Bewegte Geschichte
Erst von Pferden gezogen, ab 1881 elektrisch betrieben, auf dem Gipfel um 1920, während des Autobooms von der Straße gedrängt, in den 1970er Jahren tot gesagt - und doch ist die Straßenbahn heute wieder in.Szene nahe dem Karlstor: die Karlsruher Straßenbahn in den 1930er Jahren.
Premiere in New York
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Grundstein für diese Form des öffentlichen Nahverkehrs gelegt: Es war die Pferdebahn. Ihre Premiere erlebte sie 1832 in New York. Nach und nach ersetzten dampfbetriebene Bahnen das zuvor von tierischer Kraft gezogene Gefährt. Und bald setzte sich der elektrische Antrieb durch: Die weltweit erste elektrische Straßenbahn nahm am 16. Mai 1881 in Berlin Lichterfelde ihren Betrieb auf. Warum gerade dort?
Konjunktur der Gründerzeit
Nun, die Gründerzeit ging einher mit einer wirtschaftlichen Konjunktur bislang ungeahnten Ausmaßes. Industrielle Ballungszentren entstanden - und damit die Notwendigkeit, enorme Massen von Arbeitern schnell und kostengünstig an ihre Arbeitsorte zu befördern. Die deutsche Reichsregierung hatte den Öffentlichen Nahverkehr in ihr Programm zur städtischen Industrialisierung aufgenommen und durch Subventionen das Schienennetz erheblich ausgeweitet.
Um 1900 gab es in 150 deutschen Städten Straßenbahnbetriebe: Die Straßenbahn hatte sich zum Massenverkehrsmittel gemausert. Der Trend setzte sich fort bis in die Zwanziger Jahre des folgenden Jahrhunderts, nicht nur in Deutschland: Historiker sprechen von über dreitausend Straßenbahnunternehmen weltweit, in Städten ganz unterschiedlicher Größe.
Wirtschaftswunderzeiten
Ein Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings begann in Deutschland ein Prozess, der fast zum Verschwinden der einheimischen Straßenbahnen führte. Es waren eben Wirtschaftswunderzeiten; die Autoindustrie ließ ihre Muskeln spielen. Hans-Jochen Vogel, damals Münchner Oberbürgermeister, erinnert sich: "Das Auto stand als Symbol des Wiederaufstiegs und des Wirtschaftswunders im höchsten Ansehen. Gegen das Auto Stellung zu nehmen, war in den fünfziger Jahren für einen Politiker nahezu lebensgefährlich."
Der VW Käfer 1303: Ein Autoboom in den 1960er Jahren hätte fast das Ende der Straßenbahn bedeutet.
Zu Beginn der 1960er Jahre entwickelten Verkehrsplaner im Westen Deutschlands Konzepte, die dem Automobil geradezu Narrenfreiheit gewährten. Die Straßenbahn galt ohnehin als Behinderung des Individualverkehrs, da ihre Gleise ja auf der Straße verliefen, folglich störten.
Der Ersatz für die Straßenbahn sollte der Bus sein, der mit den "Regeln der Straße" konform ging. Um 1970 schien dann sicher, dass bald auch die letzte Straßenbahn stillgelegt sein würde: Straßenbahn fahren war schlicht unmodern. 1971 hatten über fünf Millionen Westdeutsche ein Auto, meist einen Käfer.
Neues Denken
Erst die Ölkrise im Herbst 1973 leitete eine Wende ein: Kein Wunder: die Benzinpreise explodierten. Hinzu kam neue Sensibilität für ökologische Probleme. Beinahe auf einen Schlag eroberte die Straßenbahn ihren guten Ruf zurück: modern, energiesparend, umweltgerecht. Spätestens ab 1980 setzte sich das neue Denken dann auch in konkrete stadtplanerische Aktivitäten um...
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Infobox
Blaue Linie, Rote Linie
Jede Stadt, die etwas auf sich hielt, chauffierte ihre Bewohner und Besucher zur Jahrhundertwende in Straßenbahnen durch die Gegend, so sie es sich leisten konnte. Das brachte großstädtisches Flair.
Am 6. Dezember 1897 unterzeichnete die Firma Siemens & Halske AG einen Vertrag mit der Stadtverwaltung Weimar, um eine Straßenbahn und ein E-Werk zu errichten. Schon zwei Jahre später fuhr die Blaue Linie durch Weimar. 1908 kam die Rote Linie dazu. Erst ab 1930 wurden Zahlen verwendet.
Viele Jahre war die Electrische Straßenbahn Weimar Eigentum von Siemens in Berlin. 1920 aber übernahmen die Städtischen Werke Weimar die Bahnen. Trotz Wirtschaftskrise hielt die Stadt an ihrem Prestige-Objekt fest und beschaffte sogar bis 1928 zehn neue Triebwagen. Ein Jahr später dachte man aber schon über Kraftomnibusse nach.
Auf insgesamt rund sieben Kilometern Schienennetz fuhren die Bahnen vom Bahnhof im Norden vorbei an Postamt und Wielandplatz durch die Belvederer Allee zum Ausflugslokal Falkenburg. Außerdem verbanden sie den Staatsbahnhof mit dem Berkaer Bahnhof. Das Straßenbahndepot samt E-Werk steht noch heute am Kirschberg. Es ist nun Theater, Kino und Künstlerwerkstatt.
1937 ruckelte das letzte Mal eine Straßenbahn durch Weimar. Die Stadt musste einsehen, dass sie zu klein ist für ein teures Straßenbahnnetz.
Jede Stadt, die etwas auf sich hielt, chauffierte ihre Bewohner und Besucher zur Jahrhundertwende in Straßenbahnen durch die Gegend, so sie es sich leisten konnte. Das brachte großstädtisches Flair.
Am 6. Dezember 1897 unterzeichnete die Firma Siemens & Halske AG einen Vertrag mit der Stadtverwaltung Weimar, um eine Straßenbahn und ein E-Werk zu errichten. Schon zwei Jahre später fuhr die Blaue Linie durch Weimar. 1908 kam die Rote Linie dazu. Erst ab 1930 wurden Zahlen verwendet.
Viele Jahre war die Electrische Straßenbahn Weimar Eigentum von Siemens in Berlin. 1920 aber übernahmen die Städtischen Werke Weimar die Bahnen. Trotz Wirtschaftskrise hielt die Stadt an ihrem Prestige-Objekt fest und beschaffte sogar bis 1928 zehn neue Triebwagen. Ein Jahr später dachte man aber schon über Kraftomnibusse nach.
Auf insgesamt rund sieben Kilometern Schienennetz fuhren die Bahnen vom Bahnhof im Norden vorbei an Postamt und Wielandplatz durch die Belvederer Allee zum Ausflugslokal Falkenburg. Außerdem verbanden sie den Staatsbahnhof mit dem Berkaer Bahnhof. Das Straßenbahndepot samt E-Werk steht noch heute am Kirschberg. Es ist nun Theater, Kino und Künstlerwerkstatt.
1937 ruckelte das letzte Mal eine Straßenbahn durch Weimar. Die Stadt musste einsehen, dass sie zu klein ist für ein teures Straßenbahnnetz.




