstreckenzieher liegt vielmehr in ihrer inneren Uhr: Ein Instinkt löst bei den Vögeln, auf den Kalendertag genau, die Zugunruhe aus und zeigt ihnen, dass es Zeit ist loszufliegen. Wissenschaftler haben diesen Instinkt in Käfigversuchen unter gleichbleibenden klimatischen Bedingungen mit jungen Zugvögeln nachgewiesen. Sie beobachteten, dass die Vögel während ihrer üblichen Wanderzeit und insbesondere nachts außerordentlich aktiv waren und erhöhte Zugwilligkeit signalisierten. Je größere Strecken die Vögel in ihrer natürlichen Umgebung zurücklegen, desto länger und intensiver war auch die nächtliche Unruhephase.
Lange Zeit glaubte man, dass der Aufbruch der Zugvögel unmittelbar von Umweltfaktoren beeinflusst sei. Man vermutete, dass sie ihr Verhalten an den Temperaturschwankungen, dem Futterangebot und an der Photoperiode ausrichteten, also an der unterschiedlichen Anzahl von Sonnenstunden pro Tag. Für Vögel, die sich im Winter in der Nähe des Äquators aufhalten, kann aber beides unmöglich eine Rolle spielen, weil dort sowohl Temperaturen als auch Tageslängen relativ konstant sind.
Das Geheimnis vieler Langstreckenzieher liegt vielmehr in ihrer inneren Uhr: Ein Instinkt löst bei den Vögeln, auf den Kalendertag genau, die Zugunruhe aus und zeigt ihnen, dass es Zeit ist loszufliegen. Wissenschaftler haben diesen Instinkt in Käfigversuchen unter gleichbleibenden klimatischen Bedingungen mit jungen Zugvögeln nachgewiesen. Sie beobachteten, dass die Vögel während ihrer üblichen Wanderzeit und insbesondere nachts außerordentlich aktiv waren und erhöhte Zugwilligkeit signalisierten. Je größere Strecken die Vögel in ihrer natürlichen Umgebung zurücklegen, desto länger und intensiver war auch die nächtliche Unruhephase.



