Endlich frei sein!
Anfang 2004 startete in Deutschland das Modellprojekt Führerschein mit 17. Die begehrten "Fleppen" gibt es aber nur mit Einschränkungen. Ohne erfahrene Begleitung auf dem Beifahrersitz rollt nichts.Mit Vollgas: Kinder und Jugendliche sind fasziniert vom simulierten Rausch der Geschwindigkeit. (Bild: Belinda Hankins Miller, Lizenz: Creative Commons)
Unfälle produzieren macht Spaß, in jungen Jahren jedenfalls. Sei es das Matchboxauto, die Modelleisenbahn oder eben das noch viel spannendere Computerspiel: Cowboy der Highways sein - ohne böse, reale Folgen. Ausgerechnet in dem Alter, in dem solche spaßigen, digitalen Raserspielchen einen nachgewiesen hohen Stellenwert besitzen, sollen Jugendliche auf unsere Straßen losgelassen werden. Sind sie überhaupt schon reif für den Verkehr?
Freiheit mit Einschränkungen
Anfang 2004 startete in Deutschland das Modellprojekt Führerschein mit Siebzehn, ab 2011 wird es zum Dauerrecht: Schon Sechzehnjährige dürfen mit der Fahrausbildung beginnen. Schließen sie erfolgreich ab, halten sie zu ihrem siebzehnten Geburtstag den "Lappen" in der Hand - mit einer Einschränkung: Das folgende Jahr darf nur in Begleitung einer Person gefahren werden, die mindestens dreißig Jahre alt ist, schon fünf Jahre Auto gefahren ist und maximal drei Punkte in Flensburg auf dem Konto hat.
Der Begleiter sollte unbestrittene Autorität verkörpern, so dass die jungen Wilden sich nicht erst beweisen müssen. Vor allem sollte er pädagogische Fähigkeiten haben, sonst dürfte eher Verunsicherung als Sicherheit das Ergebnis sein. Wer aber kommt für diese etwas undankbare Aufpasser-Rolle in Frage? Immerhin haben Eltern meist keine Zeit und Lust, ihre Kinder regelmäßig auf dem Weg zur Schule oder zur Ausbildung zu begleiten. Auch für die Fahrt in die Disko sind sie sicher nur schwer zu begeistern.
"Mama, lass mich auch mal fahren!": Der Führerschein mit 17 macht es möglich.
In der Praxis stößt das Modell also schnell auf Probleme. Dabei hat es sich in anderen Ländern schon bewährt. Leuchtendes Vorbild ist wie so oft Schweden. Seitdem es dort den Führerschein gibt, darf bereits mit siebzehneinhalb Jahren in Begleitung gefahren werden. Als diese Altersgrenze 1993 sogar auf sechzehn Jahre herabgesetzt wurde, sank laut der Studie Begleitendes Fahren in Schweden vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat e.V. in den folgenden Jahren die Unfallhäufigkeit der Sechzehn- bis Achtzehnjährigen um 48,2 Prozent.
Der Unterschied zum deutschen Modell: Vor der eigentlichen Prüfung müssen die Jugendlichen an einem Schleudertraining teilnehmen. So ein Modell fordert der ADAC auch für Deutschland. Nur in solchen Kursen kann den jungen Fahrern vermittelt werden, welche Kräfte auf ein Auto wirken - und gegebenenfalls auf den Menschen, der darin sitzt.
Aus illegal wird legal
Was ändert das neue Modell, in der bisherigen Form, eigentlich in Deutschland? Nicht viel, wie es den Anschein hat. Die meisten Fahrschüler sind ja schon mal Auto gefahren: Sei es die nächtliche Tour mit dem Vater über Feldwege - die nun quasi legalisiert wird, der unerlaubte Trip mit Freunden, die einen mal ans Steuer lassen, oder der Führerschein, den man als Sechzehnjähriger während eines USA-Aufenthalts gemacht hat. Letzterer kann bereits jetzt für ein Jahr auf Deutschland übertragen werden. Der Grad an Übung wird mit der neuen Regelung also nicht unbedingt zunehmen.
Die Mehrzahl der jungen Betroffenen selbst, steht dem Modell skeptisch gegenüber. Denn Unabhängigkeit gilt als einer der wichtigsten Vorzüge, die der Führerschein mit sich bringt. Ohne sie ist der "Lappen" praktisch wertlos. Dann warten sie lieber noch ein Jahr - und simulieren die Freiheit am Computer.
Daniel Najock (aktualisiert 23.09.2010)
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Fahren im Alter
Unabhängigkeit, Mobilität und Lebensqualität: Nicht nur für junge Menschen spielt der Besitz des Führerscheins eine wichtige Rolle. Auch die Generation Sechzig Plus will und kann auf das Dokument nicht verzichten. Immerhin zählt ein Viertel der insgesamt 55 Millionen Führerscheinbesitzer in Deutschland zu dieser Altersgruppe.
Ebenso wie ihre jüngeren Kollegen hinterm Steuer geraten die "Alten" dabei von Zeit zu Zeit in Diskussion. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Menschen ab einem gewissen Alter noch fahrtauglich sind. Per Gesetz auf jeden Fall: In Deutschland erwirbt man den Führerschein auf Lebenszeit; wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, hat weder mit dem Verlust der "Fleppen" noch mit Fahrtauglichkeits-Prüfungen zu rechnen.
Letztere werden für Senioren aber immer mal wieder gefordert - auch wenn die Statistik eine andere Sprache spricht: Ein Blick in die Verkehrssünderkartei in Flensburg zeigt, dass sich die meisten deutschen Autofahrer an die Verkehrsregeln halten, achtzig Prozent sind ohne Eintrag. Und besonders bei älteren Fahrern spielt gefährliches Fehlverhalten kaum eine Rolle; die Unfallstatistik bescheinigt den Senioren, die harmloseste Gruppe unter den Verkehrsteilnehmern zu sein.
Bei allem Verantwortungsbewusstsein und bei aller Erfahrung sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass gewisse altersbedingte körperliche Veränderungen auch den besten Fahrer in brenzlige Situationen bringen können: während Konzentrationsfähigkeit, Sehkraft und Hörvermögen stetig nachlassen, verlängert sich die Reaktionszeit. Manche Fahrer versuchen diese Schwächen durch angepasstes Fahrverhalten zu kompensieren - sie unterlassen Fahrten bei Dunkelheit, vermeiden Stoßzeiten, legen nur noch bekannte Strecken mit dem Auto zurück und gehen runter vom Gas.
Von einer gesetzlichen Regelung halten die meisten Verkehrsexperten nichts, das Alter allein sei kein zulässiges Kriterium für die Beurteilung der Fahrtauglichkeit. Um die zu überprüfen, empfehlen sie regelmäßige Sehtests und spezielle Sicherheitstrainings - auf freiwilliger Basis.
Unabhängigkeit, Mobilität und Lebensqualität: Nicht nur für junge Menschen spielt der Besitz des Führerscheins eine wichtige Rolle. Auch die Generation Sechzig Plus will und kann auf das Dokument nicht verzichten. Immerhin zählt ein Viertel der insgesamt 55 Millionen Führerscheinbesitzer in Deutschland zu dieser Altersgruppe.
Ebenso wie ihre jüngeren Kollegen hinterm Steuer geraten die "Alten" dabei von Zeit zu Zeit in Diskussion. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Menschen ab einem gewissen Alter noch fahrtauglich sind. Per Gesetz auf jeden Fall: In Deutschland erwirbt man den Führerschein auf Lebenszeit; wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, hat weder mit dem Verlust der "Fleppen" noch mit Fahrtauglichkeits-Prüfungen zu rechnen.
Letztere werden für Senioren aber immer mal wieder gefordert - auch wenn die Statistik eine andere Sprache spricht: Ein Blick in die Verkehrssünderkartei in Flensburg zeigt, dass sich die meisten deutschen Autofahrer an die Verkehrsregeln halten, achtzig Prozent sind ohne Eintrag. Und besonders bei älteren Fahrern spielt gefährliches Fehlverhalten kaum eine Rolle; die Unfallstatistik bescheinigt den Senioren, die harmloseste Gruppe unter den Verkehrsteilnehmern zu sein.
Bei allem Verantwortungsbewusstsein und bei aller Erfahrung sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass gewisse altersbedingte körperliche Veränderungen auch den besten Fahrer in brenzlige Situationen bringen können: während Konzentrationsfähigkeit, Sehkraft und Hörvermögen stetig nachlassen, verlängert sich die Reaktionszeit. Manche Fahrer versuchen diese Schwächen durch angepasstes Fahrverhalten zu kompensieren - sie unterlassen Fahrten bei Dunkelheit, vermeiden Stoßzeiten, legen nur noch bekannte Strecken mit dem Auto zurück und gehen runter vom Gas.
Von einer gesetzlichen Regelung halten die meisten Verkehrsexperten nichts, das Alter allein sei kein zulässiges Kriterium für die Beurteilung der Fahrtauglichkeit. Um die zu überprüfen, empfehlen sie regelmäßige Sehtests und spezielle Sicherheitstrainings - auf freiwilliger Basis.



