Anspruchsvolle Raser
Das Dahintuckern mit einer Dampflok hat seinen Reiz - aber manchmal will man nur schnell ans Ziel. Zum Glück gibt es ja Hochgeschwindigkeitszüge.Technik für hohe Geschwindigkeiten: Drehgestell vom Typ SF 500 AVE an einem spanischen AVE. (Bild: bigbug21; Lizenz: CreativeCommons)
Gut, im regulären Verkehr werden die Schienenflitzer nicht ganz so schnell, doch Züge mit Verkehrsgeschwindigkeiten über zweihundert oder sogar dreihundert Kilometern pro Stunde erfreuen heute Passagiere in vielen Ländern.
Kein Watt vergeuden
Leistungsstarke Elektroantriebe machen den Geschwindigkeitsrausch möglich. Um die zehntausend Kilowatt Antriebsleistung bringen Hochgeschwindigkeitszüge in Fahrt; der Rekordzug war sogar mit der doppelten Leistung unterwegs. Um kein einziges Watt zu vergeuden, werden Züge energieeffizient konstruiert: Leichtbaumaterialien und -bauweisen aus Luft- und Raumfahrttechnik reduzieren das Gewicht. Glatte Außenwände, möglichst fugenlose Wagenübergänge und ein insgesamt aerodynamisches Design schaffen nicht nur ein ansprechendes Äußeres, sie verringern auch den Luftwiderstand.
Der schnellste unter den Japanern: ein Shinkansen-Zug der Baureihe 500. (Bild: Nick Coutts; Lizenz: CreativeCommons)
Auch sind herkömmliche Signalanlagen für Hochgeschwindigkeitszüge nicht brauchbar. Streckenhinweise und Halte- oder Bremsaufforderungen erhalten Zugführer zum Beispiel per Funk oder demnächst in Europa über ein automatisches Eisenbahnverkehrsleitsystem.
Wenn die Schnellen mit den Langsamen...
Die betriebsorganisatorischen Herausforderungen im Hochgeschwindigkeitsverkehr sind ebenfalls nicht zu verachten: Wo Flitzer und langsamere Passagier- und Güterzüge die gleiche Strecke benutzen, muss der Fahrplan exakt abgestimmt sein. Kommt es zur kleinsten Störung, sind Behinderungen programmiert und alle Geschwindigkeitsziele hinfällig.
Um derlei Unannehmlichkeiten und Sicherheitsrisiken auszuschließen, gibt es in vielen Ländern spezielle Schnellfahrstrecken, die sämtliche technischen Anforderungen erfüllen und auf denen herkömmliche Züge nicht herumkurven dürfen. Weil Hochgeschwindigkeitszüge dank ihrer starken Motorisierung steilere Anstiege erklimmen als ihre herkömmlichen Kollegen, bleibt Schnellstreckenbauern wenigstens übermäßiges Durchtunneln und Überbrücken erspart.
Trotz aller Anforderungen sieht die Zukunft der Tempomacher recht rosig aus: Vielerorts werden Strecken neu gebaut und erweitert, Ingenieure basteln an leistungsstärkeren Antrieben und effizienteren Bauweisen. Die schnellsten Züge erreichen heute im Regelbetrieb an die 350 Kilometer pro Stunde.
Zwar wären weitere Leistungssteigerungen technisch durchaus möglich. Der Nutzen darf allerdings bezweifelt werden, da bei höheren Geschwindigkeiten Luftwiderstand und damit Energiebedarf übermäßig ansteigen, Zeitgewinne aber fast vernachlässigbar wären. Die gute alte Dampflok hat dennoch das Nachsehen: Ihr Geschwindigkeitsrekord von 201,2 Kilometer pro Stunde stammt aus dem Jahr 1938.
Urte Paul (05.06.2009)
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Jagd nach Rekorden
In den 1930er Jahren erlebte der Schnellzugverkehr in Deutschland eine erste Hochphase. Der Schienenzeppelin etwa, ein propellerbetriebenes Gefährt, raste im Juni 1931 mit 230 Kilometern pro Stunde über die Schienen. Allerdings kam die Konstruktion nie über den Prototyp hinaus.
Anders erging es da dem Fliegenden Hamburger: Dieser Dieselschnelltriebwagen verkehrte ab Mai 1933 regelmäßig zwischen Hamburg und Berlin. 138 Minuten benötigte der Schnellzug für die Strecke - eine Zeit, die erstmals wieder ein ICE im Jahr 1997 unterbot.
Von der Konkurrenz in Bedrängnis gebracht, schlug die Dampflokindustrie zurück und schickte 1936 ebenfalls einen Schnellzug aufs Gleis: In gerade einmal hundert Minuten bewältigte der Henschel-Wegmann-Zug die Strecke Berlin-Dresden. Bis heute steht dieser Rekord.
Dass Dampfloks nach und nach von der Schiene verschwanden, hatte dennoch gute Gründe: Ihr Wirkungsgrad lag nur bei rund zehn Prozent; Bedienung, Wartung und Reparatur waren dafür sehr aufwändig. Nach den rasanten 1930er Jahren geriet der Schnellzugverkehr in Deutschland für Jahrzehnte in den Hintergrund. Die nächste Generation Schnellzüge - der mit Elektroantrieb versehene ICE - ging 1991 an den Start.
In den 1930er Jahren erlebte der Schnellzugverkehr in Deutschland eine erste Hochphase. Der Schienenzeppelin etwa, ein propellerbetriebenes Gefährt, raste im Juni 1931 mit 230 Kilometern pro Stunde über die Schienen. Allerdings kam die Konstruktion nie über den Prototyp hinaus.
Anders erging es da dem Fliegenden Hamburger: Dieser Dieselschnelltriebwagen verkehrte ab Mai 1933 regelmäßig zwischen Hamburg und Berlin. 138 Minuten benötigte der Schnellzug für die Strecke - eine Zeit, die erstmals wieder ein ICE im Jahr 1997 unterbot.
Von der Konkurrenz in Bedrängnis gebracht, schlug die Dampflokindustrie zurück und schickte 1936 ebenfalls einen Schnellzug aufs Gleis: In gerade einmal hundert Minuten bewältigte der Henschel-Wegmann-Zug die Strecke Berlin-Dresden. Bis heute steht dieser Rekord.
Dass Dampfloks nach und nach von der Schiene verschwanden, hatte dennoch gute Gründe: Ihr Wirkungsgrad lag nur bei rund zehn Prozent; Bedienung, Wartung und Reparatur waren dafür sehr aufwändig. Nach den rasanten 1930er Jahren geriet der Schnellzugverkehr in Deutschland für Jahrzehnte in den Hintergrund. Die nächste Generation Schnellzüge - der mit Elektroantrieb versehene ICE - ging 1991 an den Start.
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Shinkansen
Geburtsort der modernen Schnellzüge ist Japan: 1964 fuhr der erste so genannte Bullet Train ("Geschosszug") zwischen Tokio und Osaka; mehr als 2.200 Kilometer ist das Schnellfahrstreckennetz namens Shinkansen inzwischen lang.
Die japanischen Schnellzüge sind vor allem für ihre Sicherheit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bekannt: Seit der Inbetriebnahme hat es nur einen größeren Unfall gegeben, hervorgerufen durch ein Erdbeben; verletzt wurde dabei niemand. Die durchschnittliche Verspätung auf der 515 Kilometer langen Verbindung Tokio-Osaka beträgt 18 Sekunden.
Die schnellsten Shinkansen-Züge stammen aus der Baureihe 500 und erreichen im Regelbetrieb 300 Kilometer pro Stunde; die nächste Generation soll bis zu 405 Kilometer pro Stunde schnell sein.
Geburtsort der modernen Schnellzüge ist Japan: 1964 fuhr der erste so genannte Bullet Train ("Geschosszug") zwischen Tokio und Osaka; mehr als 2.200 Kilometer ist das Schnellfahrstreckennetz namens Shinkansen inzwischen lang.
Die japanischen Schnellzüge sind vor allem für ihre Sicherheit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bekannt: Seit der Inbetriebnahme hat es nur einen größeren Unfall gegeben, hervorgerufen durch ein Erdbeben; verletzt wurde dabei niemand. Die durchschnittliche Verspätung auf der 515 Kilometer langen Verbindung Tokio-Osaka beträgt 18 Sekunden.
Die schnellsten Shinkansen-Züge stammen aus der Baureihe 500 und erreichen im Regelbetrieb 300 Kilometer pro Stunde; die nächste Generation soll bis zu 405 Kilometer pro Stunde schnell sein.



