Nachtaktiv
Der Lebensrhythmus des Menschen ist eng an den natürlichen Wechsel von Tag und Nacht gebunden - am Tage sind wir aktiv, in der Nacht ruhen wir. Für viele Millionen Menschen gilt dies jedoch nicht.Der schlafende Nachtwächter von Carl Spitzweg,1875. Mit Müdigkeit haben die meisten Nachtarbeiter zu kämpfen.
Widerstrebende Rhythmen
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Anteil von Arbeitnehmern mit - für die Gesundheit und die gesellschaftlichen Beziehungen - ungünstigen Arbeitszeiten seit 1991 auf knapp fünfzig Prozent angestiegen. Ohne Nachtarbeit würde das Leben in einer Gesellschaft, die rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche aktiv ist, auch kaum funktionieren - es geriete völlig aus dem Rhythmus. Das allerdings passiert nun eben jenen, die außerhalb der normalen Arbeitszeiten tätig sind.
Nachtarbeit widerstrebt dem natürlichen Lebensrhythmus des Menschen, kann dadurch zur großen Belastung für Organismus und Psyche werden. Entgegen seiner inneren Uhr, die den Wach-Schlaf-Rhythmus sowie weitere Körperfunktionen, wie Temperatur, Herzfrequenz oder den Stoffwechsel, steuert, ist der Nachtarbeiter zu einer Zeit aktiv, wenn der Organismus eigentlich auf Ruhe schaltet. Und andererseits wird der Körper zum Schlafen gezwungen, wenn er, von Natur aus, aktiv sein will.
Schwer zu verkraften
Diese Abkopplung vom natürlichen Biorhythmus hat weit reichende gesundheitliche Folgen. Nachtarbeit bedeutet für den Körper Mehrarbeit. Denn gerade zu später Stunde, wenn die Körpertemperatur herab gesetzt ist und sich die Stoffwechselvorgänge verlangsamen, kostet es den Organismus zusätzliche Anstrengung, um leistungsfähig zu sein. Diese Mehrarbeit wieder auszugleichen, bedarf längerer Regeneration.
Selbst moderne Anlagen, wie hier das Briefzentrum der Post, können auf die Arbeitskraft Mensch nicht verzichten. (Bild: Deutsche Post AG)
Über Grenzen hinaus
Es ist ein gefährlicher Kreislauf: Die Aktivierung zusätzlicher Reserven - zum Beispiel durch die Stresshormone Adrenalin oder Cortisol - macht den Nachtarbeiter unempfindlicher gegen physische Belastungen, gleichzeitig verringert sich dadurch allerdings seine Wahrnehmung von Warnsignalen des Körpers: Er ignoriert Beschwerden, kämpft gegen die Müdigkeit an, geht über seine Grenzen hinaus.
Fehlerquote und Unfallhäufigkeit sind deshalb bei Nachtschichten deutlich erhöht. Selten ist der Organismus in der Lage, sich dem verschobenen Arbeits- und Lebensrhythmus anzupassen. Eine allgemein geschwächte Immunabwehr, Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Konzentrationsstörungen und Magen-Darm-Probleme zählen zu den häufigsten Beschwerden der Nachtarbeiter...
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Infobox
Dreißig Prozent Nachtzuschlag angemessen
Laut Paragraph 2 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) gilt die Zeit zwischen 23.00 Uhr und 6.00 als Nachtzeit. Umfasst eine Arbeit mehr als zwei Stunden dieser Nachtzeit, handelt es sich um Nachtarbeit.
Nachtarbeiter sind jene Arbeitnehmer, die auf Grund ihrer Arbeitszeitgestaltung in Wechselschichten arbeiten oder an mindestens 48 Kalendertagen im Jahr Nachtarbeit leisten. Die tägliche Arbeitszeit darf in der Regel acht Stunden nicht überschreiten, in Tarifverträgen sind aber häufig Sonderegelungen getroffen.
Darin ist in vielen Fällen auch geregelt, ob für Nachtarbeit ein Zuschlag bezahlt wird oder ob ein entsprechender Freizeitausgleich erfolgt. Ein Nachtzuschlag von rund dreißig Prozent des Bruttolohns gilt als angemessen.
Fehlt eine tarifvertragliche Ausgleichregelung, kann der Arbeitgeber zwischen den beiden gesetzlichen Alternativen wählen. Für schwangere Frauen, stillende Mütter sowie Jugendliche ist Nachtarbeit generell verboten.
Laut Paragraph 2 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) gilt die Zeit zwischen 23.00 Uhr und 6.00 als Nachtzeit. Umfasst eine Arbeit mehr als zwei Stunden dieser Nachtzeit, handelt es sich um Nachtarbeit.
Nachtarbeiter sind jene Arbeitnehmer, die auf Grund ihrer Arbeitszeitgestaltung in Wechselschichten arbeiten oder an mindestens 48 Kalendertagen im Jahr Nachtarbeit leisten. Die tägliche Arbeitszeit darf in der Regel acht Stunden nicht überschreiten, in Tarifverträgen sind aber häufig Sonderegelungen getroffen.
Darin ist in vielen Fällen auch geregelt, ob für Nachtarbeit ein Zuschlag bezahlt wird oder ob ein entsprechender Freizeitausgleich erfolgt. Ein Nachtzuschlag von rund dreißig Prozent des Bruttolohns gilt als angemessen.
Fehlt eine tarifvertragliche Ausgleichregelung, kann der Arbeitgeber zwischen den beiden gesetzlichen Alternativen wählen. Für schwangere Frauen, stillende Mütter sowie Jugendliche ist Nachtarbeit generell verboten.
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Mehr Licht, mehr Leistung!
Licht, genauer: biologisch wirksames Tageslicht, ist der wichtigste Zeitgeber der inneren Uhr. Es stellt den Körper jederzeit auf die aktuelle Umwelt ein, im immer wiederkehrenden Wechsel von Tag und Nacht.
Dass sie gegen ihren natürlichen Rhythmus arbeiten, spüren Nachtarbeiter deutlich. Nun haben Wissenschaftler der Universität München untersucht, ob spezielles, hoch dosiertes Licht helfen kann, Nachtarbeiter während ihres nächtlichen Leistungstiefs wieder fit zu machen.
Im Motorenwerk eines deutschen Autoherstellers wurden probeweise helle Lichtquellen installiert - statt konventioneller 500 Lux brachten sie es auf 1.500 Lux. Und tatsächlich: Die innere Uhr lässt sich durch Licht beeinflussen.
Die Schichtarbeiter gaben an, eine positive Wirkung der intensiven Beleuchtung deutlich gespürt zu haben. So litten sie beispielsweise weit weniger unter Müdigkeitsattacken.
Licht, genauer: biologisch wirksames Tageslicht, ist der wichtigste Zeitgeber der inneren Uhr. Es stellt den Körper jederzeit auf die aktuelle Umwelt ein, im immer wiederkehrenden Wechsel von Tag und Nacht.
Dass sie gegen ihren natürlichen Rhythmus arbeiten, spüren Nachtarbeiter deutlich. Nun haben Wissenschaftler der Universität München untersucht, ob spezielles, hoch dosiertes Licht helfen kann, Nachtarbeiter während ihres nächtlichen Leistungstiefs wieder fit zu machen.
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Die Schichtarbeiter gaben an, eine positive Wirkung der intensiven Beleuchtung deutlich gespürt zu haben. So litten sie beispielsweise weit weniger unter Müdigkeitsattacken.



